WSG-Coach Silberberger: „Müssen zurück zu Wurzeln im Langes-Stadion“

Nach dem Bundesliga-Abstieg und mit Blickrichtung Zweitliga-Zukunft gibt es bei der WSG Tirol viel aufzuarbeiten. Der grünweiße Weg verlangt im Gernot-Langes-Stadion nach einer neuen Definition.

Machen sie auch in Liga zwei weiter gemeinsame WSG-Sache? Langzeit-Trainer Thomas Silberberger und Sportmanager Stefan Köck signalisieren Bereitschaft und warten die kommenden Tage ab.
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Von Alex Gruber und Tobias Waidhofer

Innsbruck, Wattens – Mit sechs Siegen in Serie löste die WSG im Frühjahr 2019 den Bundesliga-Aufstieg, nach dem 0:0 gegen die Admira und sechs sieglosen Spielen in der Quali-Runde ging es ein Jahr später wieder zurück in Liga zwei. Der Auf- wie sofortige Wieder-Abstieg, jeweils in der letzten Runde, gingen an die Substanz. Ein schmerzhafter Blick zurück und ein vorsichtiger voraus ...

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V wie Verletzungen: Auf die Ausfälle von Lukas Grgic, Benni Pranter und Ione Cabrera folgte der folgenschwere Motorradunfall von Coach Thommy Silberberger: „Das hat es brutal schwierig gemacht. Die Mannschaft hat gesehen, da ist ein körperlich schwer angeschlagener Trainer draußen, das war nicht ideal. Und in der Quali-Runde haben wir dann zu oft die falschen Entscheidungen getroffen. Wir waren über die ganze Saison zu wenig stabil.“ Es fielen auch weitere Leistungsträger (Walch, Soares ...) aus. „Ich bin kein Freund von Glück und Pech, aber wir haben einiges einstecken müssen“, fasst es Sportmanager Stefan Köck in Worte, um im selben Atemzug hinterherzuschicken: „Wenn man am Ende des Tages nach 32 Runden absteigt, hat da oder dort was gefehlt.“ Hinter Dedic standen mit Michael Svoboda (21/kam 2018 aus der Regionalliga Ost zur WSG) sowie Stefan Hager (25) und David Gugganig (23) drei junge Spieler am längsten am Feld, die allesamt Bundesliga-Debütanten waren.

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F wie Führungsduo: Präsidentin Diana Langes stärkte Silberberger und Köck stets den Rücken, so ging es von der Regionalliga bis in die Erstklassigkeit hoch. Diese Konstanz wurde zur Stärke, in Liga eins reichten die (finanziellen) Mittel nicht mehr aus. „Auch wenn wir die Liga gehalten hätten, wäre es aus budgetärer Sicht in der nächsten Saison sehr schwer geworden. Wir sind grundsätzlich bereit weiterzumachen, wenn es einen klaren Plan gibt und es der Verein so will. Wir sind aber kein Ehepaar und jeder muss für sich entscheiden, aber wir laufen nach dem Abstieg nicht davon“, sagt Köck, der hofft, dass den gesundheitlich angeschlagenen Silberberger nach sieben Jahren nicht die Kraft verlässt.

S wie Stadion: Hartberg hat ebenfalls eine weibliche Präsidentin (Brigitte Annerl), die das eigene Stadion sofort Bundesliga-tauglich umbauen ließ. Die Übersiedlung ins leere Tivoli (nur zwei Heimsiege! Und kein einziger gegen einen direkten Konkurrenten) war für die WSG Tirol ein Sargnagel. Da wird Silberberger deutlich: „Es würde auch Hartberg nicht guttun, eine ganze Saison in der Grazer Merkur-Arena zu spielen. Wenn wir das nächste Mal Richtung Bundesliga angreifen wollen, müssen wir im Gernot-Langes-Stadion spielen können.“ Dazu fehlt auch von politischer Seite noch ein gutes Stück.

K wie Kader: Von den vier „Alten“ (Koch, Soares, Maierhofer, Petsos), die im Winter kamen, würde die WSG am liebsten Koch als Tiroler Führungsspieler halten. Finanziell rückt der Abschied aller anderen wie beispielsweise von Top-Torschütze Zlatko Dedic (35) nahe. Verträge für die zweite Liga halten nur Pranter, Flo Toplitsch, Kelvin Yeboah oder Ignacio Jauregui (ARG), der in dieser Saison aus Verletzungsgründen und aufgrund der Legionärsbeschränkung (Stichwort Österreichertopf) zu keinem einzigen Liga-Einsatz kam. Köck muss einen neuen Kader (er-)finden, auch die zweite Mannschaft rückt ja eine Etage (Regionalliga) höher: „Es ist eine Mammutaufgabe, aber das Coronavirus hatte Rieseneinflüsse und es sind sicher genügend Spieler am Markt.“ Eine klare Verjüngung ist so sicher wie das Amen im Gebet.

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A wie Analyse: Köck und Silberberger gehen heute über die abgelaufene Saison drüber. „Wir müssen in Ruhe evaluieren und realistische Ziele setzen. Luftschlösser zu bauen, wäre ein fataler Schritt. Wir müssen Stück für Stück im Langes-Stadion wieder zurück zu den Wurzeln“, führt Silberberger aus. „Was haben wir für Mittel zur Verfügung? Wie sieht der Betreuerstab aus?“, nennt Köck entscheidende Parameter für die Zukunft.

Z wie Ziele oder Zukunft: Ohne Fernsehgeld (siebenstelliger Betrag) muss man kleinere Brötchen backen. „Wir dürfen uns nicht das Mascherl ,sofortiger Wiederaufstieg‘ umhängen, weil da gehen wir das nächste Mal in den Graben“, notiert Silberberger. Köck unterstreicht: „Wir wollen aber auch nicht fünf bis sechs Jahre in der zweiten Liga herumvegetieren.“ Die Derbys gegen Wacker sind „ein schwacher Trost“. Wer ist die (neue) Nummer eins?


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