Ex-Weltmeister Gruber droht nach Eingriff am Herzen das Karriereende

Nach einer Herz-OP will sich ÖSV-Kombinierer Bernhard Gruber (37) wieder an den Weltcup herantasten – ob das gelingt, ist mehr als ungewiss.

Nach der Schock-Diagnose ist für Bernhard Gruber „eine Welt zusammengebrochen“. Der derzeit erfolgreichste ÖSV-Kombinierer bekam nach einer Verengung des vorderen Herzkranzgefäßes einen Stent gesetzt.
© gepa

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck, Bad Hofgastein – Am 25. Jänner 2020 absolvierte Bernhard Gruber in Oberstdorf (GER) sein bisher letztes Weltcuprennen. Im Teambewerb erlitt der 37-jährige Dauerbrenner aus dem Gasteinertal jedoch einen Einbruch, beinahe konnte er das Rennen nicht mehr beenden. Wieder zuhause folgte im Krankenhaus Schwarzach die Schock-Diagnose.

„Der Arzt hat eine 90-prozentige Verengung des vorderen Herzkranzgefäßes festgestellt. Im ersten Moment ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich bin am Boden gesessen und hab’ geweint“, erzählte der siebenfache Weltcupsieger, der bei der Heim-WM in Seefeld 2019 drei Medaillen abräumte. Bei einer Not-OP Anfang März wurde ihm ein Stent gesetzt. Das medizinische Implantat zum Offenhalten von Gefäßen muss nun gut anwachsen, damit der Team-Olympiasieger (2010) und Ex-Weltmeister (2015) wieder an die Belastungsgrenze gehen kann.

"Will nicht mein Leben riskieren"

Gruber tastet sich vorsichtig heran. „Derzeit kann ich nur Grundlagentraining mit Puls 135 machen. Die Kardiologen sagen, es ist möglich, wieder Skispringen zu gehen. Klar ist: Ich will nicht mein Leben riskieren und beim Langlaufen tot umfallen.“ Eine Stoffwechselerkrankung macht auch Grubers Vater und Schwester zu schaffen. „Das liegt wohl in den Genen. Ich wollte nie Medikamente gegen zu hohes Cholesterin.“ Nun müsse er Blutverdünner einnehmen. „Das ist eine Herausforderung für mich.“ An ein Karriere­ende habe der Routinier – der am 12. August 38 Jahre alt wird – keine Sekunde gedacht. „Die Motivation ist ungebrochen. Ich plage mich einfach viel zu gerne. Die Kombination ist meine größte Leidenschaft, genau die wird mir genommen, wenn das Herz nicht mehr mitspielt.“

Bevor der zweifache Familienvater frühestens im Oktober wieder Skispringen darf, braucht es eine ärztliche Freigabe. „Vom ÖSV bekomme ich jede Unterstützung, die ich brauche“, sagte Gruber dankend. ÖSV-Cheftrainer Christoph Eugen steht mit seinem erfolgreichsten Athleten in Kontakt und gibt ihm „genügend Zeit“. Nachsatz: „Ob Bernie sich ins Weltcupteam zurückkämpfen kann, ist derzeit schwer zu sagen.“

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