Ausweichverkehr: Pkw-Verbote in Tirol bei Bedarf binnen 14 Tagen

Im Land steht man Gewehr bei Fuß, sollte sich der Urlauberverkehr auch heuer Ausweichrouten suchen. Auch im Lkw-Transit hält man an alten Rezepten fest.

Groß war im Vorjahr die Aufregung in Deutschland, als Tirol im Sommer gegen den Ausweichverkehr strikte Abfahrverbote erlassen hatte.
© Thomas Boehm / TT

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die Prognosen sind unsicher. Trotz des noch immer – Corona-bedingt – deutlich geringeren Pkw-Aufkommens auf der Inntal- und Brennerautobahn ist nicht ausgeschlossen, dass es mit Beginn der anstehenden Urlaubsreisezeit heuer auch in Tirol wieder zu Mega-Staus und dem gefürchteten Ausweichverkehr auf die Nebenrouten durch die Dörfer kommen könnte. Das Land griff im vergangenen Jahr mit Notmaßnahmen in Form von lokalen Fahrverboten und Dosierampeln im Außerfern, Raum Kufstein, in Innsbruck und entlang der Achenseestraße durch. Mit Erfolg.

Für heuer sind noch keine derartigen Verordnungen erlassen. Wie sowohl Bernhard Knapp, Leiter der Abteilung Verkehrsrecht im Land, als auch Markus Widmann (Leiter der Verkehrsabteilung der Polizei) auf TT-Anfrage bestätigen, stehe man für den Fall des Falles parat. Derzeit beobachte die Polizei die verkehrsneuralgischen Stellen – allen voran den Raum Reutte. Sollte die Situation wie im Vorjahr eskalieren, könne man binnen maximal 14 Tagen das bewährte Verbots- und Dosierregime wieder (samt nötigen Ermittlungsverfahren und rechtlich fristgerechten Ankündigungen) hochfahren, heißt es aus dem Landhaus.

„Diese Freundlichkeit darf man uns nicht als Schwäche auslegen.“

Was die Lkw-Blockabfertigung auf der Inntalautobahn an der Grenze zu Bayern bei Kufstein betrifft, so sei diese „planmäßig aktiv“, wie Knapp ausführt. So wurde erst am Montag wieder dosiert, 14 weitere Dosiertage sind bis Jahresende laut genehmigtem Dosierkalender noch geplant. Daran und ebenso an den geltenden Lkw-Verboten werde man auch weiterhin festhalten, bemühten sich gestern LH Günther Platter (VP) und LHStv. Ingrid Felipe mit Verweis auf die aktuelle Halbjahresbilanz der Asfinag zu versichern.

Wie berichtet, ist der Lkw-Verkehr im Transit (Mautkategorie 4) in den ersten sechs Monaten trotz Corona-Lockdown nur um gut zehn Prozent zurückgegangen. Auch, weil Tirol in dieser Zeit das Wochenendfahrverbot gelockert hat. Felipe meint aber in Richtung Deutschland und Italien: „Diese Freundlichkeit darf man uns nicht als Schwäche auslegen.“ Vor Klagen fürchtet sich Felipe deshalb nicht. Ein Treffen mit der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer sei avisiert.

Wie ebenso bereits in der Vorwoche berichtet, hofft das Land, dass Deutschland – es führt bis Jahresende den EU-Ratsvorsitz – nunmehr die Überarbeitung der Wegekostenrichtlinie auf Schiene bringt. Erst damit, so Felipe und Platter, könne Tirol erneut an den Mautkosten drehen. Derzeit sei man am Plafond des europarechtlich Möglichen angelangt. Helfen soll eine Alpentransitbörse. Selbige forderte der Landtag im Mai per Beschluss ein.


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