"Das Virus ist da": Die Schutzmaske als Dauerbrenner

Tirol und Wien führen die Maskenpflicht nicht wieder ein. Oberösterreich ab Donnerstag schon. Die Ärztekammer rät, sich von Bussi-Bussi und Handschlag zu verabschieden, und lobt die Maske.

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Linz, Innsbruck – Nach dem Anstieg von Coronavirus-Fällen führt Oberösterreich die Maskenpflicht in Geschäften, Einkaufszentren und Dienstleistungsbetrieben wieder ein. Der Mund-Nasen-Schutz gilt für das Personal und in Restaurants auch für Gäste, wenn sie den Tisch verlasssen. Im Freien heißt es, Abstand zu halten – und wo das nicht möglich ist, eine Maske zu verwenden. In Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen darf die Maske erst abgenommen werden, wenn die Schulbank erreicht ist. Die Regeln sind jene, die vor der Lockerung bundesweit galten.

Die Maskenpflicht trete ohne zeitliche Begrenzung in Kraft, erklärte Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) gestern bei einer Pressekonferenz in Linz. Es gehe darum einen Lockdown zu verhindern. Dass es einen solchen brauchen könnte, wollte Stelzer nicht ausschließen. Mit der Bundesebene habe man sich abgesprochen. Sowohl Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) als auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) würden die Maßnahmen unterstützen, erklärte Stelzer.

"Es geht darum, einen zweiten Lockdown zu verhindern"

So wie in Tirol gibt es auch in Oberösterreich Fälle von Reiserückkehrern vom Westbalkan. Zudem habe der „Freikirchen-Cluster“ zur Erhöhung der Reproduktionszahl beigetragen. Bundesweit liegt der Wert bei 1,37, in Oberösterreich jetzt bei 2,0, in Tirol bei 1,8.

In Wien seien vorerst keine strengeren Maßnahmen geplant, erklärte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Ausschießen wollte er die Rücknahme von Lockerungen nicht. Tirols Landeshauptmann Günther Platter hatte letzte Woche erklärt, dass er sich ab einer Zahl von 50 bis 60 Neuinfizierten pro Tag in Tirol „Sorgen machen würde“. In den letzten neun Tagen lag das Land durchschnittlich bei 2,5 Neuinfizierten pro Tag. Gestern wollte Platter, auf die Maskenpflicht in Oberösterreich angesprochen, eine solche weder ausschließen noch dementieren. Das hänge von den Infiziertenzahlen ab. Es gehe darum, einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Die Maskenpflicht war vor allem dem Handel, der Gastronomie und der Gewerkschaft sauer aufgestoßen. Mitarbeiter hätten unter dem Maskentragen ebenso gelitten wie der Umsatz. Die Maske wurde von Branchenvertretern als Konsumbremse ausgemacht.

„Das Virus ist da"

Tirols Ärztekammerpräsident Artur Wechselberger verknüpfte gestern die Frage nach der Maskenpflicht mit der Frage nach der Vernunft. „Das Virus ist da. Überall dort, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann, sollte eine Maske getragen werden.“ Das gelte sowohl für Lokale als auch für Festivitäten. Wie viel Schutz der Mund-Nasen-Schutz bietet, ist umstritten. Wechselberger sieht es so: „Wenn zwei sich gegenüberstehen und beide eine Maske tragen, dann sind wohl beide besser geschützt, weil beide reduziert Tröpfchen ausstoßen.“ Außerdem habe die Maske einen Symbolcharakter. „Es ist ein Warnsignal, dass es eben nicht so ist wie früher.“

Der Ärztekammerpräsident rät, sich auf Distanz und Handhygiene dauerhaft einzustellen. „Wenn das nicht funktioniert, Maske tragen.“ Es gehe nicht nur um einen selbst, sondern auch um das Gegenüber. Händeschütteln wehrt er ebenso ab wie sich mit Bussi-Bussi zu begrüßen. Die Wiener Ärztekammer rät allen niedergelassenen Ärzten, Patienten, die trotz Aufforderung keinen Mund-Nasen-Schutz tragen wollen, den Zutritt zur Ordination zu verweigern. (aheu, APA)


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