Palfrader: Im Sommer kein erhöhter Bedarf an Kinderbetreuung

Trotz Corona-Krise sei der Bedarf an Kinderbetreuung im Sommer nicht gestiegen, erklärt Landesrätin Beate Palfrader. Für den Herbst hofft sie auf Normalbetrieb.

Im Herbst sollen der Schulbetrieb und die Betreuung in den Kindergärten und Krippen in Tirol wieder im Normalbetrieb laufen.
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Wie wird es im Herbst mit der Betreuung in den Kindergärten weitergehen?

Beate Palfrader: Bei Kindergärten hat das Land, anders als bei Schulen, mehr mitzureden. Wir planen, dass der Betrieb im Herbst mit voller Besetzung wieder aufgenommen wird, wie es vor CoronaZeiten war. Allerdings wissen wir nicht, wie sich die Infektionszahlen entwickeln. Derzeit haben wir eine Betreuungsquote von 60 Prozent, weil sehr viele Eltern Angst vor Infektionen haben. Aber auch, weil sehr viele arbeitslos oder in Kurzarbeit sind.

Viele Eltern sorgen sich wegen der Betreuung im Sommer. Musste das Angebot aufgestockt werden?

Palfrader: Wir haben vor drei Wochen mit dem Gemeindeverband den Bedarf erhoben. Dabei ist herausgekommen, dass der Bedarf an Betreuung in Kindergärten und Krippen nicht gestiegen ist. Der Bedarf befindet sich auf dem Niveau vom Vorjahr.

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In Oberösterreich wurden zuletzt wieder Betreuungseinrichtungen geschlossen. Daran gab es Kritik, auch weil Studien ergaben, dass Kinder doch keine ,Virusschleudern‘ sind. Können Sie eine flächendeckende Kita oder Schulschließung ausschließen?

Palfrader: Nein. Wir sind da vom Bund abhängig. Die Gesundheitsbehörde entscheidet, ob eine Gruppe oder ein ganzer Kindergarten oder Schulen geschlossen werden. Im Zweifel hat immer die Gesundheit oberste Priorität.

Bei den Schulen wurde die Einführung des Schichtbetriebs diesen überlassen. Sollte man das ändern, weil Mehrkindfamilien dadurch unter Umständen Nachteile hatten?

Palfrader: Das Bundesministerium plant einen normalen Schulbetrieb im Herbst zu starten, wenn es die Infiziertenzahlen zulassen. Wenn es wieder zu einem Schichtbetrieb käme, müsste es unbedingt eine Abstimmung in Gemeinden mit mehreren Schulen geben. Eine solche Abstimmung bräuchte es auch regional, damit, wenn ein Kind beispielsweise in die Volksschule geht und das andere in die AHS, das koordiniert ablaufen kann.

Warum hat man das nicht bereits im abgelaufenen Schuljahr gemacht?

Palfrader: Das war dem Zeitdruck geschuldet. Es gab drei Modelle, 70 Prozent der Schulen haben sich für den Schichtbetrieb im Reißverschlussprinzip entschieden. Dennoch gab es teils Schwierigkeiten. Jetzt haben wir auf jeden Fall mehr Zeit, um uns auf so eine Situation vorzubereiten und besser zu koordinieren. Eine Betreuung der Kinder war jedoch immer gewährleistet.

Was sind die Erfahrungswerte, welche Maßnahme hat sich als besonders praxisfern und welche als besonders praxistauglich gezeigt?

Palfrader: Abstand halten ist bei kleinen Kindern sehr schwierig. Was sich bewährt hat, ist unsere Digitalisierungsoffensive, die wir bereits 2018, also weit vor Corona, gestartet haben.

Das Gespräch führte Anita Heubacher


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