Landecker Burschlkirche sagt Wurm mit Sanierung den Kampf an

Die Burschlkirche wird saniert. Nicht abgestimmte Spendenaktion sorgte für Irritation.

Die Sanierung der vom Holzwurm befallenen Altäre soll noch in diesem Sommer starten.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Landeck – Es ist ein ungebetener Kirchenbesucher, der Dekan Martin Komarek so gar keine Freude bereitet. In der Landecker Burschlkirche ist der Wurm drin – im wahrsten Sinne des Wortes. An den hölzernen Altären und Kunstschätzen wird fleißig genagt – das zeigen auch kleine Sägemehlspuren auf dem Boden.

Der Landecker Pfarrer hatte deshalb zum Startschuss der Kirchenrenovierung geladen. 337.000 Euro wird es kosten, das 1650 nach überstandener Pestzeit errichtete Gotteshaus wieder fit zu machen. Im Mittelpunkt steht eine Begasung des Innenraums, um die Holzwürmer zu beseitigen. Gleichzeitig will man viele andere Baustellen in Angriff nehmen – von der Trockenlegung der Sakristei bis zu Rissen zwischen Schiff und Turm.

„Im Kataster hat die Parzelle der Burschlkirche die Nummer 1. Das sagt viel über die Bedeutung des Ortes aus“, betont Architekt Friedrich Falch, der die Restaurierung leiten wird. Es seien bedeutende Kunstwerke, vorwiegend von lokalen Künstlern, die hier massiv von der Zerstörung bedroht seien, erklärt er.

Die Finanzierung des Gesamtprojekts ist derzeit noch offen – dabei setzt Dekan Komarek auf viele freiwillige Spenden und tatkräftige Hände. Denn fixe Zusagen öffentlicher Fördergeber – aber auch der Diözese – gebe es Coronabedingt noch nicht. Die Kirche gehört der Pfarre Bruggen. Es wurde ein eigenes Spendenkonto (IBAN AT80 4239 0030 0004 9023) eingerichtet.

Umso mehr sorgt eine Stellungnahme Komareks für Verwunderung. Aktuell gibt es nämlich bereits eine Spendenaktion für die Burschlkirche. So sammelte auch die „Aktionsgruppe Sophie-Scholl“ (AGS) Geld für die Sanierung. „Das ist mit uns nicht abgestimmt. Ich war überrascht, dass es diese Spendenaktion gab“, betont er. Denn die Gruppe habe ihre Arbeit für die Burschlkirche im letzten Jahr zurückgelegt.

Nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Beziehung zur AGS, den ehemaligen Pfadfindern, dürfte nämlich der Wurm drin sein. Die Gruppe hatte sich über viele Jahre für die Kirche engagiert, war zuletzt auch über einen Vertrag für die Instandhaltung zuständig. „Seit einem halben Jahr sagt man uns, dass man uns nicht mehr will“, so AGS-Kümmerer Andreas Pfenniger. Die Pfadfinder waren auch jene, die 2016 auf den Holzwurmbefall aufmerksam gemacht hatten und in Folge ein Sanierungskonzept erstellten. „Der Pfarrer war konsterniert“, erinnert sich Pfenniger, „wie kämen wir ohne Auftrag dazu, so etwas auszuarbeiten. Das war der Anfang vom Ende.“ Man beendete die Arbeit wegen „mangelnder Gesprächsbereitschaft“. Der Pfarrer wies diesen Vorwurf entschieden zurück. Es sei auch danach zu keinem Konsens gekommen, betont er. „Ich habe ihnen klargemacht, dass sie herzlich eingeladen sind mitzuarbeiten, aber die Federführung beim Pfarrkirchenrat liegt.“ Das hätten sie abgelehnt.

Das gesammelte Geld wird natürlich an die Pfarre Bruggen übergeben, stellt Pfenniger nun klar. Die Bausteinaktion für die Burschlkirche sei der „letzte Akt“ ihres Engagements. Es sei höchste Zeit, mit der Sanierung zu beginnen.


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