Baggersee Forchach: Gemischte Gefühle zu Renaturierung

Die umstrittenen Arbeiten am Baggersee Forchach sind im Gange. Ein alter Bachlauf wird wiederhergestellt. Die Initiative Biodiversität mit Wolfgang Schweißgut meldet weitere Schätze, die durch den Rückbau verlorengehen.

Die umstrittenen Arbeiten am Baggersee Forchach sind im Gange. Ein alter Bachlauf wird wiederhergestellt.
© Schweißgut

Von Helmut Mittermayr

Weißenbach, Forchach – Genau vor einem Jahr hatte in Weißenbach eine Bürger­initiative aufhorchen lassen, die den Baggersee Forchach retten wollte. Denn im Zuge des LIFE-Projektes „Wildflusslandschaft Tiroler Lech“, einer Maßnahme, bei der dem Lech Fläche zurückgegeben wird, sollte auch dieses idyllische Gewässer verschwinden. Nach umfangreichen Protesten, Gang in die Medien, Unterschriftenaktion, Bürgerversammlung, Besprechungen mit LHStv. Ingrid Felipe, Beamten und Experten kam es, wie berichtet, zum Kompromiss: Die schützenden Buhnen (Steinwälle) sollten nur teilweise entfernt und dem Baggersee damit Lebenszeit eingeräumt werden, ein natürliches Ende aber doch ins Auge gefasst sein, sobald der Lech einmal kraftvoll „zupacken“ sollte. Der Sprecher der Initiative Biodiversität (IB), Wolfgang Schweißgut, der den Artenreichtum und drohenden Verlust desselben um den See herausgearbeitet hatte, gab zähneknirschend seine Zustimmung zum Deal.

Die Initiative Biodiversität mit Wolfgang Schweißgut meldet weitere Schätze, die durch den Rückbau verlorengehen.
© Schweißgut

Im Herbst 2019 begannen die Bauarbeiten des 380.000 Euro teuren Projektes. Die Bürgerinitiative ist zu den Baubesprechungen eingeladen, hat inzwischen an rund einem halben Dutzend teilgenommen und Anregungen eingebracht. „Das Gesprächsklima mit den operativ ausführenden Personen ist gut und konstruktiv“, erklärt Schweißgut. Die unterliegende Buhne ist vollkommen abgetragen, die oberliegende gekürzt. Eine Frauenschuhkolonie wurde durch die IB erfolgreich umgepflanzt. Ein Flachwasserbereich wird noch geschaffen. Auf einer Länge von 800 m wurde eine 25 bis 30 Meter breite Schneise gerodet und der Oberboden abgetragen. „Damit wurden wertvolle Lebensgrundlagen vernichtet. Es gab in diesem Bereich unter anderem Vorkommen einer delikaten und seltenen Trüffelart, unter Einheimischen Merbala genannt, auch als Lechtaltrüffel bekannt.“

„Diese Schneise ist der Bachlauf des alten Koppenbachs, der damit wiederhergestellt wird“, weiß der Außerferner Wasserbauchef Wolfgang Klien. Der Baggersee entwässere dann nicht mehr direkt in den Lech, sondern über dieses Gerinne. Es könne als Fisch- und Laichgewässer genutzt werden. Laut Klien sollen die Arbeiten heuer im Herbst abgeschlossen sein.


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