Österreich führt Ampel-System ein, um das Risiko einzustufen

In vier Farben sollen alle Bezirke „nach ihrer Gefährlichkeit“ qualifiziert werden, um einen erneuten flächendeckenden Lockdown zu verhindern.

Mit den Landeshauptleuten haben Minister Anschober, Kanzler Kurz, Vizekanzler Kogler und Minister Nehammer in Sachen Corona beraten.
© APA

Von Karin Leitner

Wien – Auch die Zahl der hiesigen Corona-Infizierten steigt wieder. Was tun die Regierenden ob dessen? Mit den Landeshauptleuten haben sie darüber beraten. Ergebnis der Videokonferenz: Ein Ampel-System wird installiert. Nach vier Farben wird die Corona-Lage bis hinunter in die Bezirke eingestuft: Grün bedeutet gut, bei Rot ist die Situation alarmierend. Ziel sei, möglichst kleinräumig einzugreifen, sagt ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz: „Wir wollen uns österreichweite Maßnahmen so lange wie möglich ersparen.“ In einer Expertenkommission werden die Leitlinien für die Bundesländer und die Bezirkshauptmannschaften erarbeitet. Definiert wird, was bei welcher Ampelstufe zu tun ist. Beschlossen werde die Neuerung im Sommerministerrat, sagt Grünen-Gesundheitsminister Rudolf Anschober: „Vorbild ist das Lawinenwarnsystem.“

In Deutschland gibt es schon eine Corona-Ampel. Die österreichische soll anders sein. Nicht nur die Infektionszahlen im jeweiligen Bezirk würden erfasst, sondern auch die Spitalskapazitäten und das Verhältnis der positiven zu allen Corona-Tests, erläutert Anschober. Erfasst werde zudem, ob alle Infektionscluster zurückverfolgt werden konnten. Je nach Ergebnis soll die Ampel auf Grün, Gelb, Orange oder Rot schalten.

Beim „Contact-Tracing“, also bei der Rückverfolgung der Kontakte von Menschen, die infiziert sind, sollen fortan auch 300 Soldaten und 500 Polizisten helfen. Die Heeresleute würden primär im Telefondienst sein, sagt Kurz.

Anschober will das „Screening“ intensivieren, vor allem im Pflegebereich. Wegen der Reisewarnung der Regierung für Rumänien und Bulgarien werde geprüft, „wie ein gutes Testangebot“ für die 24-Stunden-Pflegerinnen „aussehen könnte“. Diese müssen nämlich, wenn sie aus einem Staat mit Reisewarnung kommen, in Quarantäne – oder einen negativen Test vorweisen.

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Der Tiroler ÖVP-Landeshauptmann Günther Platter sagt: „Die Bundesländer und der Bund sind sich einig, dass es insbesondere notwendig ist, rasche Test- und Tracingvorgänge sicherzustellen, um Infektionen schnellstmöglich zu identifizieren – und Infektionsketten zu verhindern.“ Die Bürger gelte es „zu sensibilisieren, dass das Virus unter uns ist“. Und gemünzt auf Ischgl: „Wir haben die Problematik von Superspreader-Events eingebracht.“

Es sei sein Vorschlag gewesen, das Ampel-System nicht nur für das Bundesland, sondern auch in den Bezirken anzuwenden, sagt der Kärntner SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser: „Kleinere Abschnitte sind bei Auftreten von Infektionen leichter zu bearbeiten.“ Der Vorarlberger ÖVP-Landeshauptmann Markus Wallner befindet: Was zu machen sei, wenn sich die Situation in einem Bezirk verschärfe – etwa Maskenpflicht, die Absage von Veranstaltungen, Betriebsschließungen –, müsse mit den Ländervertretern ausgearbeitet werden und regionale Spielräume lassen: „In einer ländlichen Region wird es vielleicht andere Maßnahmen brauchen als in einer Stadt.“


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