42.000 Anfragen zu Kurzarbeit bei Tiroler Arbeiterkammer

Die Corona-Krise lässt Arbeitnehmer aus allen Teilen Tirols die Arbeiterkammer stürmen. Themen wie Kurzarbeit oder Urlaub im Ausland sorgen für Verunsicherung.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Von Anita Heubacher

Innsbruck – 42.000 Fragen oder Beschwerden sind seit Mitte März bis Ende Juni allein zum Thema Kurzarbeit bei den Zweigstellen der Arbeiterkammer quer durch ganz Tirol eingelangt. „Die Lohnabrechnung in der Kurzarbeit ist eine zähe Geschichte“, erzählt der Leiter der Abteilung Arbeitsrecht in der AK in Innsbruck, Thomas Radner. Tausende Arbeitnehmer seien sich nicht sicher gewesen, ob ihre Gehälter richtig abgerechnet worden seien.

Als „ungerecht“ werde empfunden, dass jemand, egal ob er zehn oder fünfzig Prozent arbeitet, achtzig oder mehr Prozent des Gehalts bekomme. 17.168 telefonische Beratungen und rund 5000 per E-Mail allein zu diesem Thema haben Radner und sein Team in Innsbruck abgearbeitet. 15 Juristen sitzen in der Abteilung.

Täglich kommen Hunderte Anfragen. Noch heute. Zu Beginn des Lockdowns seien es noch mehr gewesen. Das abrupte Ende der Saisonarbeit habe viele Beschwerdefälle zur Folge gehabt. „Am 13. März wurde die Saison beendet, das Entgelt hätte aber noch bis Ende April oder manchmal sogar bis Mitte Mai weiterbezahlt werden müssen.“ 80 Fälle hat die Arbeiterkammer bei Gericht eingeklagt, weil ein Monatsentgelt nicht überwiesen wurde. 500 Fälle sind bei der AK gemeldet worden.

Der dritte Themenschwerpunkt war die Einteilung der Risikogruppen. „Es hat sehr lange Wartezeiten gegeben, bis klar war, wer sich als Risikogruppe sehen konnte und wer nicht“, sagt Radner. Die quälende Frage bei den Betroffenen: Müssen wir arbeiten gehen oder nicht? Menschen mit Diabetes, Lungenerkrankungen oder Krebs seien stark verunsichert gewesen.

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Was aktuell die Arbeitnehmer plagt, ist die Unsicherheit, was passiert, wenn man Urlaub im Ausland macht. Für die meisten EU-Länder, darunter Griechenland oder weite Teile Italiens, hat Österreich die Reisewarnstufe 4 ausgerufen. Für den Westbalkan oder die Lombardei gilt eine Reisewarnung. „Wenn man dorthin fährt, kann es heikel werden“, sagt Radner. Da könnte der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer vorwerfen, grob fahrlässig gehandelt zu haben, und dann die Entgeltzahlung im Krankheitsfall einstellen. Ob Partyfeiern auch als grob fahrlässig eingestuft werden könnte, lässt Radner offen. „Darüber lässt sich streiten. Gerichtsentscheid gibt es dazu noch keinen.“ Der Arbeitsrechtler empfiehlt, sich im Ausland so wie auch zu Hause an die Corona-Regeln zu halten. „Maskenpflicht heißt dann auch, eine Maske zu tragen.“

Das Thema Corona macht jedenfalls bei der AK keine Sommerpause: „Es wird uns nicht langweilig.“


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