Umfrage unter Tiroler Schuldirektoren: „Will so eine Situation nie mehr erleben“

Tirols Schuldirektoren waren in den vergangenen Monaten mit vielen Extremen konfrontiert. Und auch mit positiven Corona-Tests.

Lehrerin Ines Fuchs freut sich mit ihren Schülern der 4e der Volksschule Reichenau über die Zeugnisse und den Ferienbeginn.
© Vanessa Rachlé / TT

Innsbruck – Home-Schooling oder Heimunterricht war nach dem Lockdown Mitte März eine Realität, zuletzt dann der eingeschränkte Schulbetrieb. Heute geht deshalb ein beispielloses Schuljahr zu Ende. Auch für Doris Schumacher, Direktorin im Gymnasium in der Au in Innsbruck.

Herausfordernd für alle

Schumacher spricht von einer enorm herausfordernden Zeit für alle Beteiligten – Lehrer, Eltern und Schüler. „So wie in der Gesellschaft hat man auch in der Schule während der Krise gesehen, in welchen Bereichen man sich weiterentwickeln muss.“ Der Lockdown sei für die Kinder und Jugendlichen ein extrem einschneidendes Erlebnis gewesen. „Schule ist so viel mehr als nur ein Ort des Lernens von Stoff. Hier passieren wichtige Auseinandersetzungen. Den Kindern wurde mit der Schulschließung ihr gesamtes Beziehungsgeflecht genommen“, betont Schumacher.

„Soziales Verhungern“

Schumacher spricht von einem „sozialen Verhungern“ während des Lockdowns. Sie hofft, eine derartige Situation nie mehr zu erleben, „auch wenn wir viel gelernt haben. Einmal reicht aber völlig aus.“

Martina Hinterseer-Krause
 (Volksschule Sistrans): „Die größte Herausforderung während der Schulschließung war die Erreichbarkeit auf digitalem Weg.“
© VS Sistrans

Für Martina Hinterseer-Krause, Direktorin der Volksschule Sistrans, war die größte Herausforderung die Erreichbarkeit auf digitalem Weg. „Ich habe alle Extreme erlebt: von ganz entspannten Eltern bis zu jenen, die gesagt haben, dass sie das Home-Schooling unmöglich stemmen können“, berichtet Hinterseer-Krause. Bei den Lehrerinnen zeige sich jetzt, dass die letzten Monate viel Kraft und Energie gefordert haben. „Alle waren heuer wirklich sehr eingespannt.“ Auch die Phase des Schichtbetriebs sei komplizierter gewesen als gedacht. Sollte es im Herbst zu Einschränkungen kommen, sei die Schule aber vorbereitet.

Trotzdem ein gutes Jahr

„Trotz Corona war es ein gutes Jahr“, sagt der Schulleiter der Höheren Technischen Lehranstalt in Jenbach, Günther Ager. Von 66 angetretenen Maturanten haben alle ihr Ziel erreicht, davon sieben mit ausgezeichnetem Erfolg. „Die schwierige Corona-Zeit haben wir mit Videokonferenzen gut geschafft. Der Computer ist für unsere Schüler ja das Um und Auf“, betont Ager.

Plötzlich Quarantäne

Eine besonders stressige letzte Woche war es für Christian Unterrainer. „Es ist kein Fall dazugekommen“, zeigte sich der Direktor der Neuen Mittelschule Vorderes Stanzertal gestern aber erleichtert. Nach Kontakt mit einer positiv getesteten Lehrperson sind derzeit rund 45 Schüler aus vier Klassen in Quarantäne. Von den betroffenen Schülern und auch allen 30 Lehrpersonen wurden Abstriche genommen. Die Ergebnisse fielen negativ aus. „Die Situation hat sich beruhigt“, ist der Direktor froh. Trotzdem bleiben alle Schüler und zwei Lehrer, die engen Kontakt hatten, in Isolation. (dd, zw, mr)


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