„Dream Wife“: Selbstermächtigungspunk, poppig verfeinert

Zweites Album, selbe Botschaft: Das Londoner Trio „Dream Wife“ fordert auf der neuen Platte „So When You Gonna ...“ Gleichberechtigung.

  • Artikel
  • Diskussion
Alice Go, Bella Podpadec und Rakel Mjöll sind seit 2016 „Dream Wife“. Jetzt erschien ihr neues, zweites Studioalbum.
© Sarah Piantadosi

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Weniger als fünf Prozent der Platten, die produziert werden, gehen auf das Konto von Produzentinnen, erzählen die Musikerinnen von Dream Wife in der ersten Folge ihres neuen Podcasts. Es musste für ihr neues Album, das Anfang Juli erschien, also definitiv eine Produzentin sein. Und nicht nur das, an „So When You Gonna ...“ von Dream Wife haben lediglich Frauen mitgearbeitet, von den Drums bis zur Toningenieurin. Und auch in ihrem Pod­cast suchen die Endzwanzigerinnen vornehmlich Frauen im Musikbusiness auf.

Die Londoner Combo, deren Debüt 2018 wie ein Wirbelsturm durch die Popmusik-Szene fegte, legt jetzt einen ebenbürtigen Nachfolger nach. Unterstützung gibt’s von Marta Salogni, die als Produzentin schon bei Björk und FKA twigs ihre Finger im Spiel hatte. Ein guter Griff: „So When You Gonna ...“ ist unverschämt eingängig. Und weiterhin manifest.

Die Isländerin Rakel Mjöll (Vocals) und die beiden Engländerinnen Bella Podpadec (Bass) und Alice Go (Gitarre) gelten als die Riot Grrrls der Zehnerjahre. Weniger grantig, aber nicht weniger relevant. In elf Songs sprechen Dream Wife erneut über Themen, die von der Gesellschaft gerne tabuisiert werden. Abtreibung, Geschlechtsangleichung, Fehlgeburt und der weibliche Orgasmus finden im Selbstermächtigungspunk von Dream Wife Platz.

Und der Opener „Sports!“ legt schon mal die Karten auf den Tisch. Mit der Zeile „Put your money where your mouth is“ stellt sich das Trio gegen gesellschaftlichen Druck und Wettbewerb; zugleich ist es der Startschuss zu einem Parolenmarathon. Mal grölt Sängerin Mjöll ihre Forderungen ins Mikro (man höre das titelgebende „So When You Gonna ...“), mal versteckt sich die toughe Botschaft in der sanften Pianoballade („After The Rain“): „It’s my choice, my life. It’s my will, my sacrifice. It’s my body, my right.“ Klarer geht’s kaum.

Wo skandiert wird, wird vereinfacht, das gilt auch für Dream Wife. Verwaschen, besser poppig geglättet hört sich ihr Garage-Rock jetzt an. Der Geist des Punk schwingt aber ständig mit. Wie schon bei „That’s Not My Name“ von The Ting Tings (2008) lässt sich zu „Homesick“ oder „RH RN“ schon mal wild aufstampfen, bei „Hasta La Vista“ zumindest halbwild ­abshaken.

Selbst die klebrig-süße Stimme von Mjöll lenkt nicht davon ab, das Dream-Wife-Album ist als Aufforderung zur Gleichberechtigung konzipiert. Direkt, unverblümt, manchmal unverschämt.

Indie-Pop

Dream Wife. So When You Gonna ...

Lucky Number Music.


Kommentieren


Schlagworte