„Macht uns bitte wieder flott!“: Artistenfamilie in Stams „gestrandet“

Der Zirkus Brumbach ist seit dem Winter in Stams „gestrandet“. Bevölkerung, Gemeinde und Bezirkshauptmannschaft versuchen nun aktiv zu helfen.

Der Zirkus Stefan Brumbach ist am Rand des Stamser Eichenwaldes gestrandet. Emilio und Manuela Brumbach wissen derzeit nicht, wie es weitergehen soll.
© Thomas Parth

Von Thomas Parth

Stams – Der Zirkus Stefan Brumbach ist „gestrandet“. Bekannt ist der Zirkus u. a. durch die RTL-Show „Das Supertalent 2018“, wo der damals Neunjährige Emilio Bernardo Brumbach die Jury als „Deutschlands jüngster Zirkusdirektor“ verzauberte. Manuela, Emilios Mutter, schildert ihre Odyssee seit Corona: „Eigentlich wollten wir nur über den Winter in Stams bleiben und ab März unsere Tournee durch Tirol, Südtirol und weiter durch Italien starten.“ Doch dann ereilte die Artistenfamilie gleich doppeltes Pech. Ein Zugfahrzeug hatte den Geist aufgegeben und die Corona-Maßnahmen zwangen die Brumbachs in einer abenteuerlichen Aktion zurück über die Staatsgrenze nach Mittenwald. Dort hat der lokale Lions Club durch eine Spende die ärgste Not gelindert. Nachdem der Shutdown Wochen später wieder gelockert worden war, kehrten sie nach Stams zurück.

„Das ging binnen Stunden“, erinnert sich auch der Stamser Vize-BM Gerhard Wallner: „Eigentlich wollte die Gemeinde helfen und hat 500 Euro für Gas und Treibstoff zur Verfügung gestellt. Auch erlaubte es der Bürgermeister freundlicherweise, die Zirkuswagen beim Sportplatz abzustellen. Niemand hat aber damit gerechnet, dass diese Zwischenlösung so lange dauert, schließlich ist der Platz nicht zum Campieren freigegeben. Im Gegenteil: Wir hatten dort unser Pfingstturnier und dürfen es aus Sicherheitsgründen nicht mehr abhalten. Die alten Eichenbäume stellen eine Gefahr dar und könnten umstürzen.“

Seit den Corona-Bestimmungen bangen etliche Schausteller und Zirkus-Eigentümer um ihre Existenzen, da momentan keine Aufführungen gewinnbringend durchgeführt werden können. „Zum Leben haben wir auch nichts“, ist Manuela Brumbach verzweifelt: „Wir sind hier mittellos und mussten an viele Türen klopfen und Hilfe erbitten.“ Dazu waren auch etliche Stamser Bürger bereit. Erschwerend kommt für Familie Brumbach hinzu, dass sie deutsche Staatsbürger sind und nicht auf Sozialhilfe hoffen dürfen.

BM Franz Gallop führte jüngst einen Lokalaugenschein durch und sprach einen Platzverweis aus: „Wir brauchen den Platz, außerdem ist es zu gefährlich.“ Im Gemeinderat oder auch von besorgten Bürgern werde er angesprochen, wann denn der Zirkus wieder abreise. Was jedoch nicht gehe, so Gallop, ist, „dass plötzlich die Gemeinde Stams dafür zuständig ist, für den Zirkus einen Standplatz zu suchen“.

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Manuela Brumbach versteht die Welt nicht mehr: „Wir sind saubere Leute, haben kein Geld und können wegen Corona auch keine Zirkusaufführungen abhalten.“ Sie appelliert an die Bevölkerung: „Helft uns und gebt uns bitte einen Stellplatz, bis wir wieder flottgemacht sind!“

Mittlerweile hat sich auch die Behörde der Causa angenommen. Aus der Bezirkshauptmannschaft in Imst ist zu erfahren, dass man sich „intensiv um eine Lösung“ bemühe.

„Wir danken allen für ihre Unterstützung“, lässt diese Nachricht Manuela Brumbach ein wenig aufatmen, hatte sie doch bereits eine Strafe wegen „illegalen Campierens“ befürchtet.

Kommende Woche soll zumindest die Rückreise nach Bayern gewährleistet werden. „Ich hoffe, dass das auch glattgeht“, wünscht sich BM Gallop eine „rasche und einvernehmliche Lösung“.


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