Keine Nachwuchssorgen bei Tirols Freiwilligenarbeit

Die zehn Freiwilligenzentren konnten 2019 wieder zahlreiche Helfer vermitteln. Der Trend geht in Richtung zeitlich befristetes Engagement.

Die Unterstützung von älteren Personen liegt beim freiwilligen Engagement ganz weit vorne.
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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Einfach einmal helfen wollen. Anpacken, etwas Gutes tun, für andere da sein. Laut dem Jahresbericht 2019 der Freiwilligenpartnerschaft Tirol steigt die Zahl der Menschen, die sich hierzulande in den Dienst der guten Sache stellen wollen. Als wichtige Anlaufstellen für Freiwillige in den Regionen wurden auf Initiative des Landes vor fünf Jahren insgesamt zehn Freiwilligenzentren eingerichtet, die sowohl Helfer als auch Vereine, Einrichtungen und Hilfesuchende vernetzen und vermitteln.

Auffallend ist dabei ein Trend zum zeitlich befristeten freiwilligen Engagement ohne allzu lange Bindung: So wurden vergangenes Jahr insgesamt 1325 Freiwillige vermittelt, mehr als die Hälfte davon (695) für temporäre Kurzeinsätze – wie beispielsweise Mithilfe bei Veranstaltungen. Von jenen 630 Freiwilligen, die sich im vergangen Jahr für ein längerfristiges Engagement entschieden haben, wählten viele vor allem die Arbeit mit Senioren bzw. Kindern und Jugendlichen. Ebenfalls beliebt waren Freiwilligentätigkeiten im Bereich Flüchtlinge und Migranten sowie Soziales und Gesundheit. Deutlich gesunken ist hingegen der Anteil jener, die sich in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung engagieren.

Bei der Geschlechter- und Altersverteilung der über die Freiwilligenzentren vermittelten Personen gibt es ebenfalls klare Trends: Über die Hälfte der Freiwilligen ist höchstens 40 Jahre alt, die Altersgruppe von 21 bis 30 Jahren ist prozentual besonders stark vertreten und wächst weiter an. Frauen engagieren sich deutlich stärker in der Freiwilligenarbeit und machen rund 70 Prozent der über die Freiwilligenzentren Vermittelten aus.

Eine besondere Herausforderung auch für die Koordinatoren in den Freiwilligenzentren waren die Monate während des Corona-Lockdowns. Besuchsdienste in Altenwohnheimen waren plötzlich ebenso wenig möglich wie die Veranstaltung von Spachcafés. Allerdings habe sich das in den vergangenen Jahren aufgebaute Netzwerk in der Krise bezahlt gemacht, heißt es von der Freiwilligenpartnerschaft Tirol: „Zahlreiche Menschen meldeten sich und konnten an Gemeinden, Vereine, Organisationen und Nachbarschaftshilfe-Initiativen vermittelt werden.“ Hilfsbedürftige Menschen erfuhren dadurch rasche Hilfe.

Wie wichtig diese ist, weiß Caritas-Direktor Georg Schär­mer: „Freiwillige sind der Superkleber, wenn die Gesellschaft auseinanderzudriften droht.“ Die Caritas ist gemeinsam mit den Sozialpartnern und einigen Unternehmen Unterstützer der Initiative des Landes.

„Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit sind wichtige Bausteine unserer Gesellschaft und haben in Tirol einen sehr hohen Stellenwert“, betont LH Günther Platter. „Die Ehrenamtlichen stellen in vielen Bereichen oft das entscheidende Glied in einer Kette dar – ob bei der Betreuung von Kindern und älteren Menschen, bei der Mithilfe in Blaulichtorganisationen oder bei der unterstützenden Arbeit im Vereinswesen: Ihre Leistungen sind unbezahlbar und für unser Land eine große Bereicherung.“ Wie groß die Solidarität in Tirol ist, habe sich in den vergangenen Wochen und Monaten auch bei der Corona-Pandemie gezeigt, als die Tirolerinnen und Tiroler zusammengeholfen, aufeinander geschaut und damit ein starkes Netz der sozialen Sicherheit aufrechterhalten haben. „Ich bin sehr beeindruckt und dankbar, was von vielen helfenden Händen geleistet wurde und möchte dafür ein herzliches ,Vergelt’s Gott‘ aussprechen“, sagt der Landeshauptmann.


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