Gräber teilweise "komplett plattgemacht": Vandalen am Militärfriedhof in Pradl

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme waren die schwersten Schäden am Grab einer Innsbrucker Familie schon wieder beseitigt, die Spuren der Verwüstung an Steinen und Kies aber noch unübersehbar.
© privat

Von Michael Domanig

Innsbruck – Für Herbert Angerer aus Innsbruck ist es einfach nur „mutwillige Zerstörung“: Unbekannte Vandalen haben am ersten Juli-Wochenende das Grab seiner Frau am k.u.k. Militärfriedhof in Pradl „komplett plattgemacht“. Auch weitere Gräber seien beschädigt, Blumenschalen umgeworfen worden. Und all das schon zum wiederholten Mal, berichtet Angerer, in Innsbruck als ehemaliger Direktor der Hauptschule Hötting-West bekannt.

Der Friedhof, auf dem er auch selbst einmal ruhen werde, liege ihm sehr am Herzen, betont Angerer (92 Jahre). Natürlich habe er sofort Polizei und Burghauptmannschaft – zuständig für Verwaltung und Instandhaltung des Militärfriedhofs – kontaktiert.

Auch ein weiterer Herr aus Innsbruck hat sich an die TT gewendet, die Urnen seiner Eltern befinden sich ebenfalls am Militärfriedhof. Erst Ende Juni habe er gemeinsam mit Frau und Tochter schöne Steine rund um das Grab eingesetzt, weißen Schotter gestreut und Blumenstöcke gepflanzt, „weil meine Mutter sich das so gewünscht hatte“.

Doch als er am 7. Juli zurückkam, war alles niedergetreten und zertrampelt, die Blumenstöcke ausgerissen, die Grabkerze weg. Dabei habe der Gärtner zu diesem Zeitpunkt den ursprünglichen Zustand dankenswerterweise schon so weit wie möglich wiederhergestellt gehabt.

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Immer wieder gebe es unangenehme Vorfälle mit Personen, die sich am Friedhof aufhalten, ergänzt der Innsbrucker. „Als wir mit den Arbeiten am Grab beschäftigt waren, kam ein Mann in den Friedhof, dessen rechter Arm voller Blut war, um sich das Blut am Friedhofsbrunnen abzuwaschen.“ Und als er am Donnerstag mit dem Rad am Friedhof vorbeigefahren sei, „urinierten gerade zwei Männer an der östlichen Friedhofsmauer“.

Markus Wimmer von der Burghauptmannschaft bestätigt die anhaltenden Probleme mit Vandalen. Am betreffenden Wochenende seien auch Holzkreuze herausgerissen und Figuren beschädigt worden. Zwar werde der Friedhof abends abgesperrt, aber die Mauer sei großteils relativ niedrig. Eine Erhöhung, etwa mit Gittern, sei nicht möglich, da das gesamte Ensemble unter Denkmalschutz stehe. Baulich lasse sich die Problematik also kaum lösen.

Ein Wachdienst ziehe seine Runden, „aber ich würde mir vor allem verstärkte Polizeipräsenz wünschen“, sagt Wimmer. Das gelte im Übrigen nicht nur für den Militärfriedhof, sondern auch für den – gleichermaßen von der Burghauptmannschaft verwalteten – Hofgarten. Dort habe es in den letzten Tagen ebenfalls Vorfälle „mit zum Teil offenbar sehr gewaltbereiten Personen“ gegeben. Diese Woche komme er nach Innsbruck, kündigt Wimmer an, ein Gesprächstermin mit der Polizei sei schon fixiert.


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