Streit in Imsterberg eskaliert: Volksaltar wurde wieder abtransportiert

Bizarre Blüten treibt der Streit zwischen Gegnern und Befürwortern des Imsterberger Pfarrprovisors. Am Samstag stand der Volksaltar kurzzeitig in der Kirche, wurde später abtransportiert und dann deponiert.

Der Volksaltar stand nur wenige Stunden in der Imsterberger Kirche.
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Von Thomas Parth

Imsterberg – Der Imsterberger Pfarrer Stephan Müller hat während seiner Ära in Imsterberg immer konservativere Züge angenommen, was die Messgestaltung anbelangt. So wurde auf sein Geheiß auch der Volksaltar aus der Kirche „verbannt“. Nun weilt der Herr Pfarrer dieser Tage auf Urlaub, was offenbar einige beherzte Imsterberger dazu veranlasste, sich des Volksaltars anzunehmen. Erst an Fronleichnam wurde dessen Rückkehr per Transparent öffentlich eingefordert, die TT berichtete. Bis zum vergangenen Samstag verstaubte das denkmalgeschützte Glaubenssymbol in einem Depot unterhalb der Leichenhalle. Erst durch den Einsatz der am Zweiten Vatikanischen Konzil festhaltenden Imsterberger fand das Schmuckstück wieder auf seinen rechtmäßigen Standort, nämlich in die Kirche, zurück.

Die Odyssee, die nun folgen sollte, ähnelt einer Kriminalkomödie. Denn die Freude über die Rückkehr des vermissten Altars blieb nicht lange ein Geheimnis. Pfarrer Müller hat schließlich nicht nur einflussreiche Fürsprecher, sondern auch tatkräftige Gefolgsleute. Nur durch Zufall bemerkten einige Imsterberger, wie vier Männer mit Auto und Anhänger vor der Kirche parkten. Sie machten sich daraufhin am Altar zu schaffen und wuchteten diesen recht lieblos auf den Anhänger, um ihn kurz darauf abzutransportieren.

Gefolgsleute von Pfarrer Stephan Müller hatten Wind davon bekommen und das denkmalgeschützte Werk kurzerhand abtransportiert.
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„Das kann nicht sein“, dachten sich die kopfschüttelnden Augenzeugen, die sich nicht anders zu helfen wussten, als das Prozedere zu filmen. Die Polizei wurde telefonisch über den vermeintlichen Kunstraub informiert. Und kurzerhand nahmen Imsterberger Gläubige die Verfolgung des Autogespanns mit Landecker Kennzeichen auf. Auf der A12 konnte das Fluchtfahrzeug mitsamt Altar im Schlepptau von der Exekutive gestoppt werden. Eine Befragung des Lenkers ergab nun ein völlig anderes Bild der „Aktion“. So habe offenbar Pfarrer Stephan Müller den Landecker Eingreiftrupp mobilisiert. Auch habe der Pfarrer die vier Recken dazu ermächtigt, den Imsterberger Volksaltar aus der Kirche zu entfernen und ihn in Land­eck zwischenzulagern. Erst ein Telefonat mit dem, trotz fortgeschrittener Stunde verständigten, Bischof Hermann Glettler konnte die angespannte Lage etwas beruhigen. Der Bischof wies Polizisten und die Transporteure an, den Altar wieder zurück nach Imsterberg zu bringen. Dort wartet das Kleinod darauf, bis ihn ein Aushilfspfarrer ab Oktober zur Messgestaltung wieder hervorholt, so die „salomonische“ Lösung des Bischofs.

Ein Blitzlichtgewitter empfing dort die Heimkehrer mit „unserem Altar“. „Die Schaulustigen, jung und alt, hatten teils Tränen in den Augen. Die Rückkehr des Altars war sehr emotional“, bestätigt eine Augenzeugin (Name der Redaktion bekannt, Anm.). Ihrer Einschätzung nach wäre jedoch die Stimmung beinahe gekippt, hätte die Polizei nicht schlichtend eingegriffen. „Es gab Wortgefechte und wechselseitige Schimpftiraden zwischen den Land­ecker Gefolgsleuten des Pfarrers und den Imsterbergern, die beinahe in Handgreiflichkeiten übergegangen wären.“

Auf Geheiß von Bischof Glettler kehrte noch am Samstag Abend der Volksaltar wieder in sein dunkles Depot zurück, während die Sonntagsmesse von einem Pfarrer aus Bad Wigratzbad auf Latein abgehalten wurde. Seitdem ist die Kirche für jedermann versperrt, dem Vernehmen nach, „weil sich die Imsterberger nicht benehmen können“.

Einige Imsterberger empfingen „ihren Altar“ zurück.
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