40 Osttiroler Borkenkäfer als Stars der Forschung

Ein Interreg-Projekt von Boku sowie den Universitäten Bozen und Padua widmet sich dem Schädling. Gesammelt wird er in Kals und Obertilliach.

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Ein befallener Baum. Sobald sich in der Rinde eine kleine Öffnung auftut, haben die Käfer freie Bahn. Sie können eindringen und das Holz so beschädigen, dass es unbrauchbar wird.
© Land Tirol/Abteilung Waldschutz

Von Catharina Oblasser

Kals, Obertilliach –Ende Juli werden die Wälder in Kals und Obertilliach hochwissenschaftlichen Besuch bekommen: Forscher der Universität für Bodenkultur, kurz „Boku“, widmen sich dort dem Studium des Ips typographus. Auf Deutsch heißt das Tier „Buchdrucker“ und wird im Allgemeinen einfach als Borkenkäfer bezeichnet.

Was die Forscher genau vorhaben, schildert Insektenkundler Christian Stauffer, der als Professor an der Boku tätig ist. „Wir fahren mit einem Förster in den Wald und lassen uns zu einem von Käfern befallenen Baum führen. Dort schneiden wir die Rinde auf und sammeln zwischen zwölf und 20 Exemplare für unsere Studien ein.“ Für die Käfer geht es dann nach Wien, wo sie im Labor der Boku untersucht werden.

Die Bezeichnung „Buchdrucker“ für diese Borkenkäfer-Art (rechts) leitet sich aus den Mustern ab, ...
© Land Tirol/Abteilung Waldschutz

Die Käfersammlung ist Teil des Projekts „Die Rolle von Bakterien und Pilzen in der Verbreitungsdynamik des Buchdruckers in den Dolomiten“. Gefördert wird es im Rahmen des Programms Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020 über CLLD Dolomiti Live. Die Stars des Vorhabens sind neben den Käfern aus Kals und Obertilliach auch Buchdrucker aus der Region Südtirol und Padua. So werden die freie Universität Bozen und die Università di Padova ebenfalls ihre Beiträge zum Forschungsprojekt leisten. Weitere Partner sind das Regionsmanagement Osttirol und die Abteilung Waldschutz des Landes Tirol, das die Eigenmittel auf österreichischer Seite zur Verfügung stellt.

Osttirol eignet sich aus bedauerlichen Gründen gut für die Borkenkäfer-Studien: Schon das Sturmtief „Vaia“ hatte im Herbst 2018 riesige Schäden in den Wäldern angerichtet. Im Herbst 2019 brachten starke Schneefälle noch einmal zahllose Bäume zu Fall. Material, in dem Borkenkäfer zu finden sind, gibt es also im Bezirk Lienz in Hülle und Fülle.

... die die kleinen Tiere im Holz hinterlassen. Sie erinnern an gedruckte Lettern.
© Land Tirol/Abteilung Waldschutz

Nicht nur der Käfer selbst befindet sich im Fokus der Forscher, sondern auch sein Innenleben. Es geht um Bakterien und Pilze, die zum Beispiel im Darm des Ips typographus leben. Von diesen Organismen kennen die Wissenschafter noch lange nicht alle, erklärt Christian Stauffer. „Manche Pilze bewirken, dass der Buchdrucker leichter den Immunschutz des Baumes durchbrechen kann. Andere haben Einfluss auf das Vermehrungstempo der Tiere und damit auf die Ausbreitung.“

Das Projekt soll Aufschluss in mehreren Punkten geben, so zum Beispiel: Inwiefern unterscheiden sich die Käfervölker in Osttirol von jenen in Südtirol und in Padua? Tragen sie unterschiedliche Bakterien und Pilze in sich? Welchen Einfluss haben diese Organismen auf die Schädlichkeit und die Vermehrungsgeschwindigkeit der Tiere?

Als einzige Methode, den Käfer zu bekämpfen, gilt nach wie vor, die umgestürzten Bäume möglichst rasch aus dem Wald zu bringen, damit sich die Schädlinge nicht einnisten können. Dennoch soll das grenzüberschreitende Forschungsprojekt der drei Universitäten auch praktischen Nutzen haben. Die Ergebnisse werden helfen, die Aggressivität und das Schadpotenzial des Buchdruckers besser zu verstehen, und so zu einer genaueren Vorhersage von Befall beitragen.


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