ARA Flugrettung rechnet mit heißem Einsatz-Sommer

Freizeitaktivitäten im alpinen Gelände nehmen stark zu und mit ihnen die Einsatzzahlen der ARA Flugrettung – auch in der Nacht.

Höchste Konzentration: Der nächtliche Flugbetrieb stellt für die Crew eine große Herausforderung dar.
© ARA

Von Simone Tschol

Ehenbichl – Zu insgesamt 901 Einsätzen ist die ARA Flugrettung mit ihren beiden Notarzthubschraubern an den zwei Österreich-Standorten Ehenbichl und Fresach (Kärnten) im ersten Halbjahr gestartet. 437 davon wurden vom RK-2 im Außerfern absolviert, 464 vom RK-1 in Kärnten. Das bedeutet gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres eine Zunahme von rund drei Prozent.

„Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr ist allerdings kaum möglich. Denn einerseits haben uns unsere Nachtaktivitäten zusätzliche Alarmierungen beschert und andererseits hat die Covid-Krise speziell in den Monaten März, April und Mai aber für einen deutlichen Rückgang der Einsätze gesorgt“, relativiert der Geschäftsführer der ARA Flugrettung, Thomas Jank, die diesjährige Halbjahresbilanz.

Das kleine Einsatz-Plus trotz Covid ist also primär darauf zurückzuführen, dass die Flugrettungs-Crews seit Herbst 2019 auch bei Dunkelheit im Einsatz stehen. Die Dienstzeiten wurden von täglich zwölf auf nunmehr 16 Stunden verlängert. „Das Schicksal kennt keine Nachtruhe. Unsere neuen Einsatzzeiten werden von den Leitstellen intensiv genützt. Allein von Ehenbichl aus sind wir im ersten Halbjahr 56 Nachteinsätze geflogen. Das ist wohl der beste Beweis, dass eine professionelle notfallmedizinische Versorgung aus der Luft auch in der Nacht absolut notwendig ist“, sagt Jank.

Obwohl sich die Einsatzzahlen während des vorläufigen Höhepunkts der Covid-Krise in den Monaten März, April und Mai stark rückläufig entwickelt haben, hat die ARA ihre Einsatzbereitschaft durchgehend in vollem Umfang aufrechterhalten. „Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht war das keine einfache Zeit. Während die Vorhaltekosten naturgemäß unverändert geblieben sind, gab es bei den Einnahmen einen kräftigen Einbruch. Dennoch haben wir nie daran gedacht, unsere Operation einzuschränken oder gar vorübergehend auszusetzen“, so Jank.

Aktuell zeigt die Kurve der Einsatzzahlen aber wieder steil nach oben. „Wir rechnen im wahrsten Sinne des Wortes mit einem heißen Einsatz-Sommer. Denn bereits in den letzten Wochen haben die Freizeitaktivitäten speziell im alpinen Gelände signifikant zugenommen. Es vergeht fast kein Tag, an dem wir nicht einen verunfallten Mountainbiker oder E-Biker bergen müssen“, erzählt der stellvertretende ARA-Geschäftsführer Andreas Grießer. In solchen Fällen kommen dann regelmäßig die Vorzüge der fix angebauten Rettungswinde zur Geltung, die vom RK-2 heuer bereits 61-mal gebraucht wurde. „Durch sie bringen wir extrem schnell notärztliche Versorgung zum Patienten und können diesen auch entsprechend rasch wieder abtransportieren. Manchmal gewinnen wir dadurch genau jene Minuten, die über Leben oder Tod entscheiden“, weiß Grießer.

Beim hochmodernen und nachtflugtauglichen Notarzthubschrauber des Typs H 145 handelt es sich um eine fliegende Intensivstation, die nicht nur in Sachen Windenbergungen neue Maßstäbe setzt, sondern aufgrund der enormen Platzkapazitäten speziell in Kärnten auch immer öfter für Intensiv- und Inkubatortransporte (Brutkasten) angefordert wird.

Für die ARA Flugrettung arbeiten aktuell 80 Personen, darunter zwölf Piloten, neun Windenoperatoren, 21 Flugretter, 32 Notärzte und sechs Verwaltungskräfte. Geflogen wird obligatorisch mit einer vierköpfigen Crew (Pilot, Windenoperator, Flugretter, Notarzt), die bei Bedarf sogar noch um weitere Spezialkräfte (Bergretter, Fachärzte, Intensivpfleger, Hundeführer bei Lawineneinsätzen, etc.) ergänzt werden kann.


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