Angerberg: Material aus Bahntunnel soll den Inn zähmen

Bürgerinitiative will Riesendeponie in Angerberg für BBT-Zulaufstrecke verhindern. Das Material soll beim Hochwasserschutz verwendet werden.

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Das Schöfftal würde aufgeschüttet, die Bäume gefällt. Für eine Bürgerinitiative geht das zu weit.
© Roland Wimmer

Von Wolfgang Otter

Angerberg, Angath – An die 200 Interessierte haben die Informationsabende der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Langkampfen, Angath und Kundl besucht. Dabei wurden die abgeänderten Pläne für den Bau des zweiten Abschnitts des Nordzulaufs zum Brennerbasistunnel von Kundl bis Schaftenau gezeigt. Abgeändert, weil es zuvor bereits einige Gesprächsrunden und Diskussionen darüber gegeben hat. Besonders in Angath hatte die Einrichtung der Riesenbaustelle großen Wirbel verursacht. Die wurde etwas verkleinert, was aber unverändert blieb, ist der Plan, mit dem aus dem Tunnel gewonnen Material das Ochsental und das Schöfftal in Angerberg aufzuschütten.

Dieses Vorhaben ruft eine Bürgerinitiative (BI) auf den Plan. „Wir sind für den Bau der Bahn, das wollen wir klarstellen“, sagen Hans Stürner und Werner Baumgartinger, Sprecher der BI. Aber was sie stört, sind der gewaltige Eingriff in die Natur und der Lkw-Verkehr. Besonders die Rodung des Waldes im Schöfftal, das die Siedlungen Unholzen in Angerberg und Fürth in Angath verbindet, hätten für die Initiative gravierende Auswirkungen und sind in Zeiten „der Klimaerwärmung nicht nachvollziehbar“, sagt Stürner. Dazu komme noch der jahrelange Lkw-Verkehr über die steile Angerberger Landesstraße mit gefährlichen Kreuzungen zu den Schüttflächen und der Baustelle. „Geplant sind täglich ca. 180 Lkw-Fahrten“, weiß Stürner. „Der Betrieb bei der Verteilung und Verdichtung des Ausbruchmaterials mit schweren Geräten führt im Schöfftal wegen der Siedlungsnähe (Baumgarten, Unholzen, Fürth) zu den die Gesundheit gefährdenden Lärm-, Staub- und Luftschadstoffbelastungen“, befürchtet die BI Schöfftal.

Hans Stürner (l.) und Werner Baumgartinger beim Aufhängen eines Protestschildes entlang der Landesstraße nach Angerberg.
© Otter

Daher hat man begonnen, Unterstützungsunterschriften für die Stellungnahme für das anstehende UVP-Verfahren zu sammeln (www.bürgerinitiative-schöfftal.at). Da nicht nur in direkt betroffenen Gemeinden, sondern auch in Nachbarorten unterschrieben werden darf, liegen die Listen nicht nur in Angerberg in der Arztpraxis Killinger, sondern auch in Kirchbichl in der Apotheke Pfluger und in Wörgl im Blumengeschäft Gwiggner (Brixentalerstraße) auf. Die Unterzeichner fordern die Behörde auf, Transporte und Aufschüttung in dieser Dimension nicht zu genehmigen.

Nur: Wohin mit den bis zu zwei Millionen Kubikmetern Material, das man aus dem zwölf Kilometer langen Angerberger Tunnel herausholt? „Es sind große Hochwasserschutzbauten im Brixental und auch im Inntal geplant. Warum kann man das Material nicht dafür verwenden?“, fragen sich die beiden Aktivisten. Sollten sich diese Projekte noch verzögern, „könnte man das Material zwischenlagern“. Und noch eine Idee kursiert: Der Tunnelaushub könnte auch dazu dienen, damit bei Angath die Autobahn einzuhausen. „Dann“, so die Überlegung, „haben wir zwar jahrelang die Auswirkungen der Baustelle, aber danach herrscht mehr Ruhe.“

Die Idee ist nicht ganz unrealistisch, wie die ÖBB bestätigen: „Eine Verwendung eines Teils des anfallenden Materials für die Hochwasserschutzprojekte ist aus unserer Sicht nicht ausgeschlossen und nach wie vor möglich. Wir sind dazu mit dem Land Tirol wiederholt in Gesprächen. Die Möglichkeit zur Verwendung hängt jedoch insbesondere vom Zeitplan und der Baulogistik der Hochwasserschutzprojekte ab“, so ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Beim Land Tirol erklärt man, die Möglichkeit zu prüfen.


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