Nach „Altar-Streit“: In die Imsterberger Kirche kehrt keine Ruhe ein

Latein und eine „salomonische Lösung“ spalten das Kirchenvolk in der Diözese Innsbruck. In der Erzdiözese Salzburg setzt man auf Deutsch.

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Der Volksaltar (Vordergrund) ist mittlerweile abtransportiert und in einem Lager abgestellt.
© privat

Von Thomas Parth und Wolfgang Otter

Imsterberg, Innsbruck, Salzburg – Der gestrige Artikel über den „Altar-Streit“ wirbelte viel Staub auf. Noch immer ist der Abtransport des Volksaltars aus der Kirche in Imsterberg Tagesgespräch. In etlichen Reaktionen, auch über die Kanäle sozialer Medien, bekunden Gläubige ihr Unverständnis über die Situation in Imsterberg und orten eine Handlungsunfähigkeit der Diözese Innsbruck.

Die Verteidiger des Pfarrprovisors Stephan Müller stellen ihrerseits fachkundig fest, dass „die rituelle Form des Gottesdienstes der Kirche obliegt“. Eine lateinische Messfeier liege somit im kirchenrechtlichen Rahmen. Auch sei Pfarrprovisor Müller kein deklariertes Mitglied der umstrittenen Piusbruderschaft. Und in Summe, wie aus einem Schreiben der Diözese zu entnehmen ist, hat Papst Benedikt XVI. bereits im Jahr 2007 die Möglichkeit für die Weltkirche geschaffen, die Heilige Messe im „Außerordentlichen Ritus“ zu feiern.

„Salomonische“ Lösung für Imsterberg

Die Diözese baut auf eine angeblich „salomonische“ Lösung für Imsterberg. Und wie aus der kirchlichen Pressestelle zu erfahren ist, wird daran auch nicht gerüttelt. Falls es zu einem Umdenken käme, sei die übliche Vorgangsweise ohnehin, Fragen kirchenintern zu klären und sie im Anschluss zu kommunizieren. Bischof Hermann Glettler war gestern terminlich verhindert und für keine Stellungnahme zu erreichen.

Für die Imsterberger gilt somit, sich den Tatsachen zu stellen und auf den Aushilfspfarrer zu hoffen. Laut Presseaussendung vom 3. Juli gilt: Spätestens ab dem 1. Oktober erhält Pfarrprovisor Stephan Müller die offizielle Erlaubnis von Bischof Hermann Glettler, Messfeiern in Imsterberg ein Jahr lang auf Latein abzuhalten. Viel mehr noch: „Stephan Müller wird mit 1. Oktober 2020 beauftragt, an Sonn- und Feiertagen (voraussichtlich um 8.45 Uhr) in der Pfarrkirche Imster­berg die Heilige Messe im Außerordentlichen Ritus zu feiern.“

Hoheitsgewalt über die Imsterberger Kirche

Damit behält der aktuell auf Urlaub weilende Kirchenmann auch über den Sommer bis Oktober die Hoheitsgewalt über die Imsterberger Kirche. Disziplinarische Maßnahmen, weil er den Volksaltar durch seine Helfer entfernen wollte, hat Müller offenbar keine zu befürchten. Eine Abberufung oder Versetzung wird ebenfalls als sehr unwahrscheinlich angesehen. Schließlich hat sich der „romtreue, der lateinischen Tradition verpflichtete tiefgläubige Pfarrseelsorger“, wie er jüngst bezeichnet wurde, laut römischem Kirchenrecht nichts zuschulden kommen lassen.

Auch in der Erzdiözese Salzburg gibt es in der Stadt Salzburg eine Bruderschaft, die noch lateinische Messen liest. Dies sei aber die absolute Ausnahme, ansonsten lautet die Devise, Volksmessen auf Deutsch zu zelebrieren. Angeblich lässt da Erzbischof Franz Lackner keine Ausnahmen zu, wie es heißt. Da dürfte auch der Kirchenstreit in Imsterberg eine abschreckende Wirkung zeigen.


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