Knochenbrüche gehören zum Job: Gipser haben auch im Sommer Hochsaison

Franziska Gritsch arbeitet als Gipserin in der Innsbrucker Klinik. Im Sommer hat die einzige Frau unter neun Männern mehr zu tun als im Winter.

Knochenbrüche sind ihr Beruf: Hier bereitet die Gipserin Franziska Gritsch gerade einen Gipsverband an einem Unterarm vor.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Nina Zacke

Innsbruck – Eine Frau sitzt auf der weißen Krankenhausliege und wartet, eine Untersuchungsleuchte strahlt mit grellem Licht ihren Arm an. Sie ist beim Radfahren auf einem Kiesweg gestürzt. Als Franziska Gritsch in das Behandlungszimmer kommt, bringt sie den Unterarm der Patientin vorsichtig in Position und beginnt damit, den gebrochenen Arm einzugipsen. „Im Sommer haben wir definitiv mehr zu tun als im Winter“, erklärt die 20-Jährige, die seit September vergangenen Jahres als Gipserin an der Innsbrucker Klinik arbeitet. Denn im Sommer habe man sportlich gesehen mehr Möglichkeiten: Fahrradfahren, Bergsteigen, Wandern, Inlineskaten oder Skateboarden. Dementsprechend erhöht sich das Verletzungspotenzial.

TT-Berufsportät

Voraussetzungen: handwerkliches Geschick, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, gute Nerven, viel Kraft, Selbstbewusstsein, Verantwortungsbewusstein, Organisationstalent.

Ausbildung: Lehrgang für Medizinische Assistenzberufe – Modul Gipsassistenz am AZW Innsbruck (Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe der Tirol Kliniken GmbH).

Für den Gips stülpt die Mötzerin zuerst einen Netzstrumpf über den gebrochenen Körperteil. Darüber kommen eine Randpolsterung und Papier, das die Feuchtigkeit aufsaugt. Die wichtigsten Arbeitsinstrumente wie Gipsschere und Verbandsschere hat die junge Frau dabei in der Tasche ihres weißen Kasacks verstaut, immer einsatzbereit. Dann befeuchtet die Gipserin die 6 bis 8 Lagen Gipsmaterial mit Wasser, legt sie behutsam über den Unterarm und streicht mit ihren Fingern den Gips in die richtige Form. „Normalerweise dauert die Behandlung eines Knochenbruchs eine halbe bis drei viertel Stunde, dann ist der Gips fertig“, sagt Gritsch. Schwierig werde es vor allem dann, wenn der Patient die entsprechende Körperstelle nicht ruhig hält, nicht mitspielt, oder bei Kindern. Dann könne die Prozedur des Eingipsens schon einmal länger dauern.

Für Franziska Gritsch war klar, dass sie nach der Schule eine Tätigkeit im medizinischen Bereich anstreben wird. Als Krankenpflegerin auf einer Station zu arbeiten, war für die Oberländerin aber nie eine Option. „Ich informierte mich am AZW und begann schließlich die 4-semestrige Ausbildung zur Medizinischen Fachassistenz.“ Diese Ausbildung kombiniert drei Module: Ordinationsassistenz, Gipsassistenz und Röntgenassistenz.

Wer in diesem Beruf tätig sein wolle, müsse vor allem gute Nerven und viel Kraft mitbringen, sagt Gritsch schmunzelnd. Denn beim Eingipsen muss der Körperteil teilweise gehalten werden und das erfordere Muskelkraft. „Und geht ins Kreuz“, ergänzt die Gipserin. Darüber hinaus sei hier im Team der Innsbrucker Klinik ein gutes Maß an Selbstvertrauen erforderlich: „Das Gipser-Team besteht aus neun Männern mit 30 Jahren Berufserfahrung und ich bin die allererste Frau, da braucht man Selbstbewusstsein“, sagt Gritsch und grinst.

Es sei kein alltäglicher Beruf. Ein neuer Arbeitstag bringe neue Herausforderungen: „Jeder Unfallhergang ist anders, jeder Patient anders.“


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