Corona-Maßnahmen in Tirol: Auch die Maske braucht noch einen Abstand

Epidemiologe Peter Willeit rät zur Kombination von Maske und Abstand. Platter appelliert, Vorsichts- und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Die Maske ist nützlich, doch es braucht dazu auch noch den Sicherheitsabstand.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck – Maske oder keine Maske – seit Tagen ist die Wiedereinführung der Maskenpflicht erneut in aller Munde. Dass ein Mund-Nasen-Schutz gerade in der Vorbeugung einer Corona-Infektion nützlich ist, liegt auf der Hand, meint auch der Epidemiologe Peter Willeit. Aber: „Vielen Menschen wird durch die Maske ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt. Auch mit Maske gilt es, den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten.“ Denn ein effektiver Schutz sei nur durch die Kombination der beiden Maßnahmen gegeben.

Die Maskenpflicht in den Öffis bezeichnet Willeit als sinnvoll, gerade, weil dort der nötige Abstand oft nicht eingehalten werden kann. Für den Selbst- und Fremdschutz sei grundsätzlich beim Einkaufen eine Maske ebenfalls empfehlenswert, die Entscheidung über eine generelle Pflicht aber eine politische.

Eine Herausforderung wird sicherlich der kommende Herbst, wenn wieder vermehrt Erkältungserkrankungen und Grippefälle auftreten. Denn eine Abgrenzung zwischen den Krankheitsfällen gestalte sich aufgrund der vielfältigen und unspezifischen Symptome einer Covid-Erkrankung schwierig, betont Willeit. Die erforderlichen Maßnahmen wären zudem immer von der Entwicklung der Zahlen abhängig. Wichtig sei jedenfalls, die bestehenden Testkapazitäten auszubauen. Vernünftig ist für Willeit die von Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) initiierte Corona-Ampel. In Abhängigkeit von regionalen Entwicklungen, wie etwa die Auslastung der Krankenhäuser oder die Zahl der Neuerkrankungen, können somit in kurzer Zeit spezifische Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt werden.

Wir müssen alles tun, um einen zweiten Lockdown zu verhindern. Wir dürfen nicht nachlässig werden.
Günther Platter, VP (Landeshauptmann)

Um die generelle Durchseuchung in Österreich besser nachvollziehen zu können, plant der Epidemiologe eine große Antikörper-Studie. Damit soll unter anderem festgestellt werden, welcher Prozentsatz der österreichischen Bevölkerung bereits Antikörper gebildet hat und ob diese auch nach einem gewissen Zeitraum vorhanden sind.

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Günther Platter.
© Foto TT/Rudy De Moor

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (VP) mahnt gegenüber der TT eindringlich zur Einhaltung der Vorsichts- und Hygienemaßnahmen. „Nachdem wir mit drastischen Maßnahmen die anfangs hohen Infektionszahlen in Tirol erfolgreich senken konnten, ist es jetzt entscheidend, dass wir weiterhin diszipliniert und vorsichtig bleiben.“ Durch umfangreiches Testen und konsequentes Nachverfolgen aller Kontakte bei positiven Fällen sei es in den letzten Wochen gelungen, größere Ausbrüche zu verhindern. Platter: „Wir müssen alles tun, um einen zweiten Lockdown zu verhindern. Entscheidend dafür ist, dass wir nicht nachlässig werden, weiter aufeinander Rücksicht nehmen und die verordneten Maßnahmen einhalten.“

Offen gibt der Landeshauptmann zu, dass das manchmal mühsam sei und sich alle eine vollständige Rückkehr in den gewohnten Alltag wünschen würden. „Aber uns muss klar sein, dass das Virus weiter unter uns ist. Deshalb mein Appell: Halten wir uns weiterhin an alle Vorsichts- und Hygienemaßnahmen wie das Einhalten von Abstand und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Apotheken und in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen.“ Nicht nur zum Schutz von uns selbst, sondern vor allem von jenen, die aufgrund von Vorerkrankungen oder ihres Alters besonders gefährdet seien. (aes, TT)


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