Pflege-Boni für Einsatz in Corona-Krise: Viele gehen leer aus

Wer im Altenheim nicht in der Pflege eingesetzt ist, bekommt den 500-Euro-Bonus nicht. LR Tilg verteidigt diese Regelung.

Andrea Haselwanter-Schneider sieht den Fehler wieder bei Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg. Der dementiert.
© Rachlé, Böhm

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Es ist ein langer Brief, den eine Mitarbeiterin in einem Unterländer Pflegeheim an Landeshauptmann Günther Platter geschrieben hat. Die Frau schildert, wie sie und ihre Kollegen den Heimbewohnern während der Corona-Zeit geholfen hätten. Dies alles sei nur im Team möglich gewesen, meint die Frau, die selbst keine Pflegeausbildung hat. „Heute durfte ich erfahren, dass ich keinen Bonus erhalte“, schreibt sie. Die 500 Euro hätte die Frau gut gebrauchen können. Ihr Mann arbeitet bei Swarovski und hat Sorge, den Job zu verlieren.

Das, was jetzt vorliegt, ist Sparen am Rücken derer, die eh schon am wenigsten Geld bekommen.
Andrea Haselwanter-Schneider (Klubobfrau Liste Fritz)

Leer ausgehen dürften neben jenen, die keine Pflegeausbildung haben, auch alle, die in der Hauswirtschaft, der Küche oder der Verwaltung tätig sind. Tatsächlich liest sich das auch so in den Richtlinien für die Bonuszahlungen. Anspruchsberechtigt sind demnach jene Mitarbeiter, die bei ihrer Tätigkeit unmittelbaren Kontakt zu Covid-19-Patienten gehabt haben. Daran will Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) auch festhalten. Es habe eine Abgrenzung gebraucht. Die 500 Euro seien für jene gedacht, die in der Corona-Krise einem hohen Risiko ausgesetzt gewesen seien. Tilg verweist auf den entsprechenden Beschluss des Landtages. „Der Bonus gilt für Mitarbeiter, die aktiv an der Bewältigung der Corona-Pandemie tätig waren.“ Auch Praktikanten würden profitieren, sagt er.

Die Klubobfrau der Liste Fritz, Andrea Haselwanter-Schneider, ärgert sich sehr über die Richtlinien, die sie als „Husch-Pfusch“ bezeichnet. „Das, was jetzt vorliegt, ist Sparen am Rücken derer, die eh schon am wenigsten Geld bekommen.“ Ohne deren Hilfe aber weder Spitäler noch Heime noch Sozialsprengel funktionieren würden.

Der Bonus gilt für Mitarbeiter, die aktiv an der Bewältigung der Corona-Pandemie tätig waren.
Bernhard Tilg, ÖVP (Gesundheitslandesrat)

Haselwanter-Schneider wollte bereits im Landtag einen Misstrauensantrag gegen Tilg einbringen, brachte aber nicht die nötige Mehrheit zusammen. Nun sieht sie sich, einmal mehr, bestätigt. „Zuerst sind sie als Helden des Alltags beklatscht worden, dann verspricht man ihnen 500 Euro und dann schaut man, dass möglichst wenige ihn bekommen.“ Ein Fehler, den Tilg und dessen Chef, LH Günther Platter, zu verantworten hätten, meint sie.


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