Banner am Kirchturm Vill löst Proteststurm aus

Das Konzept war erprobt: Banner mit Sprüchen sollten Geld für die Renovierung der Viller Kirche bringen. Der Gegenwind kommt von Liberalen.

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Der Viller Kirchturm mit einigen der Banner (890 Euro).
© Parth

Von Alexandra Plank

Vill –„Wir hätten mit viel gerechnet, auch mit Kritik von Konservativen, aber dass uns Sexismus und Rassismus vorgeworfen werden, empört mich“, ist Klaus Jennewein, Pfarrkirchenrat in Vill, aufgebracht. Grund dafür: Leserbriefe und Mails, die die Aktion scharf verurteile­n.

Wie die TT berichtete, sammelt der Pfarrgemeinderat für die Renovierung der Außenfassade der Kirche (Kosten: rund 208.000 Euro). „Da es während des Lockdowns schwierig war, die Leute zu erreichen, kam uns die Idee, gesponserte Banner an der Kirche zu befestigen. Das wurde auch beim Innsbrucker Dom so gemacht“, sagt Verleger Thomas Parth. Er hat zwei der inzwischen neun Banner getextet. Diese regen auf. Doch entgegen dem Bibelzitat „Wer Wind sät, wird Sturm ernten“ sei er sich keiner Provokation bewusst. „Der Himmel ist multikulti. Die Hölle auch“, lautete der Spruch, der auf bewältigte und unbewältigte Multikulturalität zielt.

Vor allem liberale Kreise haben mit den Sprüchen ein
© Parth

Klaus Heidegger, Vorsitzender der Katholischen Aktion der Diözese Innsbruck, wertete das als xenophob. Er schlug per Leserbrief den Spruch „Multikulti ist himmlisch“ vor. Für viel Unmut bei Frauen hat dieser Dialog gesorgt: „Fraugott: Warum? Herrgott: Darum! Seither schweigt Fraugott.“ Laut Pfarrgemeinderat Wolfgang Gritsch ist das eine Kritik an der Unterdrückung der Frauen. „Wenn es nicht mehr zutrifft, dass Frauen in der Kirche seit 2000 Jahren überwiegend zu schweigen haben, tun wir das sofort herunter.“ Pfarrer Magnus Roth, er hat in der Quarantäne Bilder gemalt, die für die Renovierung verkauft wurden (Einnahmen 13.000 €), ist auf Urlaub, ließ aber wissen, er habe eine selbstbewusste Gemeinde, die „sich schon wehren werde“.

Schützenhilfe kommt von Politologin Alexandra Weiss. Sie verstehe, dass der Dialog manche irritiere, das erfolge aber nur dann, wenn die darin enthaltene Kritik ignoriert werde. Wer auf die Frage „Warum?“ nur „Darum!“ zu antworten wisse, tue das aus einer Position der Macht heraus, die keine Erklärung nötig zu haben scheine. Gleichzeitig sei dieses „Darum!“ ein Zeichen der Verunsicherung, weil männliche Privilegierung und weibliche Unterordnung immer weniger begründbar seien. „Genau das wird von vielen Frauen in der Kirche in Frage gestellt“, so Weiss. Die Auseinandersetzungen seien auch Zeugnis dafür, dass Mehrdeutigkeit in unserer Gesellschaft immer weniger Platz habe und in diesem Fall mit dem Vorwurf der Diskriminierung zum Verschwinden gebracht werden solle. Die Banner hängen bis September. Die Initiatoren überlegen eine Diskussionsrunde im Herbst. Ein Plakatentwurf scheint passend: Wenn Fromme sich streiten, ist der Teufel los!

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