„Serbische Kinder gerettet“: Gedenktafel in Innsbruck geplant

Horst Schreiber ist Experte für Gedenkkultur. Er spricht Klartext zur Gedenktafel für die gebürtige Innsbruckerin Diana Budisavljević.

Hierher soll die Tafel kommen.
© Plank

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Mehr als 10.000 Kinder rettete Diana Obexer-Budisavljević während des Zweiten Weltkriegs aus den Lagern des faschistischen Ustascha-Regimes. Dass sie eine bedeutende Bürgerin der Tiroler Landeshauptstadt ist, darüber sind sich alle einig. Auch darüber, dass ihre mutigen Taten durch eine Gedenktafel auf dem einstigen Wohnhaus in der Maria-Theresien-Straße, dem Obexer-Haus, gewürdigt werden sollen. Bereits im Februar wurde ein Text formuliert, der aber vor allem dem Serbisch Orthodoxen Jugendverein und den FreiheitskämpferInnen, die die Ehrung initiiert hatten, unkorrekt erschien. Kritisiert wurde vor allem, dass vom ehemaligen Jugoslawien und allgemein „Kindern“ die Rede war. Der Kulturausschuss der Stadt Innsbruck beschloss daraufhin, die Abänderung der falschen historischen Bezeichnung auf „im damaligen ,Unabhängigen Staat Kroatien‘ (...)“.

Hinsichtlich der allgemeinen Formulierung „Kinder“ gab Kulturstadträtin Uschi Schwarzl an, damit seien alle Opfer gemeint. Und: „Das ist nur ein erster Schritt, der Platz auf der Tafel ist beschränkt und kann nicht alles erklären.“ Erinnern sei nie ein abgeschlossener Prozess. „Natürlich können wir mit den wenigen Zeilen dieser großartigen Frau nicht gerecht werden“, so Schwarzl.

Diana Budisavljević.
© Holocaust Memoria Musuem

Nachdem der Beitrag in der TT veröffentlicht und von serbischen und kroatischen Medien übernommen worden war, äußerte sich sogar der Außenminister Serbiens Ivica Dacić in den dortigen Hauptnachrichten zur Causa. Er forderte, man müsse serbische Kinder als Opfer benennen. Laut Schwarzl ruht die Causa nun über den Sommer, um „die Emotionen herauszunehmen“. Im Herbst soll sie zur Chefsache werden, Bürgermeister Georg Willi dann entscheiden, wie der Text lauten soll.

Historiker Horst Schreiber, Experte für Erinnerungskultur, findet die Diskussion wichtig. „Hier passiert eine Auseinandersetzung, beide Seiten versuchen, ihre Standpunkte wissenschaftlich zu untermauern.“

Interventionen des serbischen Staates seien komplett überflüssig und würden auch nichts zur Klärung der Sache beitragen. Fest stehe jedoch: „Diana Budisavljević hat serbische Kinder gerettet.“ Es sei wichtig, die Opfer zu benennen, unterstreicht der ­Wissenschafter. Die Heftigkeit der Diskussion wundert ihn nicht: „Es sind vom jüngsten Krieg noch etliche Rechnungen offen, es ist schwierig, die aktuelle Diskussion davon zu trennen.“ Die anhaltenden Debatten seien ihm lieber als die Kunstintervention von Wolfgang Flatz am „Ehrenmal“ vor dem Hauptgebäude der Uni Innsbruck zum 350-Jahr-Jubiläum. Diese sei „intellektuell bescheiden“ und nur ein Beispiel für mangelnde Erinnerungskultur in Tirol.


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