Bozner Platz und Co.: Grüne wollen ein Zentrum voller Begegnungszonen

Im Sommer soll der Wettbewerb für den Bozner Platz ausgeschrieben werden. Mehr Grün in der Stadt findet eine bunte politische Mehrheit.

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Der Bozner Platz soll im Rahmen seiner Neugestaltung zur Begegnungszone werden, die umliegenden Straßenzüge sollen folgen.
© Thomas Boehm / TT

Von Denise Daum

Innsbruck – Die Gestaltung des öffentlichen Raumes zählt zu den großen Herausforderungen der Gemeindepolitik. Dass es auch ein besonders emotionales Thema ist, zeigt sich immer wieder, zuletzt in Innsbruck am Beispiel St. Nikolaus. Die von Vizebürgermeisterin Uschi Schwarzl (Grüne) veranlasste Gehwegverbreiterung entlang der Innstraße auf 200 Metern Länge sorgt seit Monaten für anhaltenden Wirbel und entwickelte sich zu einem regelrechten Politikum. Im Herbst soll die Gehfläche mittels Errichtung eines durchgehend abgeschrägten Gehsteigs dauerhaft verbreitert werden (die TT berichtete). Langfristig soll in St. Nikolaus – wie auch in Mariahilf – eine Begegnungszone realisiert werden.

Doch das sollen nicht die einzigen Begegnungszonen bleiben. In der aktuellen Stunde des Gemeinderats am Donnerstag unter dem Titel „Öffentlichen Raum FAIR­teilen“ erklärte Uschi Schwarzl Begegnungszonen zum wichtigsten Instrument im Kampf gegen „die unfaire Verteilung von öffentlichem Raum“.

Die Begegnungszone soll auch gleich bei einem der dringlichsten Neugestaltungsprojekten zum Einsatz kommen: dem Bozner Platz. Noch im Sommer soll der Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben werden. „Das Charmante an Begegnungszonen ist die Entschleunigung. Hier begegnen sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt“, erklärt Schwarzl. In weiterer Folge sollen die umliegenden Straßen Erlerstraße, Wilhelm-Greil-Straße, Meraner Straße, Adamgasse nachziehen und ebenfalls als Begegnungszone ausgewiesen werden. Für Schwarzl ist damit noch lange nicht Schluss: Auch die Pradler Straße sowie die Leopoldstraße bringt sie ins Spiel.

Zum Thema „Verteilung von öffentlichem Straßenraum“ erinnert Benjamin Plach (SPÖ) an die Prioritätenliste der Stadtregierung: Ganz oben stehen die Fußgänger, dann kommt der Öffi-Verkehr, gefolgt von Radfahrern, und dann der restliche motorisierte Verkehr. „Dieser Richtschnur müssen wir auch folgen“, betont Plach. Nur eines sei klar: „Wir müssen die Leute vor Ort von Anfang an mitnehmen. Wenn man plötzlich mit dem Auto irgendwo nicht mehr fahren darf, dann ist das für viele ein heikles Thema.“

Als nicht gelungen bezeichnet die SPÖ die Installierung der Fahrradstraße in der Dr.-Stumpf-Straße. Diese sei in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“ erlassen worden, ohne mit den Anrainern zu sprechen, wie SPÖ-Klubobmann Helmut Buchacher sagt. „Hier sehe ich weder eine Bürgerbeteiligung noch eine faire Zurverfügungstellung des öffentlichen Raums.“

Bei der einstündigen Debatte zeigt sich eines deutlich: Mehr Grünflächen in der Stadt und die Schaffung öffentlicher Aufenthaltsräume und Plätze – auch ohne Konsumzwang – sind Gemeinderätinnen und Gemeinderäten quer durch alle Parteien ein Anliegen. „Ich sehe einen großen Konsens im Gemeinderat. Da ist mir nicht bange, dass wir den öffentlichen Raum gemeinsam gut gestalten werden“, schließt Bürgermeister Georg Willi (Grüne).


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