Porsche Cayenne GTS: Häuptling der Indianer

Hohe Sportlichkeit und maximaler Komfort zugleich? Der Porsche Cayenne GTS vereint beides gekonnt.

Cayenne hochkonzentriert: Was Modellreihe und V8-Biturbo beim GTS aufbieten, beeindruckt.
© Hersteller

Von Stefan Pabeschitz

Stuttgart – Es gibt eine etwa gleich starke und zwei deutlich potentere Varianten – und trotzdem soll sich der GTS zum Ober-Cayenne küren dürfen?

Weil es eben nicht ums reine Muskelschmalz allein geht – wer den Stamm anführen will, braucht auch Reife und Allround-Qualitäten.

Um die GTS-Historie von diversen Missverständnissen zu klären: GT steht korrekterweise für Gran Turismo, ursprünglich die Bezeichnung für ausreichend starke Coupés gehobener Fahrzeugklassen. S steht natürlich für Sport, und so ist es bis heute – und auch bei Porsche nicht etwa, wie viele meinen, für Saugmotor als Abgrenzung zu den Turbo-Aggregaten.

Die Stuttgarter verknüpfen die beiden Kürzel 1963 erstmals für den 904, der als Straßenvariante unter Carrera GTS reüssiert – und ordnen das Buchstaben-Trio damit auch gleich neu zu: Es bezeichnet nun Sportwagen, die auch den Grundanforderungen des Komforts genügen. Diese Bedeutung hat sich mittlerweile umgekehrt – heute meint sie primär hohe Luxusansprüche, ergänzt durch hohen sportlichen Anspruch.

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Genau in diesem Bereich setzt der neue Cayenne GTS an, bei der Leistung auf die solide Mitte der Modellfamilie zielend. 460 PS sind fast exakt gleich viel wie beim E-Hybrid, 90 weniger als beim Turbo und satte 220 weniger als beim Haudrauf Turbo S E-Hybrid.

Befeuert wird er wie die beiden Letzteren von einem V8-Biturbo, der hier einen besonders ansprechend balancierten Output von Pferdestärken und Drehmoment bietet. Was die anderen an Mehrleistung haben mögen, macht er an Lebendigkeit wett.

Zur motorischen Agilität des GTS, die dennoch jede überbordende Turbo-Hysterie zu vermeiden weiß, passen die straffere Abstimmung des aktiven Sportfahrwerks und die direkte Lenkübersetzung – beides vereint sich zu extrem harmonischen Handlingqualitäten, beinahe verblüffender Kurvenstabilität, extrem leichtem Antritt, Abrufbarkeit und Beherrschung der Kräfte in jeder Fahrsituation.

Souverän ist ein viel strapaziertes Adjektiv – aber der GTS darf sich zu Recht und uneingeschränkt damit schmücken.

Dass er diese Talente als Draufgabe in einen luxuriösen Innenraum und überkomplette Ausstattung mit allen denkbaren Komfortfeatures einbettet, ist nur recht, wenn auch nicht billig: 148.882 Euro ruft Porsche für das Kombi-SUV aus, für das Coupé sind weitere 5700 Euro fällig.

Wer hinsichtlich des Kaufpreises keine Berührungsängste hat, legt sich mit einem GTS also wohl auch eines von wenigen raren Einzelstücken zu.


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