Toyota Yaris, 4. Generation: Klein, aber erwachsen

Sicherheit und Ökologie müssen Fahrspaß nicht ausschließen: Mir der vierten Generation des Yaris mixt Toyota diese Tugenden neu.

Ein unverwechselbarer Look, der die japanische Identität unterstreicht: Generation vier des Toyota Yaris tritt selbstbewusst auf.
© Hersteller

Von Stefan Pabeschitz

Brüssel – Einst war ein Starlet, auf seinem Heimmarkt gar ein Vitz – so hießen der Vorgänger und das japanische Schwestermodell des europäischen Yaris. Nach zweiundzwanzig Jahren ist er nun er-, wenn auch nicht gewachsen: Dem Trend zur ewigen Längenzunahme beim Generationswechsel zum Trotz ist der neue sogar um 5 Millimeter kürzer und auch einen Deut niedriger geworden, dafür ein wenig in die Breite gegangen. Im Innenraum hat er dank Ausreizung aller Bauteile dennoch zugelegt.

Seit dem C-HR hat Toyota auch den Designmut entdeckt – der Yaris kommt als stämmiger, kompakter Kerl daher, mit leicht geblähten Nüstern an der Front und den inzwischen typischen ausgestellten Heckleuchten als keckes Stil- und zugleich Aerodynamikelement. Auch drinnen gibt es der Kleine eher ernsthaft und verzichtet wohltuend auf das Villa-Kunterbunt-Ambiente, mit dem andere Hersteller glauben, Jugendlichkeit verströmen zu können. Toyota interpretiert hier stattdessen das klassische Cockpitlayout mit zwei Rund­instrumenten neu, belegt sie mit digitalen Anzeigen und setzt noch ein großzügiges TFT-Display dazwischen. Die Tradition, nicht allzu wichtige Knöpfchen erfolgreich vor dem Zugriff des Fahrers zu verstecken, behalten die Japaner leider auch bei – es zahlt sich vor dem Antreten der Fahrt also immer noch aus, die schwer einsehbaren Bereiche nach eventuell später benötigten Schaltern zu durchsuchen.

Für Testfahrten stand die Variante zur Verfügung, für die sich erwartungsgemäß etwa zwei Drittel der Kunden entscheiden werden: Der selbstladende Hybrid mit der Kombination von 1,5-Liter-Benziner und E-Motor mit einer vereinten Systemleistung von 116 PS. Als weitere Motoren werden zum Marktstart am 18. September ein 1-Liter-Aggregat mit 71 PS und der 1,5-Liter ohne elektrische Schubhilfe mit 121 PS angeboten.

Wer an der bisherigen Hybridtechnik das relativ indirekte Ansprechverhalten und die Winselei des stufenlosen CVT-Getriebes auszusetzen hatte, kann sich im neuen Yaris eines Besseren belehren lassen: Obwohl die Saug- und E-Motorkombination auf hohe Effizienz ausgelegt ist, reagiert sie nunmehr ohne Verzögerung und verleiht dem kleinen Japaner eine bisher unbekannte Agilität. Die Lenkung ist mit nur etwas mehr als drei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag ebenfalls recht direkt ausgelegt, das Getriebe nimmt die Motordrehzahl beinahe parallel ab – die unliebsame Geräuschkulisse früherer Modelle bleibt somit aus. Der Yaris verführt damit zu flinkem Herumwuseln im Stadtverkehr, fühlt sich aber auch im Umland auf kurvigen Landstraßen wohl.

Einen anderen Kritikpunkt, den sich die meisten Hybridmodelle bisher gefallen lassen mussten, bremst er ebenfalls aus: dass die geringen Verbräuche nur mit freudlosem Fahrverhalten und Belästigung der anderen Verkehrsteilnehmer durch penetrantes Herumschleichen zu erkaufen waren. Am Ende der ausgiebig langen Testroute mit alltagstauglichem Praxismix aus Stadt, Überland und Autobahn standen – ohne Spar-Bemühen oder Zurückhaltung am Gaspedal – gerade einmal 4 Liter Verbrauch.

Wer die Ersparnis bei den Unterhaltskosten künftig genießen will, muss allerdings vorab ein wenig in die Tasche greifen: Ab 20.990 Euro ist der Hybrid zu haben, der Basisbenziner geht für 4000 Euro weniger über den Ladentisch, die mittlere Variante für 17.990 Euro. Wenn man die überkomplette Ausstattung und zahlreichen Sicherheitsfeatures – darunter etwa erstmals im Kleinwagensegment ein Mittelairbag vorne – mit der oft knauserigen Bestückung der Listenpreis-Lockvögel anderer Hersteller gegenrechnet, liegen die Preise aber sogar im unteren Mittelfeld.


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