TBC-Rotwild im Lechtal alarmierend, Kaisers erstattet Anzeigen

Kaisers zeigt den Landesveterinär und den Außerferner Amtstierarzt an. Ein Gerichtsgutachter sieht aber grobe Versäumnisse im Lechtal.

  • Artikel
  • Diskussion
Wie viele Hirsche gibt es im Lechtal? Zu viele, argumentieren Gutachter und Behörden. Das versucht jetzt aber Kaisers zu widerlegen.
© iStock

Von Peter Nindler

Kaisers, Innsbruck – Auf Basis eines neuen Gutachtens der bayerischen Wildbiologin Christine Miller wird die Gemeinde Kaisers am Montag Strafanzeige wegen Tierquälerei bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegen Landesveterinär Josef Kössler und dem Außerferner Amtstierarzt Josef Fritz einbringen. Anwalt und FPÖ-Klubobmann Markus Abwerzger ist der Rechtsbeistand von Bürgermeister Norbert Lorenz. Miller kommt nämlich zum Schluss, dass der Überhang beim Rotwild lediglich sieben Stück betragen habe, die Gatterjagd deshalb nicht notwendig gewesen wäre und das Gatter an sich allen baulichen Kriterien widersprochen habe. Und wie Abwerz­ger bezweifelt sie, dass der Abschuss von 34 Stück Rotwild tierschutzgerecht war.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits Ende April ein Ermittlungsverfahren gegen die zwei Jäger eingestellt, die die Entnahme im Reduktionsgatter vorgenommen hatten. Die Anklagebehörde sah keinen Grund einzuschreiten. Im Gegensatz zum Miller-Gutachten wurde in der Einstellungsbegründung angeführt, dass von den 2019 im Abschussplan für Kaisers vorgeschriebenen 58 Stück Rotwild lediglich 31 erlegt wurden. Das Reduktionsziel sei damit weit verfehlt worden.

Laut Expertise eines anerkannten jagdfachlichen Gutachters für das Landesverwaltungsgericht Tirol gibt es im Lechtal alarmierende Zahlen: Für die TBC-Gebiete Lechtal 1, Lechtal Mitte und die vier Zammer Jagden betrugen die Abschussquoten trotz Seuchenverordnung von 2013 bis 2018 lediglich zwischen 51 und 69 Prozent. 2019 auch nur 78 Prozent.

Bei den 34 im Gatter erlegten Tieren wurde schließlich eine Durchseuchungsrate von 23,5 Prozent festgestellt. Was ebenfalls schwer wiegt: Von den neun Alttieren waren drei TBC-positiv (33,3 Prozent), bei den zwölf entnommenen Hirschen lag die Durchseuchung sogar bei 41,6 Prozent. Der Sachverständige bezeichnet dies als „alarmierende und bedenkliche Entwicklung“. Die bisherige Strategie in den sechs Jagden in Kaisers sei wenig effizient gewesen.

„Aus diesem Grund hat die Behörde als Seuchenbekämpfungsmaßnahme Abschussquoten angeordnet, denen die Verantwortlichen im Lechtal über Jahre nicht nachgekommen sind“, argumentiert auch das Land Tirol in einer Stellungnahme. Auch wenn Reduktionsgatter wie in Kaisers – vorbehaltlich der Zustimmung des Bundes – nicht mehr zum Einsatz kommen sollen, hätten sowohl das zuständige Ministerium in Wien als auch Gutachten bestätigt, dass die Entnahme bedacht und fachgerecht durchgeführt worden sei, heißt es abschließend.


Kommentieren


Schlagworte