Nach Konzertabsage: „Car-antäne“ ersetzt Open-Air der Jungen Zillertaler

Zu viel Verantwortung für Veranstalter: Große Open-Air-Konzerte wird es diesen Sommer nicht geben. Die Juzis setzen aufs Autokino-Format.

Das war 2019. Heuer sitzen die Juzi-Fans beim Konzert in ihren Autos: quasi in Car-antäne.
© weiss-pr

Von Angela Dähling

Schwaz, Rotholz – Rainhard Fendrich, Herbert Pixner, Hansi Hinterseer, Die Seer – sie alle wären diesen Sommer auf der Kufsteiner Festung aufgetreten. Tausende Fans hatten sich dafür bereits vor März die Karten gesichert. „Ich musste alles absagen“, ist Veranstalter Peter Lindner (Lindner Music) resigniert. Grund dafür sind die komplizierten Covid-19-Bestimmungen bei Veranstaltungen (siehe Factbox). Open-Air-Konzerte ohne Sitzplätze sind untersagt und bei Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen muss man u. a. bereits ein Covid-19-Präventionskonzept vorlegen und einen Covid-19-Beauftragten in einem Kurs ausbilden lassen. „Das ist alles viel komplizierter, als sich die Menschen vorstellen können“, sagt Lindner.

Rock- und Popkonzerte, wo es um innere Freude gehe, und Open-Airs könne man daher nicht abhalten. „Sämtliche Verantwortung wird auf den Veranstalter abgewälzt. Und Verordnungen werden von Leuten gemacht, die wenig Ahnung von unserem Business haben“, meint der Schwazer. „Ich brauche 60 bis 70 Prozent Auslastung, um kostendeckend zu sein“, sagt Lindner. Das sei aufgrund der Abstandsregeln nicht möglich. Bei Klassikkonzerten und gut subventionierten Kulturveranstaltungen sei die Situation eine etwas andere. Der Veranstaltungs-Profi ist überzeugt: „Wir müssen mit dem Virus leben. Die Menschen sind mündig, man sollte nicht immer über sie bestimmen. Wer Angst vor Ansteckung hat, sollte bei Veranstaltungen eine Maske tragen oder fernbleiben“, schlägt Lindner vor.

Was gilt für Veranstaltungen?

Seit 1. Juli: Indoor, fixe Sitzplätze: max. 250 Personen. Outdoor, fixe Sitzplätze: max. 500 Personen. Alle Veranstaltungen ohne fixe Sitzplätze: max. 100 Personen. Bei mehr als 100 Personen verpflichtendes Covid-19-Präventionskonzept inkl. ausgebildetem Covid-19-Beauftragten.

Ab 1. August: Indoor, fixe Sitzplätze: max. 500 Personen, mit Bewilligung der Bezirkshauptmannschaft (BH) max. 1000 Personen. Outdoor, fixe Sitzplätze: max. 750 Personen, mit Bewilligung der BH max. 1250 Personen.
Ohne fixe Sitzplätze: max. 200 Personen. Bei mehr als 200 Personen verpflichtendes Covid-19-Präventionskonzept inkl. ausgebildetem Covid-19-Beauftragten.

Ab 1. September: Indoor, fixe Sitzplätze: max. 5000 Personen mit Bewilligung der BH. Outdoor, fixe Sitzplätze: max. 10.000 Personen mit Bewilligung der BH.
Ohne fixe Sitzplätze: max. 200 Personen. Bei mehr als 200 Personen verpflichtendes Covid-19-Präventionskonzept inklusive ausgebildetem Covid-19-Beauftragten.

Covid-19-Präventionskonzept: Es beinhaltet u. a. Regelungen zur Steuerung der Besucherströme, spezifische Hygienevorgaben, Empfehlungen zur Führung eines Systems zur freiwilligen Erfassung von Anwesenheiten.

Abstandsregeln bei Veranstaltungen: Mindestens ein Meter Abstand gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben oder nicht einer gemeinsamen Besuchergruppe angehören.

Gastronomie: Veranstaltungen mit max. 100 Personen (ab August 200 Personen)möglich, sie unterliegen Bestimmungen der Gastronomie (also z. B. keine Abstandsregeln).

Open-Air-Konzerte werde es auch im September nicht geben, verdeutlicht Wolfgang Löderle, stv. Bezirkshauptmann in Schwaz. „Für Veranstalter sind die Regeln nicht ohne, für uns auch nicht“, sagt er. „Ich kann nur jedem raten, die Vorgaben einzuhalten, weil er sonst zivil- und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird“, sagt Löderle. Kein Wunder, dass nur wenige das Risiko auf sich nehmen.

Wie es doch gehen könnte, zeigen die Jungen Zillertaler. Statt des großen Open-Airs gibt es am 15. August in Rotholz ein Konzert ähnlich wie beim Autokino. Die Besucher bleiben in ihren Pkw und hören über das Radio den Live-Sound von den Juzis auf der Bühne. „Car-antäne“ nennen die Juzis das in Anlehnung an „Quarantäne“. Wie kompliziert das Ganze abzuwickeln ist, zeigt ein Blick auf die Homepage der Band. Seitenweise Erklärungen sind nötig, damit alles halbwegs problemlos funktionieren kann. Etwas Besonderes wird das Drive-in-Konzert trotz aller Komplikationen jedenfalls sein.

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