Arche Herzensbrücken: „Familien kommen erschöpft und gehen glücklich“

Die Arche Herzensbrücken bietet Familien mit schwerkranken Kindern eine Auszeit – die braucht es nach dem Lockdown mehr denn je.

Die Kinder werden während der „Arche Herzensbrücken Wochen“ in Seefeld von Fachpersonal betreut und umsorgt.
© Szeli

Von Denise Daum

Seefeld – Die Corona-Krise stellt für alle Menschen eine noch nie da gewesene Herausforderung dar. Für Familien mit schwerkranken Kindern war die Zeit des Lockdowns aber besonders belastend. Vielfach wurde die unterstützende Betreuung komplett eingestellt, die Eltern waren völlig auf sich selbst gestellt – bei vielen kam neben der Betreuung des schwerkranken Kindes noch Homeschooling mit gesunden Geschwisterkindern hinzu. Das hat seine Spuren hinterlassen. „Die Eltern sind psychisch und körperlich fertig“, bringt es Horst Szeli auf den Punkt. Deshalb hat sich Szeli dazu entschlossen, die Türen seiner „Arche Herzensbrücken“ trotzdem zu öffnen.

Die „Arche Herzensbrücken“, ein Projekt des Vereins „Kinder- und Jugendhospizarbeit“, ermöglicht österreichischen Familien mit schwerkranken Kindern im Hotel Solstein eine gemeinsame Auszeit. Sowohl die erkrankten Kinder als auch Eltern und Geschwisterkinder werden professionell betreut. Die Betreuungskosten übernimmt der Verein, die Familien bezahlen einen einkommensabhängigen Selbstbehalt. „Die tatsächlichen Kosten können wir den Familien nicht aufrechnen“, erklärt Szeli.

Der Verein finanziert die so genannten „Arche Herzensbrücken Wochen“ über Spenden. Diese sind durch die Corona-Krise massiv eingebrochen. Das bringt die Arche in eine Zwickmühle: „Auf der einen Seite brauchen die Familien unser Angebot derzeit mehr denn je. Auf der anderen Seite bleiben die Spenden aus, da kaum Benefizveranstaltungen stattfinden können“, sagt Szeli.

Auf dem Programm stehen auch Ausflüge in die Natur.
© Szeli

Die Archewochen werden jeweils im November für das kommende Jahr ausgeschrieben. Wie viele Wochen das sind, hängt immer von den Spenden ab. „Für heuer waren wir komplett ausgebucht. Wir mussten Familien aufs nächste Jahr vertrösten. Das tut richtig weh.“ Palliative Kinder bekommen allerdings immer einen Platz. „Wir wissen nicht, wie viel Zeit diese Kinder noch haben“, sagt Szeli. Fast alle Familien fragen bei der Abreise, ob sie nächstes Jahr wieder kommen dürfen. Für Szeli und sein Team das beste Feedback.

Pflegeleiterin Ines Paratscher opfert ihre gesamte Urlaubs- und Freizeit für die Arche Herzensbrücken – und bereut keine Sekunde. „Die Familien bringen uns enorm viel Wertschätzung und Dankbarkeit entgegen. Es ist so schön zu sehen, wie ihnen die Auszeit bei uns guttut. Sie kommen erschöpft und gehen glücklich. Das ist unser Motor“, sagt Paratscher.

Morgen geht die erste Familienwoche dieser Saison zu Ende. Die Abläufe haben sich Corona-bedingt geändert: So sind nur vier Familien im Haus, ohne andere Gäste. „Wir haben das Haus total abgeschottet, um die anwesenden Familien zu schützen“, erklärt Paratscher.

Zudem werden die Mitarbeiter regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Für die Familien gibt es keine Einschränkungen, beim Betreten der Arche bleibt der Alltag draußen.

Spendenkonto: Raiffeisenbank Seefeld-Leutasch-Reith-Scharnitz; Name: Förderverein „Kinder- und Jugendhospizarbeit“; IBAN: AT90 3631 4000 0022 6571. Weitere Infos: www.herzensbruecken.at


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