„Goretexian“: Gemurmel aus dem grünen Off

Tirol-Premiere des Kowanz-Schülers Sebastian Köck auf der Innsbrucker Plattform 6020 mit „Goretexian“.

Sebastian Köck horcht in sein aus grünem Formblech gebautes Häuschen hinein, den Mittelpunkt seiner Ausstellung „Goretexian“.
© Schlocker Edith

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Ein aus grünem Formblech gebautes Häuschen samt Pultdach steht im Zentrum der Personale von Sebastian Köck auf der Plattform 6020, der Fördergalerie der Stadt Innsbruck. „Goretexian“ nennt der 30-jährige Innsbrucker, der bei Brigitte Kowanz an der Wiener Angewandten studiert hat, seine erste heimatliche Einzelausstellung, die im engeren Sinn eine Rauminstallation ist, die so rätselhaft und voller komplexer inhaltlicher Bezüge wie ihr Titel daherkommt.

Auf einen ersten Blick scheint das Häuschen ein auf den Boden geholter Hochstand für die Jagd zu sein. Unschwer lesbar als etwas spröde Metapher für die Zivilisation, um die es auch in der Geschichte geht, die der in das Innere des Häuschens Hineinhorchende von einer Stimme aus dem Off zu hören bekommt. Und die wiederum mit den auf Stahlplatten gedruckten Lithografien zu tun hat, die ihrerseits auf ca. 140 Jahre alten Fotos basieren, die den Moment der Fertigstellung der transkontinentalen Eisenbahn in den USA festhalten.

Hier geht es genauso wie in der im Loop laufenden Soundarbeit um das Gefühl der Ambivalenz: den Moment von Ankommen und Weiterziehen, von Kommunikation und Isolation, Tradition und Fortschritt. Schnittmengendiagramme loten diesen Zustand des Uneindeutigen reizvoll aus, wobei das, was Köck uns hier sagen will, ganz bewusst kryptisch bleibt, letztlich der Fantasie des Betrachters überantwortet.

Der aus einer Wand des grünen Häuschens ausgeschnittene Vogel ist an einer der galeristischen Wände gelandet. Stilisiert zum eleganten, fast in Origami-Manier exakt gefalteten Zeichen. Eine pure Ästhetik, mit der der Künstler genauso jongliert wie mit der Kombination unterschiedlich besetzter Materialien. Die im Idealfall nachhaltig produziert und recycelbar sind. Wobei Köck gern das Spiel mit Widersprüchlichem mag, etwa beim Häuschen, dessen industrielle Kühle radikal mit der romantisch besetzten Jägerästhetik bricht.

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Sebastian Köck ist aber auch ein Viel- und Gut-Zeichner. Da gibt es in der Schau Blätter, die als Konglomerat in perspektivischer Finesse zelebrierter Leerstellen verwirrend surreal daherkommen. Den Ausdruck gezähmter Wildheit versprüht dagegen der in eine Staubwolke gehüllte, hyperrealistisch gezeichnete Stier. Nebenan blitzt es wiederum gewaltig, verpufft geballte Energie dramatisch, bevor es wieder ganz still und friedlich wird. Gerade so, als wäre mit uns und unserer Welt alles in Ordnung.


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