Hochzeit und Corona: Ungewöhnliches Jawort in ungewöhnlichen Zeiten

Corona macht das Heiraten nicht gerade leicht. Doch mit den Lockerungen wollen immer mehr Tiroler Paare trotz Virus den Bund fürs Leben schließen.

Abstand halten, auch auf dem Weg von der Trauung in die Flitterwochen: Die Corona-Krise macht aus dem „schönsten Tag im Leben“ ein noch größeres Abenteuer, als er es bisher schon war.
© APA/dpa/Arne Dedert

Innsbruck – Es gibt sie wieder, die schönsten Tage im Leben. Nachdem viele Hochzeiten Corona-bedingt nicht stattfinden konnten oder aufgrund der Auflagen lieber verschoben wurden, gibt man sich in den Tiroler Standesämtern wieder öfter das Jawort – immer unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen, die von den jeweiligen Ämtern selbst festgelegt werden. Denn standesamtliche Trauungen gelten als Verwaltungsakt, weshalb die gesetzlichen Covid-Vorgaben zu Veranstaltungen nicht greifen.

Grundsätzlich wird die Situation von den Tiroler Standesämtern aber ähnlich gehandhabt. Neben jenen in Innsbruck und Telfs setzt auch das Amt in Kufstein auf Einhaltung des Mindestabstands. Dementsprechend reduziert sich auch die Zahl der zugelassenen Gäste. So darf in Innsbruck die Hochzeitsgesellschaft bis zu 20 Personen umfassen. Momentan dürfen das Brautpaar und seine Gäste während der Trauung auf einen Mund-Nasen-Schutz verzichten. Beim Betreten und Verlassen der Gebäude wird jedoch zum Tragen einer Maske geraten.

Die Entscheidung, ob die geplante Hochzeit lieber verschoben werden soll, möchten die Ämter den Paaren selbst überlassen, Empfehlung gibt es keine. Zwar müssen Tiroler Brautleute derzeit mit ähnlichen Einschränkungen rechnen, bei der Terminvergabe stoßen Paare aber auf unterschiedliche Hürden. Während in Telfs die geplante Hochzeit, sofern das Datum noch frei ist, auf den Tag genau um ein Jahr verschoben werden kann, darf in Innsbruck erst sechs Monate vor dem gewünschten Hochzeitstag wieder ein neuer Termin gebucht werden.

Auch kirchliche Trauungen finden wieder vermehrt statt, heißt es auf Nachfrage bei der Innsbrucker Diözese. Theoretisch können bis zu 250 Menschen dabei sein, praktisch muss ein Meter Abstand gehalten werden. Heißt: Je mehr Gäste den großen Tag miterleben sollen, desto größer muss auch die Kirche sein. Einige Paare haben ihre Hochzeit generell verschoben, manche die standesamtliche Trauung bereits vollzogen, während der kirchliche Segen später nachgeholt wird, berichtet die zuständige Stelle bei der Diözese. Neue Hochzeitstermine werden mit dem jeweiligen Pfarrer festgelegt.

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Es gibt also so einiges, was Paare momentan beachten müssen. Dementsprechend ist eine gewisse Unsicherheit und teils auch Verärgerung unter den Brautleuten zu spüren, weiß Hochzeitsplanerin Stephanie Rügner aus Innsbruck. Gerade im Juni haben viele Paare ihre Hochzeit verschoben, obwohl diese mit den Lockerungen wieder möglich gewesen wäre. Doch die Regierung habe die neuen Regelungen viel zu kurzfristig umgesetzt. Langsam würde sich aber wieder Optimismus durchsetzen. Auch in der momentanen Zeit würde grundsätzlich nichts gegen eine Hochzeit sprechen, meint die Expertin. „Wenn man sich bewusst ist, dass eine Hochzeit im Moment mit Einschränkungen verbunden ist, warum nicht?“ Kurzentschlossene hätten außerdem den Vorteil, dass Fotografen, Locations und generell Hochzeitsdienstleister gerade einfacher zu finden seien. Die geringere Gästezahl dürfte einen Teil der Paare ohnehin nicht stören, denn bereits vor Corona hat sich der Trend zu kleineren Hochzeiten von etwa 30 bis 50 Gästen gezeigt. „Dafür gönnen sich die Paare jetzt etwas mehr, was das Essen oder die Location angeht“, meint Rügner. Durchschnittlich geben Tiroler Paare nach wie vor zwischen 15.000 und 20.000 Euro für die Hochzeit aus.

Wer noch Inspiration für den großen Tag benötigt, kann am 6. September beim Hochzeitsfestiva­l „Luft&Liebe“ im Salzlager Hall vorbeischauen. Dort präsentieren sich diverse Tiroler Hochzeits-Anbieter. (aes)


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