Jungen Menschen in Osttirol ein Zuhause schenken

Das zweitälteste SOS-Kinderdorf der Welt in Nußdorf-Debant setzt auf ein neues Konzept, das die Eltern der Schützlinge mit einbindet.

Dieser Neubau für eine Kinder-Wohngruppe in Nußdorf-Debant bietet neun jungen Bewohnern ein großzügiges Raumangebot.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Nußdorf-Debant – Zwei neue Wohngruppen im SOS-Kinderdorf in Nußdorf-Debant geben insgesamt 18 Schützlingen ein Zuhause. Zur offiziellen Schlüsselübergabe war auch die zuständige Soziallandesrätin Gabriele Fischer gekommen. Jeweils neun Kinder und neun Jugendliche leben von nun an in zwei neuen Gebäuden in der Gemeinde, rund um die Uhr betreut von beinahe ebenso vielen Mitarbeitern.

„Alle Menschen brauchen am Weg zum Erwachsenwerden ein liebevolles Zuhause“, erklärte die Soziallandesrätin. „Wir alle brauchen Heimat, wir brauchen Wurzeln und Erwachsene, die uns begleiten.“ Kindern, die in ihren Ursprungsfamilien ein solches Zuhause nicht vorfinden würden, müsse die Gesellschaft einen Raum in ihrer Mitte geben. Darum unterstütze das Land auch Einrichtungen wie jene von SOS-Kinderdorf. In Absam sei kürzlich eine Wohngruppe mit der Bezeichnung TIPI eröffnet worden. „Dahinter steht ein neues pädagogisches Konzept, nämlich die Eltern in das Leben ihrer Kinder miteinzubeziehen“, erläuterte Fischer. So solle eine mögliche Rückkehr in die Herkunftsfamilien erleichtert werden.

„Wir müssen Kinder schützen und die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit stärken.“ Für diesen neuen Ansatz benötige es auch entsprechende bauliche Voraussetzungen. Die Wohngruppen in Nußdorf-Debant würden diesem Ansatz gerecht. Der Neubau auf dem Kinderdorf-Areal bietet im Erdgeschoß eine abgetrennte Garçonnière für Eltern, die ihre Kinder besuchen kommen und dafür oft eine stundenlange Anreise in Kauf nehmen müssen.

Landesrätin Gabriele Fischer, Bürgermeister Andreas Pfurner und Kinderdorf-Leiter Guido Fuß übergaben zwei neue Wohngruppen (v. l.).
© Christoph Blassnig

Der barrierefreie Bau wurde großzügig gestaltet. Auf zwei Ebenen, die zusätzlich durch einen Aufzug verbunden sind, haben alle Kinder bzw. Jugendlichen ihre persönlichen Zimmer, die sich von den Gemeinschaftsflächen auch optisch durch gelbe Türen abheben. Ein Kind lud am Tag der Schlüsselübergabe bereitwillig in seine vier Wände. Von der Farbgestaltung bis zur Einrichtung durften die Schützlinge ihre Zimmer mitgestalten. Zu den persönlichen Schätzen zählen etwa Kuscheltiere, Bausteine oder in einem Fall eine Kiste mit selbst gesammelten Kristallen. Auch ein moderner Schaukelstuhl mit eingebauter Musik-Abspielfunktion findet in einem solchen heimeligen Rückzugsort beispielsweise Platz.

Das pädagogische Konzept entspreche den modernsten fachlichen Standards, erklärte Guido Fuß, Leiter des SOS-Kinderdorfes in Osttirol. Das zweitälteste SOS-Kinderdorf der Welt sei ein Meilenstein. „Räumlich und atmosphärisch ist eine noch intensivere individuelle Betreuung möglich.“

Bürgermeister Andreas Pfurner gratulierte zu einem gelungenen Bau, wie er sagte: „Auf eine gute Zusammenarbeit.“


Kommentieren


Schlagworte