Ausstellung in Bruneck: Bunter Rauch zieht über die Bunker hinweg

Reflektionen von Geschichte: Das Lumen zeigt mit „Mountain Pieces. Reflecting History“ eine fotografische Annäherung von Sissa Micheli.

Persönliche Reflektionen von Geschichte: Sissa Micheli erwanderte für ihre aktuelle Ausstellung Kriegsschauplätze der Dolomitenfront.
© Micheli

Von Barbara Unterthurner

Bruneck –1800 Quadratmeter Ausstellungsfläche, vollinhaltlich der Fotografie gewidmet, verortet man vornehmlich in einer Großstadt. Zu finden ist der üppige Schauraum aber oberhalb von Bruneck, auf 2200 Höhenmetern. Genauer im Lumen, einem Museum für Bergfotografie, das auf Initiative einer Südtiroler Privatstiftung 2019 eröffnet wurde. Im künstlerischen Beirat der „Lumen Foundation“ sitzt neben Künstler Werner Feiersinger auch Barbara Psenner, Obfrau des Vereins der Tiroler Landesmuseen. Seit der Eröffnung ist die interaktive Dauerausstellung zum Thema Bergfotografie zu entdecken, seit dem Wochenende werden im Lumen erstmals Arbeiten der Südtiroler Künstlerin Sissa Micheli gezeigt.

Vier Ebenen nimmt der ausstellungstechnische Dauerbrenner ein, der auf das große Publikum und diverse Schichten ausgerichtet ist. Mitgewirkt hat hier u. a. das Euregio-Projekt TAP (Tiroler Archiv für photographische Dokumentation und Kunst). Für Wechselausstellungen hingegen werden Projekte realisiert, in denen auch heimische Kunstschaffende zum Zug kommen: Sie sollen das heutige Unesco-Weltnaturerbe künstlerisch bearbeiten. Das Lumen will schließlich keine steife Touristenattraktion sein.

Zusatzangebote am Berg: In der Nähe des Lumen befindet sich auch ein „Messner Mountain Museum“, entworfen von Zaha Hadid.
© manuelkottersteger.com

Diesem Anspruch wird der verhältnismäßig kleine und großteils improvisierte Projekt­raum aktuell kaum gerecht. Dabei würde sich die erste Schau einer heimischen Künstlerin einen prominenteren Platz verdienen, entdeckt die aus Bruneck stammende und in Wien lebende Micheli in „Mountain Pieces. Reflecting History“ doch nicht nur ihre Heimat, sondern auch die Geschichte der Dolomiten durch die Kamera künstlerisch neu.

Für ihre Fotografien, drei Videos sowie eine Stoffarbeit, die in einem Jahr Vorarbeit entstanden sind, suchte Micheli geschichtsträchtige Orte ihrer Heimat auf. Konfrontiert wird das Publikum mit imposanten Bergpanoramen, in denen sich Kriegsschauplätze der Dolomitenfront eingeschrieben haben. Für Micheli ist das Motiv Berg kein fremdes, in früheren Arbeiten verhandelte sie etwa den Einfluss des Tourismus auf die Bergregion. Jetzt macht sie sich historische Stätten performativ zu eigen: Am Monte Piana zündet sie in Erinnerung an den grausamen Stellungskrieg grüne Rauchbomben; die spektakuläre Cadini-Gebirgsgruppe erwandert sie sich mit Spiegeln um den Körper geschnallt – sich selbst, auch ihre Mutter oder ihren Partner stets im fotografischen Fokus.

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Poetischer sind jene Arbeiten, in denen sich menschliche Präsenz nur vermuten lässt: weil im Gebüsch pinker Rauch entweicht oder dort, wo ein runder Spiegel eben gerade nicht den Höhlensteintal-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt, sondern das vorbeiziehende Wolkenpanorama darüber. Michelis Reflektionen sind persönlich, aber auch Geschichten, die ein großes Publikum ansprechen können – wenn man sie lässt.


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