Mit dem Mountainbike zu den Trinser Almen: Sanfte Tour in hitzigen Zeiten

Drei Generationen entdecken die Trinser Almwelt. Die Radtour führt über weite Wiesen und durch schattige Wälder zur Trunahütte. Mit vereinten Kräften werden auch Hürden überwunden.

Über diese Wiese mit weitem Blick ins Gschnitztal führt der Weg in den Wald.
© Christler

Von Matthias Christler

Steinach am Brenner –Schon so manche Generationen haben die Gegend um Trins erlebt, wurde der Ort doch schon als „Truna“ vor fast 1000 Jahren erstmals erwähnt. In der Gegenwart wollen wieder drei Generationen – im Alter von Ü70 bis U2 – die früher vom Bergbau geprägte Almenregion kennen lernen. Der Opa nimmt das E-Bike, der Papa fährt mit dem „Retro“-Mountainbike (das sind die ohne Antrieb) und der Mama hilft ebenfalls ein E-Motor, um den Anhänger mit Kind über die 20 Kilometer lange Rundtour im Gschnitztal zu ziehen.

Am Weg von Steinach zu den Trinser Almen und weiter bis zum Kinderparadies auf der Bergeralm fährt die Familie über grüne Wiesen und entlang blauer Bäche. Unerwartet stellt sich ein rote Hürde in den Weg. Dazu später ...

Auf den ersten eher flachen Metern radelt man entlang des Gschnitzbachs
© Christler

So kommt man hin: Für diese Radtour bietet sich die Anreise mit der Bahn an, weil man vom Bahnhof Steinach leicht zum Ausgangspunkt bei der Talstation der Bergeralm kommt. Wer mit dem Auto anreist, kann dort parken – im Prinzip kostenlos, doch die Bergeralm-Verantwortlichen bitten, dass man sich bei der Kassa „anmeldet“ und (obwohl man sie nicht nutzt) eine Bergfahrt um 9,80 Euro bezahlt. Das handhabe man vor allem wegen jener Wanderer so, die zu Mehrtagestouren aufbrechen und ihr Auto über Nacht stehen lassen.

Dort wartet mit einem zugesperrten Gatter eine Überraschung
© Christler

Die drei Radler plus Anhang treten vom Parkplatz los ins Gschnitztal hinein Richtung Trins. Am rechten Ufer des Gschnitzbachs rollen die drei Generationen gemütlich den Wiesenweg entlang. In Gedanken tauft man den Beginn der Strecke bald um in Wunderschöne-weite-Wiesen-Weg. Nach etwa vier Kilometern geht es leicht bergab, über eine Brücke und vorbei an einem Schlepplift. Kurz danach biegt man links ab, folgt dem Schild „Trunahütte“ und der Radler ohne Motor kommt hier erstmals langsam ins Schwitzen. Aber weil diese Tour ideal für heiße Tage ist, beginnt gleich der schattige Teil im Wald. Die Schweißtropfen werden trotzdem schlagartig mehr – die rote Hürde tut sich vor der Gruppe auf. So ein modernes Gatter, das verschlossen ist, hätte man sich auf einer offiziellen Mountainbike-Strecke des Landes nicht erwartet. Zwar wurde auf der Seite in den Holzzaun eine Öffnung geschnitten, durch die sich ein Rad schieben lässt, doch der Anhänger passt nie und nimmer durch.

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Nach ein paar hundert Höhenmetern erreicht man die perfekt in die Landschaft eingebettete Trunahütte
© Christler

Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl, erstens: Die Gruppe ärgert sich grün und blau über das rote Hindernis und dreht um. Doch dafür haben die grünen Wiesen und der blaue Bach die Gemüter zu sehr erfreut. Also wird Möglichkeit zwei gewählt und mit vereinten Kräften der Anhänger über das Gatter gehoben.

Auf der Trunahütte hört man übrigens später, dass es wie so oft in Tirol Interessenkonflikte in dem Gebiet gebe. Die hitzigen Zeiten, in denen Wegerhalter und Waldbesitzer auf der einen Seite und Wanderer und Radler auf der anderen nicht auf einen grünen Zweig kommen, dürften auch hier andauern. Beim Land Tirol will man darauf reagieren: „Da ist nicht ideal“, erklärt Dieter Stöhr, der Leiter vom Projekt des Landes „Bergwelt Tirol – Miteinander erleben“. „Gerade im Gschnitztal haben wir das häufiger, dass es nur kleine Durchgänge gibt, durch die kein Anhänger passt. Aber jetzt, wo immer mehr mit E-Bike und Kindern unterwegs sind, werden wir verstärkt schauen und vor Ort beraten, damit auf den offiziellen Mountainbike-Routen ein Durchkommen mit Anhänger möglich ist.“

Zurück aus der hoffentlich barrierefreien Zukunft und wieder aufs Rad in die Gegenwart. Das Oberarm-Fitnessprogramm beim Anhänger-Heben lassen wir hinter uns und widmen uns intensiver dem Oberschenkel-Training. Der Waldweg verläuft die nächsten fünf Kilometer etwas steiler, zwischendrin ein kurzer Stich, hinauf zu einer Gabelung. Links weist der Weg zur Gerichtsherrnalm, rechts zur angepeilten Trunahütte. Nach etwa fünfzehn wieder eher ­gemütlichen Minuten kehrt man mit einer letzten Rechtskurve beim ersten Etappenziel ein.

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Die Trunahütte bettet sich auf knapp über 1700 Metern perfekt in den Hang ein. Das Kind, das die schöne Fahrt und den „Flug“ über das Gatter verschlafen hat, ist hellwach und geht auf Erkundungstour. Ein Geschnatter erweckt die Neugier. Noch ein paar Höhenmeter weiter rauf geschaut und der Nachwuchs-Radler entdeckt einen Teich, der zur Hütte gehört. Gänse, Enten und Hennen tummeln sich um das Wasser, innen drinnen schwimmen Saiblinge.

Ingrid Schlögl (52) hat sich dieses Almidyll eingerichtet. Sie ist hier aufgewachsen, kommt schon seit 50 Jahren herauf und mit 19 Jahren hat sie die Bewirtung von ihrem Vater übernommen. „Das ist so ein Kraftplatz für mich“, schwärmt sie und preist den Ort als idealen Ausgangspunkt für die einwöchige Gschnitztaler Hüttentour inklusive z. B. Bremer, Innsbrucker oder auch Tribulaunhütte an. Und was genau bedeutet eigentlich Truna, der alte Name von Trins? „So ganz genau weiß ich es selbst nicht, obwohl ich schon nachgeforscht habe. Das Wort kommt aus dem Rätoromanischen und was ich gelesen habe, hat es etwas mit sanften Böden und viel Wasser zu tun“, meint sie.

Die Almidylle perfekt macht ein kleiner Teich mit Gänsen, Enten und Hennen.
© Christler

Sanfte Böden? Ja, das macht Sinn. Viel Wasser? Neben dem Teich fließt weiter westlich der Trunabach ins Tal. Aber das ist noch nicht alles. Nach der Einkehr bei der Trunahütte soll ein anderes Gewässer das nächste Ziel sein. Die Route führt wieder zurück zur Weggabelung, jetzt aber radelt man Richtung Gerichtsherrnalm, kurz vor der Station geht es unterhalb über eine kleine Brücke weiter. Fast eben und manchmal leicht abwärts rollen die drei Generationen zur Bergeralm, wo sich der Nachwuchs in der Wasser- und Erlebniswelt Bärenbachl so richtig austoben kann.

In den künstlich angelegten Teichen und Bächen erfrischen sich gerne auch die Erwachsenen. Und so wird aus der Zwei-Stunden-Tour mit Einkehr bei der Trunahütte und langer Spiel- und Plantschpause bei der Bergeralm fast ein Ganztagesausflug.

Für die Fahrt ins Tal empfiehlt sich der Rodelweg – oder man wagt sich auf den Downhill-Trail der Bergeralm. Natürlich ohne Anhänger, denn der hat im Gegensatz zu den anderen breiten Wegen auf dieser Runde am Trail nichts verloren. Der Kleine hatte heute schon genug Action.


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