Tafel warnt Wanderer im Lader Urgtal vor Wolf

Müssen sich Wanderer vor dem Wolf fürchten? Ein Almpächter sagt Ja und hat eine Warntafel angebracht. Das Land sieht keine zusätzliche Gefahr, die vom Wolf ausgeht.

Beim Eingang ins Lader Urgtal warnt eine Tafel vor der Wolfspräsenz.
© Hann

Von Matthias Reichle

Ladis – Die Bilder machen nicht unbedingt Lust auf eine Wanderung in den Bergen. Ein Wolf mit weit geöffnetem Maul, das Bild eines aufgerissenen Schafskadavers und die Warnung, dass das Raubtier in der Region unterwegs ist. „Weidevieh könnte derzeit aggressiver reagieren. Für Unfälle wird nicht gehaftet.“ Angebracht hat das Warnschild Almpächter Alexander Hann am Eingang zur Lader Urgalpe. Für ihn ist der Wolf ein rotes Tuch. „Wir hoffen damit Druck aufzubauen. Das ist der Sinn dahinter“, erklärte er gegenüber der Tiroler Tageszeitung den Hintergrund der Aktion. Man wolle die Menschen über das Problem informieren.

Vom Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis wird das „einsame und unberührte Urgtal“ als Wandergebiet beworben. Nicht wenige sind dort unterwegs. Dass die Tafel auch eine abschreckende Wirkung habe, sei durchaus beabsichtigt, so Hann, der selbst keine bewirtschaftete Hütte betreibt. Nicht alle dürften aber mit dem Schild einverstanden sein. Unbekannte hätten es zuletzt entfernt. Er sei gespannt, wie lange es dieses Mal hänge, so Hann.

Auf Paznauner Seite des Berges wurden vor eineinhalb Wochen mehrere Schafe gerissen.
© Pircher

Bei den Bauern der Region läuten seit mehreren Schafrissen – zuletzt im nahen Paznaun – die Alarmglocken. Ende Juni soll der Wolf auch in Ladis zugeschlagen haben, wie Hann erklärt. „Vor zwei Jahren hatten wir 14 Risse auf der Alm“, sagt der Bauer, der nun auch Angst um die Rinder hat, die derzeit noch am Berg sind: insgesamt 80 Stück, davon zahlreiche Kälber.

Von dem Warnschild hat TVB-Geschäftsführer Josef Schirgi bisher nichts gehört. Ob Touristen dadurch abgeschreckt werden, wollte er gestern nicht beurteilen. Er sieht das Thema Wolf aber generell entspannter. „Ich habe noch keinen gesehen, obwohl ich viel mit dem Rad unterwegs bin. Ich kenne Wölfe nur aus dem Fernsehen“, erklärt er. „Wir leben mit einer intakten Natur, dann kommen wilde Tiere und es passt auch wieder nicht“, wundert er sich, verweist aber auch darauf, kein Experte zu sein. Man werde damit leben müssen, dass immer wieder Wildtiere auftauchen. Dass allerdings TVB-Mitarbeiter die Warntafe­l zuletzt entfernt hätten, ein Verdacht, den Hann äußerte, dem widerspricht er. Daran habe man kein Interesse.

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Aber handelt es sich bei der Tafel um reinen politischen Aktivismus, wie der ein oder andere vermutet, oder um eine berechtigte Sorge? Und ist das Weidevieh wegen des Wolfs gefährlicher? „Das mögliche Risiko, das von Begegnungen zwischen Rindern und Wanderern ausgehen kann, wird sehr ernst genommen“, betont Martin Janovsky, Fachmann für große Beutegreifer. „Derzeit gibt es aber keine Hinweise, dass durch die Anwesenheit von Wölfen ein erhöhtes Gefährdungspotenzial durch Rinder besteht.“ Dass Wanderer einem Wolf begegnen, sei außerdem sehr unwahrscheinlich. Zu Wolfsbegegnungen verweist Janovsky auf den Leitfaden des Landes, der auch im Internet (www.tirol.gv.at) abrufbar ist.

Auch auf der Versing Alpe in See, auf der vor eineinhalb Wochen mehrere Schafe entdeckt worden sind, seien viele Wanderer unterwegs, wie Agrar­obmann Bernhard Pircher betont. „Im Moment haben wir nicht angedacht, Tafeln anzubringen. Wir warten ab, wie sich die Sachlage entwickelt.“ Inzwischen habe man weitere Risse entdeckt. „Aktuell sind es zehn tote und fünf vermisste Schafe“ – von denen er aber nicht annimmt, dass sie noch auftauchen.


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