Neues Murbecken in Pettneu: „Brutales Beispiel, dass Naturereignisse zunehmen“

Pettneu hat es 2018 besonders hart getroffen. Knapp zwei Jahre ist es inzwischen her, dass der Schnanner Bach und der Gridlontobel gewaltige Mengen an Schotter mitbrachten. Nun wird das Dorf geschützt.

Ein neues Murbecken mit einem zehn Meter hohen Ausleitungsbauwerk soll künftig den Ortskern von Pettneu vor neuen Muren schützen.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Pettneu – Eine braune Sturzflut, die Häuser erzittern ließ, Steine wie Bälle durch die Luft schleuderte und das Gewerbegebiet unter Wasser und Schlamm begrub – der Sommer 2018 sitzt bei den Pettneuern tief im Gedächtnis. „Die Gemeinde ist ein brutales Beispiel, wie in den letzten Jahren Naturereignisse zugenommen haben“, erklärte gestern auch Gebhard Walter, Landeschef der Wildbach- und Lawinenbauleitung Tirol, bei einem Lokalaugenschein mit Landeshauptmann Günther Platter. Hagel und Gewitter – Wetterextreme kommen am Arlberg häufig vor.

Knapp zwei Jahre ist es inzwischen her, dass der Schnanner Bach und der Gridlontobel gewaltige Mengen an Schotter mitbrachten. „Der Zeinsbach ist damals neben seinen großen Brüdern medial untergegangen“, erinnert WLV-Gebietsbauleiter Daniel Kurz. Dabei hatte das kleine Rinnsal das Dorf im August 2018 gleich zweimal hintereinander überschwemmt.

Im August 2018 brachte der Zeinsbach zwei Muren ins Tal.
© FFW Pettneu

Vor knapp vier Wochen ging wieder eine Mure am Zeinsbach ab. Seine Bewährungsprobe hat die neue Verbauung, die knapp oberhalb des Ortes aus dem Boden wächst, damit bereits bestanden – im Rohbau. Größerer Schaden wurde verhindert, so Kurz. Das neue Murbecken soll – im fertigen Zustand – 15.000 Kubikmeter fassen. Dahinter erhebt sich ein zehn Meter hohes Auslaufbauwerk Richtung Himmel. Ein großer Leitdamm für die Schindler-Lawine, die an der Stelle zuletzt 1984 bis in den Ort abgegangen ist, wird gleich mitgebaut. Sechs Wohnhäuser stehen dort in der roten Zone. Besonders effizient ist, dass man für den Bau das Murmaterial vom nahen Gridlontobel verwendet. „Wir nutzen damit jeden Euro dreimal“, so Kurz.

Insgesamt 1,65 Mio. Euro investieren Bund (58 %), Land (20 %), Gemeinde (16 %), ÖBB (4 %) und Straßenverwaltung (2 %) in das dreijährige Projekt. „Man hat 2018 gesehen, dass es hier unbedingt Maßnahmen braucht“, erklärt LH Platter. „Für die Anrainer war es eine riesige Belastung“, erinnert auch Bürgermeister Manfred Matt an die Murabgänge – aber auch Pettneu stand plötzlich vor einer „fast nicht bewältigbaren finanziellen Situation. Ohne Hilfe könnten wir das nicht bewerkstelligen.“ Denn die nächsten Vorhaben stehen derzeit bereits in der Pipeline. So soll die alte Brücke über die Rosanna in Schnann abgetragen werden, die 2018 zum Rückstau geführt hatte, die ÖBB-Bahnstrecke bekommt einen Murschutzdamm und die große Bogensperre des Schnanner Bachs ein Schrägrechenlaufwerk.

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