27. Auflage der Schwazer Klangspuren: Kürzer, aber intensiv und heimisch

Die Schwazer Klangspuren mussten ihr Programm wegen Corona komplett über den Haufen werfen.

Blick voraus auf die 27. Auflage der Klangspuren: (v. l.) Dirigent Oswald Sallaberger, Klangspuren-Obfrau Angelika Schopper, Intendant Reinhard Kager und Musiker Gunter Schneider (Ensemble ZIMT).
© Foto TT/Rudy De Moor

Schwaz – Die Klangspuren Schwaz erleben heuer, bei der 27. Auflage, die Gnade der späten Terminisierung. Als Herbstereignis wackelte das Tiroler Festival für Neue Musik nach dem Ausbruch von Corona im März deutlich weniger als viele sonstige Fixpunkte im Kulturkalender.

Das Festival 2020 steigt nun zwischen 11. und 20. September in Schwaz (Silbersaal) und Innsbruck (Haus der Musik, Hofkirche). Aus drei wurden zwei Konzertwochen, ohne die Zahl der Veranstaltungen wesentlich zu verringern.

Inhaltlich hat die Pandemie aber zu einer völligen Neuausrichtung geführt. Ursprünglich sollte zum Generalthema „Transitions“ weltumspannende Internationalität gelebt werden. Weil aber lange unklar war, wer unter welchen Auflagen nach Tirol einreisen darf, zog Klangspuren-Intendant Reinhard Kager die Reißleine: Er krempelte das Programm um, setzte es unter den neuen Titel „Zeitzeichen“ und heuerte Musikerinnen und Musiker an, die aus Österreich stammen oder hier leben.

Trotz des geringen zeitlichen Vorlaufs für diese radikale Rochade kann sich das Klangspuren-Programm des Corona-Jahrgangs sehen lassen. Vier namhafte Kollektive moderner Musik gastieren in Tirol: das Ensemble Phace, das oenm – österreichisches ensemble für neue musik, das Studio Dan und das Klangforum Wien, das beim Schlusskonzert ein Stück von Clara Iannotta uraufführen wird.

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Fixpunkte wie die Klangwanderung durch Schwaz in Kleingruppen (12.9.) und die Improvisationskonzerte (18./19.9.) können, unter Vorkehrungen, auch in Zeiten von Covid-19 stattfinden. Gleiches gilt für die International Ensemble Modern Academy (IEMA), deren Teilnehmerzahl reduziert wurde.

Klangspuren-Obfrau Angelika Schopper freut sich, „das Who is Who der neuen Musikszene Österreichs“ nach Tirol geholt zu haben, darunter den Dirigenten Oswald Sallaberger. Der gebürtige Innsbrucker studiert mit dem Salzburger oenm „doppelt bejaht“ ein, eine experimentelle Kammermusik von Mathias Spahlinger, dessen Partitur vielfach aus Klanggrafiken anstatt aus Noten besteht (Konzert am 13.9.). Spannung verspricht der Auftritt Wolfgang Mitterers in der Innsbrucker Hofkirche (16.9.). Der Osttiroler verbindet den Klang einer Renaissance-Orgel mit elek­tronischem Sound.

Rund 4000 Besucher verzeichnete das Festival im Vorjahr. Intendant Kager rechnet heuer mit geringerem Zuspruch, da viele Stammgäste älteren Jahrgangs seien und Veranstaltungen noch meiden könnten. Das Budget beträgt 750.000 Euro. Land Tirol, Stadt Schwaz und der Bund haben ihre Zuschüsse aufrechterhalten. Bei den Sponsoren gibt es ein Minus.

Das schubladisierte Programm „Transitions“ wird 2021 nachgeholt – international wie konzipiert und wenn es Corona zulässt. (mark)


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