Der Strasser Josef Unterladstätter: Ein Wirt mit vielen Talenten

Vom Maschinenhändler und Musikanten zum Gastgeber mit Leib und Seele.

Dreimal Josef Unterladstätter: Der Senior und Unternehmensgründer ist bald 90, Sohn Joti (Mitte) und Enkel Josef führen nun den Betrieb.
© Zwicknagl Walter

Von Walter Zwicknagl

Strass i. Z. – Lehrer, Pfarrer oder Bauer sollte er werden – geworden ist das Strasser Original Josef Unterladstätter Wirt. Mit Freunden erinnerte er sich am Donnerstag an die Eröffnung des „Cafe Zillertal“ vor 60 Jahren. Er hatte es einst mit Gattin Anni, die eine ausgezeichnete Herrenschneiderin war, gegründet. „Da ist der Grundaushub per Hand erfolgt“, erzählt der „Eder Josef“, wie er im Dorf auch genannt wird. Ehe er als Wirt tätig wurde, nutzte er seine kaufmännischen Kenntnisse nach dem HAK-Besuch in Innsbruck als führender Mitarbeiter in der damals größten Maschinenhandlung des Landes. 130 Mitarbeiter hatte er unter seinen Fittichen. Weil es im neuen Betrieb gut lief, gab er nach vier Jahren Doppelbelastung seinen Händlerjob auf.

„Begonnen haben meine Eltern mit 50 Sitzplätzen im Lokal, heute sind es 140 Betten und 700 Sitzplätze im Restaurant­betrieb“, berichtet sein 57-jähriger Sohn Josef, bekannt als „Joti“, der mit seinen Geschwistern Helmut, Helga, Marion und Gattin Brigitte den Betrieb heute schaukelt.

Zum 50. Geburtstag seines Hauses hatte der Senior-Wirt, der bald 90 Lenze zählt, sogar ein Buch geschrieben. Denn vieles hat der begeisterte Musikant und Motorrad-Freak erlebt. „Wenn ich alles zusammenzähle, bringe ich es auf 120 Jahre als Musikant“, schmunzelt das Faktotum. 25 Jahre war er aktiver Musikant bei der Tiroler Kaiserjägermusik, fast sieben Jahrzehnte war er bei der Musikkapelle Strass – davon 13 Jahre als Kapellmeister. Und er vergisst auch nicht die vielen Jahre bei der Tanzkapelle „Die lustigen Zillertaler“.

Als Gemeinderat, Mitglied der Feuerwehr, im Fremdenverkehrsverband, als Funktionär der Wirtschaftskammer und beim Oldtimerclub gab es vom Tausendsassa viel Engagement. Besonders stolz ist er auf seine gelbe Puch 250 TF. Eine Schwäche für die Technik hat er wohl von daheim mitbekommen. Denn schon im Jahr 1938 soll ein Deutz-Traktor am heimatlichen Hof in Betrieb gegangen sein. Dass er sich anfangs dem Handel mit Traktoren, Näh- und Waschmaschinen, Radios und Kühlschränken verschrieben hat und ein Angebot der Nationalbank in Innsbruck ausschlug, ist eine von vielen Episoden im bunten Leben von Josef Unterladstätter, dem die Wirtschaftskammer mit einer Urkunde gratulierte. Nach wie vor ist der Josef Wirt mit Leib und Seele und begrüßt immer wieder persönlich die Gäste im Familienbetrieb am Eingang des Zillertales.


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