Freude und Unverständnis über Maskenpflicht in Tirol

Die allermeisten Kunden waren gestern in Tirols Geschäften mit Maske unterwegs. Dass man diese aber nur in gewissen Bereichen tragen muss, löst Kopfschütteln aus.

Slavi Lucic holte sich in Kufstein gestern eine Jause und Kaffeenachschub: stilecht mit einem Plastikvisier.
© Hrdina

Kufstein, Schwaz, Innsbruck, Prutz, Reutte, Haiming – Sie sind wieder da. Die abrupten Bremsmanöver von Kunden in der Schiebetür des Geschäfts, die verstohlenen Blicke auf der Suche nach einem Gratis-Exemplar und die vorwurfsvollen Aufschreie – „Maske!“ – vom Personal. Seit gestern gilt in Supermärkten, Bäckereien, Tankstellenshops, Banken und Postämtern wieder die Maskenpflicht. Und die Tirolerinnen und Tiroler halten sich daran. Ein Blick in die Tiroler Bezirke zeigt das.

„Drüben an der Kasse bekommen’S eine gratis“, ruft Manuel Fender einem Kunden zu. Der Marktleiter hat sofort erkannt, was der Mann am Eingang suchte: einen Mund-Nasen-Schutz. Bis auf eine Handvoll Menschen seien gestern bis zur Mittagszeit alle maskiert in die Spar-Filiale im Kufsteiner Inntalcenter gekommen, und das, obwohl vor dem Eingang des Marktes keine Tragepflicht herrscht. Luftsprünge habe sein Team keine gemacht, als die Regierung das erneute „Oben-Ohne-Verbot“ für den Lebensmittelhandel ankündigte, erklärt Fender, sein Gesicht hinter einer blauen Stoffmaske versteckt, „aber bei uns sind alle motiviert, jeder sieht es ein“. Bis zu 15.000 Kunden suchen an einem gewöhnlichen Freitag den Markt in der Kufsteiner Innenstadt auf. Slavi Lucic holt sich dort in ihrer Mittagspause gerne einen Snack – seit gestern wieder mit ihrem Plastikvisier, das gerade mal Mund und Nase verdeckt. „Verkaufen mit einer Stoffmaske geht nicht“, sagt die Textilhandelsangestellte. „Ich bin froh, dass es nicht mehr so ist. Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum man im Supermarkt Maske tragen soll, aber bei uns im Modegeschäft nicht.“

„Wir machen Urlaub hier und ich wusste gar nicht, dass die Maskenpflicht hier wieder gilt", sagt Urlaubsgast Axel Jung
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© Tschol

Beim Postamt in den Schwazer Stadtgalerien müssen die Mitarbeiter nur selten ermahnen. „Der Großteil ist da sehr diszipliniert und trägt die Maske wie vorgeschrieben“, sagt ein Mitarbeiter. So mancher stoppt vor der Glastür der Postfiliale in Schwaz und muss erst einmal eine Maske aus der Tasche kramen. „Ich finde es sinnlos, sie wieder tragen zu müssen, und das sehen auch viele Ärzte und Wissenschafter so“, meint eine Schwazerin. Zwei Frauen haben die Maske bereits auf, als sie vom Einkaufszentrum zur Post gehen. „Man hätte die Maßnahme beibehalten sollen“, sagen sie.

Im Innsbrucker Sillpark ist die Situation nicht anders. Auch hier sind die Kunden diszipliniert. Theresia Heis, die mittags unterwegs ist, sagt: „Ich befürworte die Maskenpflicht im Supermarkt. In den Geschäften sollte man die Maske unbedingt tragen.“

Larissa Dirr und Elmas Sögüt, beide im Verkauf der Bäckerei Knittel in Reutte tätig, machten gestern positive Erfahrungen: „Es waren Einzelne dabei, die die Maske vergessen haben, oder sich darüber beschwert haben, dass das Ganze jetzt wieder von vorn anfängt. Aber sie waren stark in der Unterzahl. Viele sind froh, dass die Maskenpflicht wieder eingeführt wurde.“ Auffallend sei jedoch, dass gerade ältere Kunden die Maske verweigern. Dirr: „Viele argumentieren damit, dass sie den Krieg auch überlebt hätten.“

„Im Team wird die neuerliche Tragepflicht gut angenommen", sagt Supermarkt-Leiter Manuel Fender.
© Hrdina

Chef Michael Knittel sen. sieht nicht ganz ein, warum die Maskenpflicht nur den Lebensmittelhandel, Tankstellen, Banken und Postämter betrifft. „Wenn fünf Leute in einer kleinen Trafik stehen, können sie sich genauso anstecken. Auch in der Gastronomie sind viele Menschen auf engem Raum zusammen. Ich würde es daher besser finden, wenn die Maskenpflicht in allen öffentlichen Bereichen gelten würde.“ An und für sich sehe er kein Problem darin, für die Dauer eines Einkaufs oder von Erledigungen auf Bank oder Post eine Maske zu tragen. „Aber für unsere Mitarbeiter im Verkauf ist es sicher nicht angenehm, sie die ganze Zeit über zu tragen. Allerdings werden sich die Entscheidungsträger schon was dabei gedacht haben.“

Wie hier in Schwaz gilt in den Postämtern jetzt Maskenpflicht.
© Fankhauser

Völlig ahnungslos gab sich Axel Jung aus Wermelskirchen bei Köln vor der Sparkasse Reutte. „Wir machen Urlaub hier und ich wusste gar nicht, dass hier die Maskenpflicht wieder gilt. Ich habe gar keine dabei. In Deutschland muss man sie ja noch überall im öffentlichen Raum tragen, deshalb fand ich es die letzten Tage hier in Österreich ohne Maske eigentlich sehr angenehm.“ Aber für ihn sei ohnehin das Abstandhalten noch wichtiger als das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Ein Desinfektionsmittelspender und ein Schild an der Eingangstür: „Bei Betreten unserer Filiale ist ab sofort wieder ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen!“ In der Bäckerei Köhle in Prutz wurden die Kunden gestern gleich am Eingang auf die Vorschrift hingewiesen. Und sie hielten sich auch daran. „Bis jetzt funktioniert es gut“, betont die Verkäuferin. Ermahnen müsse man die meisten nicht. „Nur in der Früh hat der ein oder andere noch geschlafen“, schmunzelt sie und holt ein Nussstangerl von der Theke.

Reger Betrieb an der Tankstelle auf der Ötztaler Höhe. „Mal kommen sie mit oder, so wie jetzt, ohne“, schmunzelt Sabrina Lenz und ruft freundlich hinter ihrer Plexiglasscheibe hervor: „Wir haben wieder Maskenpflicht!“ Die beiden Urlauber greifen reflexartig zur Hosentasche und ziehen sich verlegen die blaue MNS-Maske über. Willkommen zurück in der neuen alten Realität. (TT)


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