Recyclingzentrum Ahrental: Dem eigenen Müll auf der Spur

Im Recyclingzentrum Ahrental dreht sich alles um Abfallentsorgung. Wie Mülltrennung funktioniert, konnten die künftigen Bewohner einer Wohnanlage der Stadt Innsbruck selbst herausfinden.

Der Müllberg im Recyclingzentrum Ahrental offenbart, was die Tiroler so alles wegschmeißen.
© Thomas Boehm / TT

Von Amina Stainer

Innsbruck – Was haben Motorteile, Eisenstücke und eine falsche Handgranate miteinander zu tun? Sie alle landen auf dem Recyclinghof Ahrental. Gleich vorweg: Diese Dinge gehören hier nicht unbedingt hin. Doch: „Was passiert mit unserem Abfall?“ Für 25 Erwachsene und fünf Kinder gab es bei der neu ins Leben gerufenen „Einzugsbegleitung“ für städtische Wohnungen (die TT berichtete) jetzt Antworten. Bevor im September die neuen Wohnungen in der Andechsstraße bezogen werden, gibt es in den Workshops Tipps zu einer nachhaltigere Lebensweise.

„Mülltrennung ist wichtig“, sagt Gertrud Leitner, „ich will herausfinden, wo der Abfall verarbeitet wird und was mit den Rückständen passiert.“ Dazu hat sie auch ihren zehnjährigen Enkel Marcel mitgenommen, der unbedingt wissen möchte, wie der Müll richtig getrennt wird.

Im Besucherzentrum ist die Besuchergruppe selbst gefordert, Alltagsgegenstände richtig zu entsorgen.
© Thomas Boehm / TT

Eine der Führungen leitet Dustin Klüger, Abfallberater der Innsbrucker Kommunalbetriebe, der die Gruppe schon vor Betreten der Anlage mit ein paar Fakten versorgt. Jährlich produziert eine Einzelperson etwa 370 Kilogramm Müll, also so viel, wie ein Esel wiegt. „Generell sind die Tiroler aber brave Trenner.“

In der Deponie Ahrental wird der Abfall der Bezirke Innsbruck, Innsbruck-Land und Schwaz verarbeitet. Zwei Drittel der verfügbaren Deponiefläche sind bereits gefüllt, die freie Fläche reicht noch für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre.

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Dustin Klüger, Abfallberater IKB: „Eine Einzelperson produziert ca. 370 Kilogramm Müll im Jahr. Generell sind die Tiroler aber brave Trenner.“
© Thomas Boehm / TT

Mit Masken ausgestattet, geht es für die Gruppe zunächst in die große Innenhalle, wo der ankommende Müll von „Jupiter“, dem Zerkleinerer, bearbeitet und anschließend nach Eigenschaften wie Größe, Gewicht usw. sortiert wird. Spätestens hier stört der Mund-Nasen-Schutz niemanden mehr, denn neben Virenschutz ist er auch ein mehr oder weniger gutes Mittel gegen den Gestank. „Übrigens ein Indiz dafür, dass Bio- und Restmüll nicht richtig getrennt wurden“, erklärt Klüger.

Im Besucherzentrum wird es dann praktisch. Hier darf die Gruppe selbst entscheiden, wo sie welchen Abfall entsorgen würde. Bei Milchpackungen, Kaffeekapseln und Pfandflaschen entsteht bald eine rege Diskussion darüber, wie der tägliche Abfall am besten entsorgt wird und welcher Müll eigentlich von vornherein vermieden werden könnte.

Mithilfe diverser Bildschirme stellen die Arbeiter sicher, dass bei der Sortieranlage alles funktioniert – und finden dabei hin und wieder auch ungewöhnliche Gegenstände im Müll.
© Thomas Boehm / TT

Dass sich das eigene Trennverhalten nicht nur auf Tirol, sondern weltweit auswirkt, erklärt Dustin Klüger am Beispiel Elektroschrott. Dieser wird häufig in Länder der dritten Welt exportiert und dort auseinandergenommen – meistens von Kindern.

Nach zweieinhalb Stunden geht es für die Gruppe wieder nach Hause. Im Gepäck: viele Ideen, wie man die Mülltrennung im neuen Zuhause besser machen kann.

Reinhard Pfeifenberger (45) erklärt, der Ausflug habe ihm viel gebracht. Er hofft, dass sich das neue Wissen der Bewohner der Wohnanlage schlussendlich auch in niedrigeren Betriebskosten zeigen wird. Familie Egger hingegen wusste bereits einiges über Mülltrennung, wie sie sagt. Für die beiden Kinder war es trotzdem ein spannender und lehrreicher Ausflug. Die sechsjährige Selina weiß auch sofort, was ihr am besten gefallen hat: „Die Maschinen.“


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