Heilpflanze Kren: Den Körper freut’s, wenn’s Auge tränt

Kren ist keinesfalls nur eine scharfe Wurzel zum Aufpeppen von Gerichten. Die Heilpflanze des Jahres 2021 beinhaltet eine ganze Reihe gesunder Stoffe und dämmt sogar die Vermehrung von zwei Viren-Typen ein.

Kren entfaltet seine Schärfe, wenn er richtig gerieben wird – also senkrecht zur Reibefläche.
© imago/Panthermedia

Von Susann Frank

Fieberbrunn – Der österreichische Name Kren kommt nicht von ungefähr: Das Wort stammt aus dem slawischen „krenas“ und bedeutet „weinen“. Schließlich steigen einem oftmals schon beim Zubereiten Tränen in die Augen. Spätestens beim puren Verzehr der schärfsten unter den Rettichwurzeln könnte man glauben, dass es sich um eine traurige Nahrungsaufnahme handelt, während sich der Körper über das Zuführen der Inhaltsstoffe freut.

Die ausdauernd wachsende krautige Pflanze enthält doppelt so viel Vitamin C wie die Zitrone. Zudem beinhaltet sie die Vitamine B1, B2 und B6, wertvolle Mineralstoffe (wie Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor, Eisen), ätherische Öle und antibiotische Substanzen.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben bei letzteren gezeigt, dass die enthaltenen Senföle die Vermehrung von Influenza- und Rhino-Viren hemmen können.

Die einen verursachen die Grippe, die anderen sind hauptverantwortlich für Schnupfen und Erkältung. Ob die im deutschen Sprachraum als Meerrettich bekannte Wurzel auch gegen das Corona-Virus wirkt, ist aufgrund der Neuheit der Krankheit noch nicht untersucht. Durch den bisherigen Kenntnisstand kann es jedoch auch nicht ausgeschlossen werden.

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Die Wurzel ist jedoch keineswegs nur eine würzige Beilage, sondern sie kann auch zu einer cremigen Suppe verkocht werden.
© imago images/Westend61

So wurde im Juni der Kren in Deutschland zur Heilpflanze des kommenden Jahres 2021 gewählt und wird damit die „Gemeine Wegwarte“ ablösen. „Kräuterspezialisten waren sich schon vor den Studien sicher, dass Kren heilsame Kräfte hat. Bei uns trägt er auch den Beinamen „natürliches Penicillin‘ oder ,Penicillin des Gartens’“, betont Kräuterpädagogin Birgit Schwaiger. „Kren wirkt nicht nur bei grippalen Infekten, sondern hat eine positive Auswirkung auch auf die Harn- und Verdauungswege.“ Bei zu hohem Cholesterinspiegel hilft er, die Blutfettwerte zu senken.

Für die Fieberbrunnerin ist die Wurzel, die eine Länge von 30 bis 40 Zentimetern und einen Durchmesser von vier bis sechs Zentimetern erreichen kann, deswegen auch viel mehr als nur eine Gewürzbeilage, wie wir sie in geriebener Form unter anderem zum Fleisch kennen.

Sie kann auch zu Suppen und Hummus verarbeitet werden. „Ich setze Kren gerne in Alkohol an oder fermentiere ihn. Zweiteres zum Beispiel mit Roten Rüben. Das schmeckt wunderbar als Rohkost oder Vorspeise“, sagt die 49-Jährige, die immer Kren im Garten hat. Wobei sie immer ein Auge auf die Pflanze hat. Weil sie ganz schön zu wuchern anfangen könne.

Die Ernte beginnt beim Kren ab dem Spätherbst und zieht sich bis zum Frühjahr im Folgejahr. Denn das Gewächs ist winterhart und soll sogar eisigen Temperaturen bis zu -50 Grad standhalten.

Zudem kommt sie wieder vermehrt als Heilmittel zum Einsatz. In Alkohol eingelegt wird sie zur Tinktur, die zu einer Creme gegen Atembeschwerden verarbeitet werden kann
© imago

Als Heilmittel kommt er innerlich und äußerlich zur Anwendung. „Bei Erkältungen verabreiche ich drei Teelöffel am Tag in Form eines Saftes. Dazu reibe ich eine Creme aus Kren auf die Brust“, erklärt Kräuterpädagogin Schwaiger. Damit Kren sein volles Aroma entfalten kann, ist aber das richtige Reiben wichtig. Man hält die Wurzel am besten senkrecht zur Reibefläche. So verhindert man, dass das Geriebene faserig wird und ausfranst. Mit etwas Zitronensaft oder Essig beträufelt, wird die Masse nicht braun.

Auch für das Aufbewahren gibt es gute Tipps: Im Kühlschrank hält frischer, ungeschälter Kren in einem mit Essig befeuchteten Tuch eingeschlagen mindestens zwei Wochen.

Geriebener Kren im Glas schmeckt ungeöffnet ganze sechs Monate lang wie frisch gerieben. Trocknen sollte man die Wurzel nicht. Sie verliert dadurch ihr flüchtiges Öl und damit den typischen scharfen Geschmack und seine Heilwirkung.

Rezepte

Creme für Erkältungskrankheiten: Zutaten: Krenwurzel, 80%iger Korn, 30 g Olivenöl, 60 g Lanolin. Zubereitung: Wurzel in Glas geben und Korn darübergießen, bis sie abgedeckt ist. Drei Wochen ziehen lassen. Dann Olivenöl erwärmen, Lanolin hinzugeben und tröpfchenweise die Tinktur einrühren.

Suppe: Zutaten: 2 Zwiebeln, 2 Zehen Knoblauch, 1200 ml Gemüsesuppe, 1 EL Olivenöl, 6 EL Kren, 3 kleine Erdäpfel, 150 ml Weißwein, 3 EL Creme fraîche, Salz und Pfeffer. Zubereitung: Zwiebel und Knoblauch schälen und fein hacken. Kartoffeln schälen und in kleine Würfel schneiden. Olivenöl in Pfanne erhitzen, Kartoffeln, Zwiebel und Knoblauch glasig andünsten. Mit Weißwein ablöschen und mit heißer Gemüsesuppe aufgießen. Geriebenen Kren dazugeben. 30 Minuten kochen lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen, Creme fraîche hinzufügen und mit dem Pürierstab schaumig aufschlagen.


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