Innenstadt als Hitzepol: zwei Grad mehr in Innsbruck seit den 60er-Jahren

Eine neue Studie legt die Wärmeinseln der Landeshauptstadt offen. Dort stieg die Temperatur seit den 60er-Jahren um zwei Grad Celsius.

Vizebürgermeisterin Uschi Schwarzl, Bürgermeister Georg Willi und Simone Reimair (v. l.) zeigen die Hitzeinseln der Stadt.

Von Amina Stainer

Innsbruck – Zufall oder Absicht? Ausgerechnet an einem der heißesten Tage des heurigen Sommers präsentierte die Stadt Innsbruck ihre Bestandsaufnahme des Innsbrucker Stadtklimas. Die Erhebung ist Teil des „Aktionsplans 2020/21“ der Klimawandelanpassungsstrategie und wurde von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gemeinsam mit zwei städtischen Ämtern durchgeführt. „Es geht um die Herausforderungen des Klimawandels und darum, wie wir darauf reagieren“, erklärt Bürgermeister Georg Willi (Grüne). Immerhin ist die Innsbrucker Durchschnittstemperatur seit den 60er-Jahren um etwa zwei Grad Celsius gestiegen.

Mit der städtischen Erhebung werden Innsbrucks Hitzepole offengelegt. Schon der Blick auf die Klimamodellierung zeigt: Die Innsbrucker Innenstadt ist das unangefochtene Hitzezentrum der Stadt. Gerade am Bozner Platz, dem Marktgraben und in der Maria-Theresien-Straße staut sich die Wärme. Bis zu 30 Hitzetage pro Jahr und damit über 30 Grad Celsius sind hier keine Seltenheit. Mit durchschnittlich 25 Hitze­tagen ist es in der Landeshauptstadt übrigens deutlich wärmer als etwa in Salzburg mit nur bis zu zwölf.

Besonders zukünftige Bauprojekte der Stadt Innsbruck sollen von den neu gewonnenen Erkenntnissen profitieren. „Gerade in der Innenstadt gibt es wenig Möglichkeiten zur Umgestaltung, deshalb ist es wichtig zu wissen: Wo kommt die Entlüftung her? Wo müssen wir Schneisen freilassen?“, sagt Vizebürgermeisterin Uschi Schwarzl (Grüne). Eine Reduktion der hohen Temperaturen würde auch besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen zugutekommen, denn gerade alte und kranke Menschen würden unter der Hitze leiden.

Damit die Innenstadt die notwendige Kühlung erfährt, müssten auch an Siedlungsrändern Maßnahmen gesetzt werden, die sich dann positiv auf die Temperaturen im Zentrum auswirken. Zusätzlich gilt es auch die Windrichtung zu berücksichtigen. In Innsbruck weht dieser vor allem von Ost nach West, weshalb Straßen, die in diese Richtung verlaufen, kühler sind. „Auch die Ausrichtung von Gebäuden werden wir deshalb künftig in unsere stadtplanerischen Überlegungen miteinbeziehen“, sagt Willi. Daneben sorgen auch Grün- und Wasserflächen für einen Rückgang der Temperaturen.

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Bereits jetzt gibt es Projekte, welche die Auswirkungen auf das Stadtklima beachten. So hat etwa die IVB die Dächer mehrerer Haltestellen mit Moos begrünt und auch bei der Neugestaltung des Bozner Platzes will man auf klimatische Auswirkungen Rücksicht nehmen, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Als nächster Schritt soll eine komplette Analyse des Innsbrucker Stadtklimas durchgeführt werden. „Dazu zählen neben Hitze auch Luftfeuchte und -emissionen sowie das Windsystem. Das Resultat daraus wird eine Hinweiskarte mit planerischen Empfehlungen zur Setzung von konkreten klimawirksamen Maßnahmen sein“, sagt Simone Reimair vom Referat „Raumplanung und Stadtentwicklung. Erfahrungen aus anderen Bundesländern würden zeigen, dass so eine Studie rund 100.000 Euro kosten wird.

Für Bürgermeister Willi ist das Ziel der Klima-Studie klar: „Wenn wir die momentane Situation bei den Temperaturen zumindest stabilisieren, haben wir schon sehr viel erreicht.“


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