Anlagegeld Spieler anvertraut: Sechs Jahre Haft für 49-Jährigen

443.000 Euro sollte ein 49-Jähriger in Immo-Projekte investieren. Alles löste sich in Glücksspiel und Cryptogeld auf: Sechs Jahre Haft.

Symbolfoto.
© TT/Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – „Leichtgläubigkeit und Gier. All das haben Sie geschickt ausgenützt!“, stellte Staatsanwalt Simon Steixner gestern am Landesgericht gegenüber einem Anlagebetrüger fest. Der 49-Jährige hörte es vielleicht nicht zum ersten Mal, ist er doch bereits neunfach einschlägig vorbestraft. Diesmal trat der Betrüger in Tirol als eine Art Anlageguru für Immobiliengeschäfte in Südafrika auf.

Von Renditehungrigen vereinnahmte er so 443.000 Euro. Grund für die Anlagetätigkeiten waren jedoch weniger Provisionen, sondern akute Spielsüchtigkeit.

So hatte der 49-Jährige die Gelder erst einmal selbst risikoreich zu vermehren versucht – und zwar über Online-Veranlagungen in Cryptowährungen. Das ging schief: „Irgendwann bekam man von der Internetseite des Cryptotraders keine Mitteilungen mehr. Wenig später wurde die Seite komplett heruntergefahren, alles Geld war weg. Währenddessen haben die Obersten der Trading-Plattform in der Türkei aber noch Party gemacht!“

Darauf ging der 49-Jährige mit den übrigen Geldern lieber auf Nummer sicher und trug sie gleich bis zum letzten Cent in Spielcasinos. Um die Anleger zu besänftigen, ließ er ihnen aber immer wieder Beträge zukommen. „Loch auf, Loch zu. Bei Betrügern dieser Dimension ja die bevorzugte Strategie, um das Treiben so lange wie möglich zu verlängern“, bemerkte Staatsanwalt Steixner. Eine gefährliche Strategie: Gab es rund um den 49-Jährigen doch (bereits eingestellte) Ermittlungen, ob einer der Geprellten nicht mit dem Gedanken gespielt hatte, dem Anlagebetrüger zur Rückzahlung des Geldes einen Finger abschneiden zu lassen. Ein „Mann mit dem Handschuh“ hätte dies anscheinend erledigen können – die TT berichtete. Wie weitreichend wiederum Veranlagungsopfer geschädigt werden können, zeigte der Fall eines Tiroler Paars. Dieses war von den Renditemöglichkeiten so überzeugt, dass es nicht nur deren Wertpapierdepot aufgelöst, sondern auch noch Geld zur Veranlagung aufgenommen hatte. Insgesamt flossen 253.000 Euro. Anwalt Zeno Agreiter versucht das Geld wieder hereinzubringen: „Meine Mandanten haben alles verloren und müssen nun auch noch das Darlehen abzahlen!“

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Der Angeklagte verfluchte gestern seine Spielsucht und freute sich über einen stationären Therapieplatz im Herbst. Wohl zu früh: Sechs Jahre Haft ergingen, dazu wurden einst bedingte 15 Monate Haft widerrufen. Gegen insgesamt sieben Jahre Haft erhob der 49-Jährige sofort Strafberufung. Eine nächste Betrugsanklage wartet bereits in Salzburg. Angeklagter Schaden: Rund 360.000 Euro.


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