Doskozil ärgert Genossen mit Kritik an Rendi-Wagner

Warum kritisiert er Rendi-Wagner wieder öffentlich? Es gibt mehrere Deutungen.

Querbeet ist der Unmut in der Partei wegen Doskozils Vorgangsweise groß.
© HELMUT FOHRINGER

Von Karin Leitner

Wien – „Wie wichtig ist es, dass die SPÖ bei aktuellen Themen ihr­e Positionen intern ausdiskutiert, aber dann nach außen eine klar­e gemeinsame Linie zeigt?“ Das war eine der Fragen beim Mitgliedervotum der SPÖ in diesem Jahr. 89,9 Prozent der Roten befanden, dass das „sehr wichtig“ sei.

Eine Zeitlang geschah, was die große Mehrheit der Parteigänger wünscht. Nun ist Hans Peter Doskozil aber wieder zugange. Der burgenländische SPÖ-Landeshauptmann sagt öffentlich, die von Frontfrau Pamela Rendi-Wagner propagierte Arbeitszeitverkürzung sei nicht das, was „die Sozialdemokratie wieder zurück in die Regierung bringt“; „Gebot der Stunde“ sei ein 1700-Euro-Mindestlohn. Er beklagt die Umfragewerte der Bundespartei („Mit 18 oder 19 Prozent kann man nicht zufrieden sein“). Und gefragt, ob Rendi-Wagner SPÖ-Spitzenkandidatin bei der kommenden Nationalratswahl sein soll, antwortet er: „Man kann nie wissen, was politisch passiert.“

Was sagen Genossen zu den medialen Umtrieben Doskozils? Jene in der Bundesparteizentrale wollen sich dazu nicht äußern, auch jene in Wien kommentieren die Aussagen des Burgenländers nicht. Der oberösterreichische SPÖ-Geschäftsführer Georg Brockmeyer sagt der TT nur so viel: „Die SPÖ fasst Tritt. Sie könnte aber mehr fassen.“ Einen „Sturm im Wasserglas“ ortet er ob der Debatte über Mindestlohn und Arbeitszeit. „Unterschiedliche Positionen muss ein­e Partei aushalten.“

Querbeet ist der Unmut in der Partei wegen Doskozils Vorgangsweise aber groß. Der Tenor: Gerad­e jetzt, da es für die SPÖ besser laufe – traditionelle Themen von Arbeit bis Mieten seien wegen der Corona-Krise aktueller denn je, Rendi-Wagner profitiere von ihrer Expertise als Medizinerin, im U-Ausschuss sitze mit Mandatar Kai Jan Krainer ein sehr guter Mann, die Kanzlerpartei sei in allerlei Affären verstrickt –, sorge Doskozil dafür, dass es heiße: „Die Roten streiten schon wieder.“ Und das zum Gaudium der Polit-Gegner, zuvorderst der ÖVP. Und das vor der essenziellen Wien-Wahl im Oktober. Das müsste auch dem Landeschef bewusst sein. Warum macht er das dann?

Da gibt es mehrere Deutungen innerhalb der SPÖ. Die einen meinen, dass Doskozil damit im Burgenland punkten wolle – mit Gezeter gegen Verantwortliche im Bund. Auf das habe schon der einstige steirische Landeshauptmann Franz Voves gesetzt – mit Kritik an Alfred Gusenbauer und Werner Fay­mann. „Wenn Doskozils Rezept Geschimpfe auf die Bundespartei ist, ist das ein Armutszeugnis für ihn“, urteilt ein Funktionär.

Andere glauben, Doskozil wolle vom Commerzialbank-Skandal in seinem Lande ablenken – auch mit dem Pressekonferenzauftritt mit dem steirischen FPÖ-Klubobmann Mario Kunasek. „Übersteigertes Geltungsbedürfnis“ wird Doskozil ebenfalls attestiert. Zu dessen Äußerung in Richtung Nationalratswahl merkt ein Sozialdemokrat an: „Wenn er Spitzenkandidat werden will, soll er beim nächsten Parteitag dafür kandidieren. Bis dahin sollte er Ruhe geben – und nicht der gesamten SPÖ schaden.“


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