Dutzende Tiere lebten in Wohnung im Bezirk Kitzbühel zwischen Müll und Kot

36 Zwei- und Vierbeiner und Hunderte Fische mussten im Bezirk Kitzbühel aus total verdreckten Käfigen und Aquarien gerettet werden. Die Behörden besuchten den Halter nicht zum ersten Mal.

Tauben, Aras und sogar ein Fasan wurden aus kleinen Käfigen befreit, sie befinden sich nun im Tierheim. Ihre Krallen sind teilweise verkrummt, weil sie zu lange in ihrem eigenen Kot saßen
© Tierschutzverein

Von Jasmine Hrdina

Kitzbühel – „Ich hoffe, ihr seid nicht empfindlich.“ Mit diesen Worten wurden fünf Mitglieder des Tierschutzvereins für Tirol 1881 am Donnerstag vergangener Woche in ein Haus im Bezirk Kitzbühel gerufen. Ein „paar Tiere“ müssten abgeholt werden, hieß es im Vorfeld. Was sich im Hausinneren offenbarte, war selbst für die erfahrenen Tierschützer „eine Katastrophe“.

© Tierschutzverein

36 Zwei- und Vierbeiner und Hunderte Fische in Dutzenden Aquarien vegetierten in der Wohnung eines Mehrparteienhauses auf zwei Etagen vor sich hin. Völlig verdreckt und verramscht sei die Unterkunft gewesen, die Wände „zugekleistert“ mit seltenen Jagdtrophäen, Waffen, kleinen Käfigen und Familienfotos. „Schon am Eingang kam einem bestialischer Gestank entgegen, diese Luft konnten weder Mensch noch Tier atmen. Die Käfige waren komplett zugekotet, die Krallen der Vögel teilweise verwachsen und verkrummt. Es gab kein Futter oder frisches Wasser“, schildert eine der Retterinnen, die lieber anonym bleiben will. „Die Räume waren total vollgestellt, man konnte sich darin kaum selber umdrehen.“

„Wir wussten nicht mehr, wo wir überall nachschauen sollten“

Fünf Katzen, ein Streifenhörnchen, ein Chinchilla, zwei Meerschweinchen, zwei Ratten, etliche Tauben und Sittiche, zwei riesige Aras und mehrere andere Papageien sowie Hunderte Süßwasserfische fristeten in der Wohnung ihr tristes Dasein. Sogar ein Königsfasan sowie ein subtropischer Fisch, der in freier Wildbahn bis zu zwei Meter lang werden kann und Vögel frisst, befanden sich in dem Haus. Woher der Besitzer diese Arten überhaupt hatte, bleibt ein Rätsel. „Der wusste selber nicht mehr genau, was er da alles im Haus hat“, erzählt eine Mitarbeiterin des Tierschutzvereins.

„Beim Öffnen einer Truhe hab’ ich gedacht, mich trifft der Schlag“, sagt sie. Es habe bestialisch nach Kloake gestunken, aus dem verschlickten Wasser fischten die Retter dann drei Schildkröten. „Wir wussten gar nicht mehr, wo wir noch überall schauen sollten, damit wir keine Tiere übersehen.“

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Im Beisein von Polizei und der Amtsveterinärin wurden die Tiere nach und nach abtransportiert. Das Rettungsteam musste sich in einem nahen Supermarkt sogar Kartons besorgen. „Wir hatten nicht genügend Boxen dabei. Mit so vielen Tieren hatten wir nicht gerechnet.“

Nicht ausreichend Kapazitäten in den Tierheimen

Was mit den Hunderten Fischen aus den viel zu kleinen und „teilweise in mangelhaftem Zustand“ befindlichen Aquarien passiert, war gestern noch offen. „In den Tiroler Tierheimen haben wir ja gar nicht die Kapazitäten, alle aufzunehmen.“ Die restlichen Vögel, Katzen und Nager wurden auf verschiedene Heime aufgeteilt, einige dürfen sich bereits über ein neues Zuhause freuen. Für ein schwer krankes Kaninchen kam die Hilfe aber zu spät – es verstarb noch während der Fahrt ins Wörgler Tierheim.

Es war übrigens nicht das erste Mal, dass Polizei und Tierschützer die Wohnung im Tiroler Unterland aufsuchen mussten, bestätigt Amtstierärztin Helga Dengg auf Nachfrage der Tiroler Tageszeitung. Wie es trotz des Augenmerks der Behörde dazu kommen konnte, dass die Bewohner so viele Tiere, noch dazu nicht artgerecht, gehortet hatten, wollte die Amtstierärztin nicht kommentieren.

Tierschützen warnen vor vorschnellen Urteilen

In einer gestern veröffentlichten Stellungnahme der Landesveterinärabteilung heißt es: „Die Person wurde öfters kontrolliert und hat ihren Tierbestand jeweils reduziert. Dieser wurde vor der zuletzt erfolgten Kontrolle offensichtlich wieder maßgeblich erhöht.“ Der Halter müsse nun mit einem Verfahren nach dem Tierschutzgesetz rechnen, es könnten auch Anzeigen wegen Tierquälerei folgen, ein Tierhaltungsverbot sei nicht auszuschließen.

Trotz der schlimmen Eindrücke wehren sich die Tierschützer dagegen, vorschnell über den „Tier-Messie“ zu urteilen. „Der war nicht mehr in der Lage einzuschätzen, was richtig ist und was nicht. Man kennt ja die Geschichte hinter solchen Schicksalen nicht.“ Dass die Tiere darunter leiden, dürfe man aber nicht akzeptieren.


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