Rettungspaket: Gemeinden sollen für Venet tief in die Tasche greifen

Im August müssen Landeck und Zams über ein Rettungspaket für den Venet entscheiden. Am Berg prüft man alle Optionen – auch einen Ausbau.

Noch hebt die Venetbahn ab – doch das Unternehmen hat ein akutes Liquiditätsproblem.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Landeck, Zams – Das vergangene Geschäftsjahr endete mit einem Minus von 500.000 Euro, die Prognosen für das laufende sind alles andere als rosig. Die Venet Bergbahnen AG steckt tief in einer finanziellen Krise. Das Unternehmen benötigt heuer erneut Geld der Eigentümer, um zu überleben. Sprich, die Gemeinden Landeck und Zams sollen als Hauptaktionäre mit einem Rettungspaket einspringen – der Finanzbedarf ist erheblich. „Wir werden in rund 14 Tagen eine außerordentliche Gemeinderatssitzung abhalten“, betont der Landecker Vizebürgermeister und Venet-Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Hittler. Um welche Summe es geht, wollte er noch nicht sagen. Zum bereits bekannten Minus kommt ein geschätzter Abgang für das laufende Geschäftsjahr, der abgedeckt werden muss. Hätte man nicht aufgesperrt, läge der Betrag bei 900.000 Euro, verrät Hittler. So rechnet man mit einem aufgrund von Corona erschwerten Betrieb am Berg und entsprechenden Einbußen. Auch der Zammer Bürgermeister Siggi Geiger will als Vertreter des zweitgrößten Eigentümers noch nicht in Details gehen. Von einer „erheblichen Summe“ spricht auch er. Die Finanzspritze sei unbedingt erforderlich.

In den letzten zehn Jahren gab es immer wieder Krisensitzungen um den Berg, Rettungspakete – und jährliche Unterstützungszahlungen beim Abgang und den Investitionen. Zuletzt hatte man 2,5 Mio. Euro für neue Attraktionen beschlossen, die im vergangenen Jahr in Betrieb genommen wurden. Die Gemeinderäte müssen nun entscheiden, ob und wie es weitergeht.

Derzeit sind verschiedene Varianten im Gespräch – sie reichen vom Ende der Riefenalbahn, deren Betrieb allein über 400.000 Euro pro Winter kosten soll, bis hin zur Schließung der Pendelbahn, dem Hauptzubringer auf den Krahberg.

Hittler bestätigt, dass es sich um „Optionen“ handle, die derzeit zur Diskussion stehen. Auch ein generelles Aus des Winterbetriebs und aller Anlagen bis auf die Pendelbahn sei eine Variante. Zudem steht ein Fragezeichen hinter der Zammer Alm, die ein erhebliches Minus erwirtschaftet haben soll.

Trotz Liquiditätsproblemen stehen aber überraschenderweise nicht nur Einsparungen, sondern auch neuerliche Investitionen zur Debatte. So soll eine Verlängerung des Sessellifts Venet-Süd bis ins Fließer Dorf angedacht sein. Hittler bestätigt hier Vorgespräche mit dem Fließer Bürgermeister.

Auch Venet-Vorstand Werner Millinger erklärt, dass es ein Konzept für einen Süd-Zubringer auf den Krahberg gibt. Die Weichen zu stellen sei Aufgabe der Eigentümer – „sie müssen heuer eine Entscheidung treffen“. Sowohl für den Sessellift Venet-Süd (2023) als auch für die Pendelbahn (2027) stehen Konzessionsverlängerungen und Generalrevisionen an – und die sind erneut mit durchaus erheblichen Investitionen verbunden. Er spricht von einem Gesamtkonzept, das man sich dafür überlegen müsse.

Wie Hittler betont, werden diese Entscheidungen aber noch nicht im August gefällt – derzeit gehe es nur um die Liquidität. Er spricht vom Venet von einer wichtigen Infrastruktureinrichtung, die erhalten werden soll.


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