Blitz, Wind und Regen bedrohen Tirol: Warnung vor Blitzschlag am Berg

Die Gewittergefahr im ganzen Land ist anhaltend hoch. Eine erste heftige Front am Dienstag richtete große Schäden an. Experten warnen vor Blitzschlag am Berg und raten zu genauer Tourenplanung.

Österreichs Blitzortungssystem ALDIS meldete am Dienstag insgesamt 5700 Blitze in Österreich.
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Innsbruck – Der Dienstag war der bisher stärkste Blitz-Tag des Jahres 2020. Im Zuge der großen und heftigen Gewitterfront, die über weite Teile Österreichs zog, meldete das Blitzortungssystem ALDIS (Austrian Lightning Detection and Information System) 5700 Wolke-Erde-Blitze, so viele wie noch nie heuer. Der Prognose der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zufolge können am Mittwoch vor allem in der Steiermark, in Kärnten und in Osttirol noch kräftige Gewitter entstehen. Am Donnerstag, Freitag und Samstag sollte sich das Wetter beruhigen, Gewitter bilden sich dann nur vereinzelt, am ehesten im Laufe der Nachmittage im Süden Österreichs. Am Sonntag steigt die Gefahr von Unwettern wieder, denn von Westen her zieht eine Kaltfront nach Österreich, die in vielen Regionen kräftige Regenschauer und Gewitter bringen kann. Dafür ist laut dem Wetterdienst Ubimet in den kommenden Tagen in weiten Teilen des Landes so etwas wie eine kurze Hitzewelle zu erwarten. Es stehen mehrere Tage mit mehr als 30 Grad in Folge bevor.

Die Gewitterfront am Dienstag hat auch in Tirol schwere Schäden angerichtet. Im Zillertal knickten Sturmböen ganze Waldstriche wie Zündhölzer, in Ramsau krachte ein Baum auf zwei Carports und einen Hundezwinger, auch auf das Dach des Nachbarhauses stürzte ein Baum. In Hopfgarten im Brixental begrub ein umstürzender Baum ein Auto unter sich. Die Freiwilligen Feuerwehren waren stundenlang mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Im Zillertal knickte der Sturm Bäume wie Zündhölzer.
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Auch in anderen Teilen Österreichs krachte es gewaltig. Betroffen waren Ober- und Niederösterreich, Vorarlberg, aber auch die Steiermark und Salzburg. Die Höhe der angerichteten Sachschäden ist noch nicht bekannt, dürfte aber in die Millionen gehen, allein in Oberösterreich, wo insgesamt 67 Feuerwehren mit 1100 Helfern zu 160 Einsätzen ausgerückt waren, sollen es nach Angaben der Hagel­versicherung 2,5 Millionen Euro sein. In Niederösterreich betrug die Zahl der Feuerwehreinsätze 270, allein 100 waren es in der Landeshauptstadt St. Pölten.

In Hopfgarten i. Br. begrub ein Baum ein Auto unter sich.
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Vor dem Hintergrund der anhaltenden Gewitter- und Blitzschlaggefahr vor allem in Bergregionen raten Experten aus dem Bereich der alpinen Sicherheit und der Blitzforschung zur exakten Tourenplanung. „Dazu gehört es, sich zwei bis drei Tage vorher den Wetterbericht anzusehen“, erklärte der Präsident des Kuratoriums für Alpine Sicherheit, Peter Paal.

Auch den Zeitraum des Bergausfluges müsse man genau planen, meinte Paal weiter. „Ratsam ist es jedenfalls, bis Mittag in der Schutzhütte zu sein“, betonte der Sicherheitsexperte. Dem schloss sich auch Wolfgang Schulz, technischer Leiter bei ALDIS, an: „Vor allem im Sommer sollte man zeitig anfangen.“ Außer bei einer sehr stabilen Wetterlage sei es am Nachmittag etwa für Einstiege bereits zu spät. Statistisch gesehen passiere ab Mittag am meisten, konstatierte Paal.

„Objektive Gefahren am Berg werden oft zu wenig wahrgenommen. Das ist keine Spielwiese oder Sporthalle.“ (Peter Paal, Kuratorium f. Alpine Sicherheit)
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Bei „verdächtigem Himmelsbild“ oder gar bei Donner sollte man laut Schulz „die Tour abbrechen und schnellstmöglich Schutz“ suchen. Dazu eignen sich sowohl eine Hütte als auch das eigene Auto. Besonders gefährlich bei Gewittern seien hingegen Klettersteige. „Dort wird es schon gefährlich, wenn es regnet“, strich Schulz heraus. Ganz generell gelte im Falle von Gewitter und Blitzen „weg von allen Metallen“, hielt Paal fest.

Trotz der vorhandenen technischen Mittel und den an sich einfachen Regeln komme es aber immer wieder zu „Leichtsinn“, wie Paal betonte. Man müsse sich immer im Klaren sein, dass „der Berg keine Spielwiese oder Sporthalle ist“, meinte der Kuratoriumspräsident. Die „objektiven Gefahren am Berg“ würden oft zu wenig wahrgenommen. (APA, TT)


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