„Die SPÖ ist kein Mädchenpensionat“: Fürst kontert Doskozil-Kritiker

Der burgenländische Parteigeschäftsführer Roland Fürst kontert die Kritiker von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Bildliche Einigkeit, faktische Differenzen. Zum Ärger von SP-Chefin Rendi-Wagner kritisiert Doskozil das Wirken der Bundespartei.
© APA

Von Karin Leitner

Wien – Dass der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil öffentlich allerlei in der SPÖ beklagt – von der Themensetzung bis zu den Umfragewerten –, missfällt Parteifreunden in der Bundesparteizentrale und in anderen Landesorganisationen. Wie berichtet, wird ihm Profilierung im eigenen Land zu Lasten der Bundespartei vorgehalten, vom Commerzialbank-Skandal wolle er ablenken, heißt es. Auch „übersteigertes Geltungsbedürfnis“ wird ihm zugeschrieben.

Doskozils Geschäftsführer lässt dies wie das nicht gelten. „Das ist alles konstruiert“, sagt Roland Fürst im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Der einzige Grund, warum der Herr Landeshauptmann das macht, ist, weil wir den Menschen und der Sache verpflichtet sind.“ Dass Doskozil einen Mindestlohn von 1700 Euro netto im Monat propagiere, liege daran, dass das vorrangig für viele sei, nicht die von der Bundes-SPÖ gewollte Arbeitzeitverkürzung. „Über 60 Prozent der Frauen über 45 Jahren wollen das.“ Fürst verweist auch auf die Mitgliederbefragung der SPÖ. Bei dieser hätten 61,9 Prozent den 1700-Euro-Mindestlohn für „sehr wichtig“ erachtet, eine Vier-Tage-Arbeitswoche nur 33,1 Prozent. Warum werden die inhaltlichen Differenzen nicht intern besprochen? Fürsts Antwort: „Wenn wir das Gefühl hätten, dass das sinnvoll ist, würden wir das tun.“ Abgesehen davon sei „die SPÖ kein Mädchenpensionat, in dem man zur Direktorin gehen muss, um um Erlaubnis zu fragen, etwas zu sagen“. Dass Funktionäre befinden, dass Doskozil just verbal wieder „ausreite“, wenn die Partei „endlich wieder Tritt fasst“, kommentiert Fürst so: „Wir richten uns nicht nach subjektiven Befindlichkeiten. Die Umfragen sagen etwas anderes. Man kann subjektiv das Gefühl haben, die richtigen Themen zu setzen. Objektiv sind sie das aber nicht.“ Das habe sich auch bei Doskozils Besuch bei deutschen Gesinnungsfreunden gezeigt: „Die SPD meint, im Bund gute Politik zu machen. Das bringt nichts, wenn die CDU doppelt so viel Zuspruch hat. Man sollte aufhören, sich danach zu richten, ob etwas dem eigenen Empfinden nach gut ist.“

Zum Vorhalt von Parteigängern, Doskozil spiele mit seinen Äußerungen der ÖVP in die Hände, sagt Fürst: „Das ist eine infantile Zuschreibung. Wir sind ja nicht in einer autoritären Republik, in einer Sekte. Doskozil antwortet, wenn er gefragt wird. Von ihm kommt kein NLP-Gebrabbel wie von ÖVP-Kanzler Kurz.“

Und ihm sei „vollkommen egal, dass manche in der Partei nicht goutieren, was Landeshauptmann Doskozil sagt und tut“, fügt Fürst an. Weder habe dieser ein übersteigertes Ego („Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so unprätentiös ist“), noch wolle er im Burgenland punkten („Bei einer absoluten Mehrheit gibt es keine Notwendigkeit. Wir haben über 500 neue Mitglieder“). Und dass der Landeshauptmann vom Commerzialbank-Skandal ablenken wolle, sei „Schwachsinn. Er will hinlenken – und maximale Aufklärung. Da sind wir zu 100 Prozent dahinter.“

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