Mit negativem Test in Heimquarantäne: Nur bestimmte Berufsgruppen

Ob man als negativ getestete Kontaktperson weiterarbeiten darf oder nicht, hängt von der Berufsgruppe ab. Das regt die Wirtschaftskammer auf.

Systemrelevant oder nicht? Die Mitarbeiter in der Hotellerie und in der Gastro sind es offenbar nicht.
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Von Anita Heubacher

Innsbruck – „Ich setze alles daran, dass meine Mitarbeiter nicht K1 werden“, erzählt Theo Zoller. Er ist TVB-Obmann der Zugspitz Arena und führt ein Hotel in Lermoos mit elf Mitarbeitern. K1 ist das Kürzel, das es in Corona-Zeiten in sich hat. Kontaktperson 1. Wer als solche klassifiziert wird, muss 14 Tage in Heimquarantäne, auch wenn der Corona-Test negativ ist.

Theo Zoller sitzt Mitte Juli bei einer TVB-Sitzung. Geht nach Hause, arbeitet. Eine Woche lang. Dann muss er, nachdem ein Sitzungsteilnehmer positiv getestet wurde, selbst einen Corona-Test machen. Das nennt sich Contact Tracing, Kontaktnachverfolgung. Der Test fällt zwar negativ aus, Zoller kann aber trotzdem sein Hotel nicht weiterführen. Er muss in Heimquarantäne. „Nach wie vor ohne Symptome“, wie er betont. Heute bekommt der Hotelier das Testergebnis des zweiten Corona-Tests. 14 Tage sind vorbei. Ist der Test negativ, kann Zoller seine Frau und seine Tochter wieder entlasten. Die beiden hatten das Hotel in der Hochsaison weitergeführt.

„Für den Tourismus muss dasselbe gelten wie für die Landwirtschaft.“ Christoph Walser, ÖVP 
(WK-Präsident)
© Böhm

Die Behörden hätten richtig gehandelt. Das sei nicht der Punkt. „Es geht darum, dass die Einstufung, wann man eine Kontaktperson 1 ist, geändert gehört, sonst stürzt man Unternehmen ins Risiko.“ Zoller ist inzwischen Corona-Experte. Seinen Mitarbeitern trägt er auf, nie länger als 15 Minuten miteinander zu arbeiten und wenn, dann einen Abstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. Das sind einige der Eckdaten, die einen zur Kontaktperson 1 machen. Nach der Sitzung des TVB wird zwar Zoller K1, seine Kollegin, die dabei war, aber K2. „Sie war mehr als 1,5 Meter von der positiv Getesteten weg.“ Das hätten die Behörden als Grund genannt. Kontaktpersonen 2 müssen nicht in Heimquarantäne, sie können möglichst isoliert weiterarbeiten. Sitzungen dürfen sie keine halten. Aber zumindest arbeiten können sie mit negativem Test-Ergebnis.

Was in der Hotellerie oder im Gastgewerbe gilt, gilt nicht bei den Bauern. Das musste Seilbahnsprecher, ÖVP-Nationalrat und Hotelier Franz Hörl dazulernen. Entspannt sitzt er vor dem Fernsehapparat, als ein Beitrag über Südtirols Apfelbauern über den Bildschirm flimmert. Erntehelfer aus Osteuropa sind das Thema. Wenn ein positiver Fall auftaucht, dürfen die Kontaktpersonen mit negativem Test weiterarbeiten, erzählt der Südtiroler Apfelbauer im TV. Hörl greift zum Hörer und ruft seine Parteikollegin, ÖVP-Tourismus- und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, an. „Das brauchen wir auch“, sagt Hörl. „Das haben wir bereits“, habe sie gesagt, erzählt er.

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Der Wirtschaftsbündler versteht die Welt nicht mehr. Die Bauern hätten sich wohl durchgesetzt. „Das fordern wir auch.“ Hörl will gleiches Recht für alle. „Wenn jemand als Kontaktperson 1 negativ getestet wird, soll er jeden zweiten Tag getestet werden, aber weiterarbeiten dürfen.“ Ein Schlagwort dazu ist „systemrelevant“. Bauern können weiterarbeiten, ebenso wie Mitarbeiter im Spitals- oder Pflegebereich. Sie sind systemrelevant, Hotelmitarbeiter offenbar nicht. „Da braucht sich niemand zu wundern, dass kaum Hoteliers die freiwilligen Corona-Testungen der Mitarbeiter in Anspruch nehmen“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser, ÖVP.

Walser ist sich mit Hörl einig: „Das muss sich ändern. Für den Tourismus muss dasselbe gelten wie für die Landwirtschaft.“ Außerdem brauche es endlich Klarheit, was passiert, wenn ein positiver Fall in einem Hotel auftritt. Zusperren oder nicht? Derzeit entscheidet darüber die BH. Es gibt keine einheitliche österreichweite Regelung.

Der grüne Gesundheitsminister Rudi Anschober sei gefordert, meinen die beiden ÖVP-Politiker. „Sonst ist jede Testreihe wie russisches Roulette“, sagt Hörl. Er lässt seine Hotelmitarbeiter wöchentlich testen. Freitags kommen die Ergebnisse.


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